Spurensuche
Klotzen am Rande der Stadt: Der verstorbene Architekt Theo Hotz hat Grosses hinterlassen

Das Paketzentrum Mülligen, das Feldpausch-Gebäude an der Zürcher Bahnhofstrasse oder das Zürcher Einkaufszentrum Sihlcity: Sie alle tragen die Handschrift des bekannten Zürcher Architekten Theo Hotz. Am 19. März ist er im Alter von 89 Jahren verstorben.

Matthias Scharrer
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Architekt Theo Hotz 2005 steht auf der Baustelle Sihlcity im ovalen Lichtschacht im vierstöckigen Hauptgebäude.
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Auf Spurensuche: Der kürzlich verstorbene Architekt Theo Hotz hat Grosses hinterlassen
Nebst Riesigem gelang Hotz auf Filigranes: Mehrfamilienhaus Bäckerstrasse.
Im Hardturmpark, fertiggestellt 2015, gibts Wohnungen, Läden und Büros.
Als wäre ein riesiges Ufo gelandet: Das Paketverteilzentrum Mülligen kontrastiert mit den alten Schlieremer Arbeiterhäuschen.
Theo Hotz beim Spatenstich für den Bahnhof Aarau 2008.

Architekt Theo Hotz 2005 steht auf der Baustelle Sihlcity im ovalen Lichtschacht im vierstöckigen Hauptgebäude.

Keystone

Er eckte an. Manche seiner Bauwerke wurden als «Hotz-Klotz» bezeichnet. Doch prägend war der am Montag im Alter von 89 Jahren in Meilen verstorbene Architekt Theo Hotz allemal. Von der Messe Basel über den Bahnhof Aarau bis zum Hauptbahnhof Wien setzte er markante architektonische Akzente. Die meisten seiner Bauten stehen jedoch in Zürich, wo der gelernte Hochbauzeichner 1949 sein Architekturbüro eröffnete. Wer die Stadt durchquert, stösst immer wieder auf Hotz-Akzente.

Sihlcity – das Spätwerk des verstorbenen Architekten Theo Hotz:

Das Paketpostzentrum Mülligen am Stadtrand zwischen Schlieren und Zürich ist so ein Akzent. Gegenüber den alten Schlieremer Arbeiterhäuschen wirkt es wie ein überdimensionales Ufo. Doch auf der anderen Seite des grauen Riesen erstreckt sich das Gleisfeld der Bahnhstrecke Zürich-Bern. Und dazu passen die riesigen Dimensionen. Hotz setzte mit dem 1985 fertiggestellten Paketpostzentrum ein Zeichen: Hier hört die Stadt auf – und hier geht die Post ab in alle Richtungen. Der grossformatige und gleichzeitig feingliedrige Bau am Rande der Stadt brachte ihm einen Preis des American Institute of Architects ein.

So richtig gross anrichten konnte Hotz auch bei einem seiner letzten Projekte, dem noch im Bau befindlichen Polizei- und Justizzentrum des Kantons Zürich beim Bahnhof Hardbrücke. Auch sein Beitrag zur Neubausiedlung Hardturmpark lässt sich in der Kategorie «Klotzen am Rande der Stadt» einordnen.

Doch nebst Grossprojekten gelang Hotz auch Filigranes. Beispielhaft dafür steht das im Jahr 2000 fertiggestellte Mehrfamilienhaus Bäckerstrasse mitten im Zürcher Kreis 4. Exakt eingepasst, fügt sich der Glas-Beton-Bau zwischen ein Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert und das Volkshaus. Er passt, obwohl sich der Neubau durch seine Glasfassade von der Umgebung abhebt. Der Trick: Diese spiegelt sich im Glas des Neubaus, sodass Alt und Neu optisch verschmelzen.

Hotz’ Bauten stehen kompromisslos fürs Moderne, schnörkellos Funktionale. Doch dort, wo sie mit dem Alten in Berührung kommen, nahm Hotz mitunter feinfühlig Bezug darauf. Das unterscheidet vor allem sein Spätwerk vom bisweilen rücksichtslosen Bauen so mancher Architekten der 1970er und 1980er Jahre.

Virtuoses Kombinationen

Exemplarisch zeigt sich Hotz’ moderne und gleichzeitig auf das Bestehende Rücksicht nehmende Haltung in seinem grossen Spätwerk Sihlcity. Auf den Ruinen einer alten Papierfabrik, umrahmt von Sihl, Sihlhochstrasse und Bahn, konnte Hotz hier eine Art Stadt am Rande der Stadt hinklotzen, mit Einkaufszentrum, Kino, Restaurants und Bürogebäuden. Einen Teil der alten Papierfabrik liess er stehen, zusammen mit dem Fabrikkamin, der aus der Mitte dieser City ragt.

Mit den darum herum gruppierten Neubauten greift Hotz Elemente der Fabrik- und Autobahnbauten auf, um sie kühl mit den für ihn typischen Glasfassaden zu kombinieren. So erhält die Sihlcity Identität. Und indem er Bestehendes virtuos mit Neuem kombinierte, schuf Hotz ein zumindest während der Ladenöffnungszeiten lebhaftes Stück Stadt am südlichen Rande der Stadt.