Klimawandel
So will der Regierungsrat Siedlungsgebiete kühlen und aufwerten

Mehr Bäume und Versickerungsflächen: Das sind die Kernpunkte eines Klimaschutzpakets, das der Zürcher Baudirektor Martin Neukom (Grüne) am Montag präsentiert hat.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Mehr Grün statt Grau: Der Kanton Zürich will angesichts des Klimawandels Begrünungen und Versickerungsflächen vorschreiben. Im Bild: Siedlung Grünmatt der Familienheimgenossenschaft Zürich.

Mehr Grün statt Grau: Der Kanton Zürich will angesichts des Klimawandels Begrünungen und Versickerungsflächen vorschreiben. Im Bild: Siedlung Grünmatt der Familienheimgenossenschaft Zürich.

Matthias Scharrer

Bäume sind jetzt auch ein Standortfaktor, besonders in Städten und Agglomerationsgemeinden. Dies verkündete der Zürcher Baudirektor Martin Neukom (Grüne), als er am Montag geplante Gesetzesänderungen zum Klimaschutz präsentierte.

Feststeht: Es wird heisser. Seit Messbeginn 1864 sind die Temperaturen in der Schweiz bereits um durchschnittlich knapp zwei Grad gestiegen. Und solange massenweise Treibhausgase ausgestossen werden, dürfte diese Entwicklung weitergehen. Mit Folgen, so Neukom:

«Hitzewellen haben gesundheitliche Auswirkungen und schränken die Produktivität ein. Man verliert dadurch auch an Standortattraktivität.»

Hier kommen die Bäume ins Spiel: Sie kühlen. Nicht nur indem sie Schatten spenden, sondern auch, indem sie Wasser verdunsten. Doch gerade in urbanen Gebieten fallen sie oft der Verdichtung zum Opfer. Jährlich nimmt der Baumbestand auf Privatgrund in den Städten um rund ein Prozent ab, wie die Zürcher Kantonsregierung in ihrer Vernehmlassungsvorlage festhält. Nun will der Regierungsrat Gegensteuer geben, und zwar mit folgenden gesetzlichen Massnahmen:

  • Gemeinden sollen die Möglichkeit erhalten, grossflächig Bäume unter Schutz zu stellen. Gemäss geltendem Recht können sie dies nur für «näher bezeichnete Baumbestände» tun. 
  • Von Nachbars Garten müsste ein Baum mit der geplanten Gesetzesänderung nicht mehr je nach Grösse vier oder acht Meter entfernt sein, sondern nur noch zwei Meter. Das schüfe Platz für mehr Bäume.
  • Zudem soll zwischen Bäumen und Strassen kein Minimalabstand mehr vorgeschrieben sein. In den Städten Zürich und Winterthur ist dies bereits der Fall, ohne dass deswegen Sicherheitsprobleme aufgetreten seien, wie Neukom sagte.
  • Bei grösseren Bauprojekten wären gemäss der geplanten Gesetzesänderung Begrünungen zwingend einzuplanen. So ist eine Baumpflanzpflicht vorgesehen, zudem Dach- und Fassadenbegrünungen. Bei der Frage, wann die Begrünungsvorgabe erfüllt sei, hätten die Gemeinden allerdings einen gewissen Ermessensspielraum, wie Neukom erklärte.
  • Ausserdem wären Bodenversiegelungen wenn immer möglich zu vermeiden. Neue Parkplätze dürften laut Neukom generell nicht mehr versiegelt werden. Sie müssten also einen Bodenbelag erhalten, in dem Regenwasser versickern kann. Auch dies trägt zur Kühlung von Siedlungsgebieten bei.
  • Gemeinden sollen bei Neubauprojekten Gebäudestellungen so anordnen können, dass die nächtlichen Kaltluftströme von Hügeln ins Siedlungsgebiet nicht unterbrochen werden.
  • Und schliesslich: Gemeinden sollen die Flächen für unterirdische Bauten wie Tiefgaragen einschränken können, um Sickerflächen zu erhalten. Heute sind Grundstücke praktisch vollständig unterbaubar; künftig dürften entweder maximal 60 Prozent eines Grundstücks oder ein Drittel der anrechenbaren Grünfläche unterbaut werden.

Neukom betonte, das vorgeschlagene Gesetzesänderungspaket enthalte viele Kann-Formulierungen, um den Gemeinden passende lokale Lösungen zu ermöglichen. Im ländlichen Andelfingen sei die Situation beispielsweise anders als in einer urbanen Agglomerationsgemeinde wie Schlieren. Daneben enthalte das Paket aber auch Muss-Bestimmungen wie die Begrünungspflicht und das Bodenversiegelungsverbot bei Parkplätzen.

Vernehmlassung dauert bis Ende August

Bis Ende August läuft nun die Vernehmlassung zu der Gesetzesvorlage. Diese wird anschliessend überarbeitet, bevor sich voraussichtlich nächstes Jahr der Kantonsrat damit befasst. Erst danach könnten die Gesetzesänderungen in Kraft treten, wenn das Parlament und allenfalls das Volk zustimmt.