Wahlen
Kleine Brötchen statt grosser Visionen sollen aus Finanzloch helfen

Für die sieben Sitze im Stadtrat kandidieren zehn Politiker: Drei Vertreter der Sparallianz aus SVP, FDP, GLP, CVP und Piraten fordern am 9. Februar den Stadtrat heraus.

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Alle amtierenden Stadträte treten zur Wiederwahl an.

Alle amtierenden Stadträte treten zur Wiederwahl an.

ZVG

Die Winterthurer Stadtratswahlen sind von einem grossen Thema geprägt: der prekären finanziellen Lage der Stadt. Statt grosser Visionen sind von den zehn Kandidierenden für die sieben Sitze lieber handfeste Rezepte gefragt, wie sie die Finanzen wieder ins Lot bringen wollen.

Die Budgetdebatte vom Dezember liess in der Bevölkerung die Wogen hochgehen. Neben vielen anderen unpopulären Sparmassnahmen wurden Schulreisen und Klassenlager teilweise gestrichen, die Kompostabfuhr wurde zusammengekürzt, und beim Unterhalt der öffentlichen Toiletten wird künftig grosszügig über Schmutz hinweggesehen.

Die bürgerliche Sparallianz aus SVP, FDP, GLP, CVP und Piraten verfolgte ihren unpopulären Kurs trotz empörter Leserbriefe und einer Schülerdemo weiter. So machte sie die Steuererhöhung überflüssig, die der Stadtrat durchsetzen wollte.

Es sind drei Vertreter dieser Sparallianz, die den Stadtrat am 9. Februar herausfordern.

SVP will zurück in Stadtregierung

Der amtierende Stadtrat, von dem alle sieben Mitglieder erneut antreten, besteht aus drei SP-Exponenten (Pearl Pedergnana, Nicolas Galladé, Yvonne Beutler), einem Grünen (Matthias Gfeller), zwei FDPlern (Stefan Fritschi, Barbara Günthard-Maier) und dem CVP-Präsidenten Michael Künzle.

Das Gremium sieht sich seit längerem von bürgerlicher Seite mit dem Vorwurf konfrontiert, die Ausgaben nicht im Griff zu haben. Tatsächlich musste Stadtpräsident Künzle kürzlich vor den Medien einräumen, dass man sich in den vergangenen Jahren zu wenig intensiv mit den Finanzen beschäftigt habe. «Hätten wir früher damit angefangen, wäre die Situation heute komfortabler.»

Der Stadtrat sieht den Hauptgrund für das Finanzloch aber vor allem im neuen kantonalen Finanzausgleich, der die Zentrumslasten der schnell gewachsenen Grossstadt nicht genügend berücksichtige.

Die drei Herausforderer sehen dies freilich anders. Sie wollen den Einzug in den Stadtrat schaffen, um dem «Griechenland der Schweiz», wie der «Blick» titelte, finanziell wieder auf die Beine zu helfen. Einen Bisherigen zu verdrängen, dürfte für sie aber schwierig werden.

Am ehesten Chancen hat Josef Lisibach von der SVP. Der 47-jährige Kantonspolizist politisiert zwar auf SVP-Linie, ist aber kein Polterer. Der ehemalige Präsident des Stadtparlamentes wird wegen seiner umgänglichen Art auch von Linken geschätzt.

Die SVP ist in Winterthur seit elf Jahren nicht mehr in der Regierung vertreten. Alle bisherigen Versuche, wieder einen Sitz zu erobern, waren erfolglos.

Auch als Stadtrat ohne Anzug

Erfolglos versuchte es bisher auch die GLP, die noch nie in der Stadtregierung vertreten war. Sie steigt mit dem ETH-Agronomen Beat Meier (49) in den Ring. Der Präsident der Winterthurer GLP gilt als harter Sparer mit grossem ökologischem Wissen.

Das Stadthaus entern will auch Pirat Marc Wäckerlin. Der 42-jährige Informatiker sitzt seit 2010 im Grossen Gemeinderat. Er war der erste Vertreter der Piraten-Partei, der in der Schweiz in ein Stadtparlament gewählt wurde.

Er gehört zur GLP-Fraktion und ist mehr liberal als grün. Ihn weiter politisch einzuordnen, ist aber schwierig. Klarer ist seine Haltung zu Äusserlichkeiten: Er würde auch als Stadtrat keinen Anzug tragen. (sda)

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