Zürich

Können Zürcher Autofahrer bald auf dem Pannenstreifen zur Arbeit fahren?

Weil das Verkehrsaufkommen steigt, soll die Autobahn zwischen Wädenswil und Richterswil bald auf sechs Spuren befahrbar sein.

Weil das Verkehrsaufkommen steigt, soll die Autobahn zwischen Wädenswil und Richterswil bald auf sechs Spuren befahrbar sein.

Zwischen Wädenswil und Richterswil soll die A3 in Zukunft auf sechs Spuren befahrbar sein. Das Konzept hat sich bereits am Genfersee bewährt.

Am Genfersee hat sie sich bewährt. Nun will das Bundesamt für Strassen (Astra) die Massnahme auch auf der A3 am Zürichsee einsetzen: die sogenannte temporäre Pannenstreifenumnutzung, kurz PUN. Auf PUN-Abschnitten dürfen Verkehrsteilnehmer während Stosszeiten den Pannenstreifen als Fahrbahn benutzen.

Am Zürichsee plant das Astra ein PUN-Projekt für den fünf Kilometer langen Abschnitt zwischen Wädenswil und Richterswil. Das zeigen Pläne, die im Wädenswiler Bauamt auflagen. Läuft alles nach Plan, geht die PUN 2027 in Betrieb. Auf anderen Strecken im Kanton Zürich soll die Massnahme schon früher angewendet werden.

Bund rechnet mit Verkehrszunahme von einem Viertel

Das Teilstück Wädenswil– Richterswil ist laut Astra ein Engpass. Hier befährt und verlässt besonders viel Verkehr die Autobahn. Auf der A3 zwischen den beiden Anschlüssen verkehren im Durchschnitt über 62'000 Fahrzeuge pro Tag. Tendenz steigend: Der Bund rechnet bis in 15 Jahren mit einer Zunahme von knapp einem Viertel. Schon heute ist die A3 auf besagtem Abschnitt so stark belastet, dass der Verkehr zu Spitzenzeiten stockt.

Bei den Ein- und Ausfahrten häufen sich dann jeweils die Unfälle. Laut Astra ist jeder zweite davon ein Auffahrunfall. Die Pannenstreifenumnutzung soll also Abhilfe schaffen. Das Ziel: weniger Unfälle sowie besserer Verkehrsfluss und damit geringere Umweltbelastung.

Für das 50-Millionen-Projekt muss unter anderem das Autobahntrassee verändert werden. Denn die Pannenstreifen müssen auf 3,5 Meter verbreitert werden. Die zusätzliche Fläche will das Astra gewinnen, indem es den begrünten Streifen in der Mitte der Autobahn verschmälert. Für das Projekt sind auch Signalportale nötig. 19 Stück an der Zahl. An diesen Balken, die die Autobahn quer überspannen, werden die Lichtsignale montiert. Leuchten sie grün, ist der Pannenstreifen befahrbar. Hinzu kommen elektronische Anzeigen für das Tempolimit. Denn bei aktivierter PUN werde die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h auf 100 km/h oder 80 km/h reduziert.

Wegen Pannenstreifen ging es auch schon vor Gericht

Unumstritten sind Pannenstreifenumnutzungen nicht. Vor allem wenn die Streifen permanent befahrbar sind. So plante es das Astra etwa auf der Autobahn zwischen Pratteln und Rheinfelden. Der Verkehrs-Club der Schweiz hatte sich 2018 vor Gericht erfolgreich dagegen gewehrt. Die Kritik: Die Kapazität werde wesentlich erhöht, was Mehrverkehr generiere.

Das Verwaltungsgericht bestätigte in seinem Urteil, dass das Astra ungenügend abgeklärt habe, ob das Projekt allfällige Verkehrsumlagerungen mit sich bringe. Und wie steht es diesbezüglich um die PUN am Zürichsee? Das Astra betont in den Projektunterlagen mehrfach: Die temporäre PUN werde «nur bei Bedarf» in Betrieb genommen. Die Kapazität werde nicht erhöht.

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