Die Volksinitiative «Mehr Qualität im Unterricht dank kleinerer Klassen (Klassengrössen-Initiative)» der EVP verlangt ein generelles Maximum von 20 Schülern und Schülerinnen pro Klasse. Regierungsrat und Kantonsrat lehnen das Ansinnen ab, vor allem wegen der Kosten von zusätzlich 120 Millionen Franken jährlich, wie die Bildungsdirektion errechnet hat. Sie geht dabei von 1350 zusätzlichen Lehrkräften aus.

Der Kantonsrat hat dem Anliegen der Initianten mit einem Gegenvorschlag zumindest teilweise Rechnung getragen. Gemäss diesem soll der Lehrkräfte-Pool aufgestockt werden, aus dem der Kanton im Bedarfsfall den Schulgemeinden Unterstützung leisten kann. Er umfasst heute 160 Vollzeitstellen, gemäss dem Gegenvorschlag sollen 100 weitere dazukommen. Mehrkosten: 15 Millionen Franken pro Jahr.

Es stellt sich die Frage, ob der Pool so stark nachgefragt ist, dass sich eine Ausweitung rechtfertigen lässt. Konkret: Mussten schon Schulpflegen mit gut begründeten Gesuchen abgewiesen werden? «In schwierigen Fällen war das nie so», sagt Martin Wendelspiess, Leiter des kantonalen Volksschulamtes. Die Kunst bestehe darin, die Grosszügigkeit in der Gutheissung von Gesuchen so zu bemessen, dass der Pool bis Ende Schuljahr noch etwas hergebe. Denn sind die 160 Pool-Stellen im laufenden Schuljahr aufgebraucht, können keine weiteren mehr vergeben werden. Allerdings sei es regelmässig so, fügt Wendelspiess an, dass dann bis Ende Schuljahr auch alle zur Verfügung stehenden Stellen vergeben seien. Generell sei es so, dass die Nachfrage das Angebot übersteige. Mit dem Pool wird seit bald zehn Jahren gearbeitet.

Kein Kriterienkatalog

Wendelspiess nennt im Wesentlichen drei Einsatzmöglichkeiten. Am häufigsten gehe es um kleine Gemeinden mit tiefem Sozialindex und «schwieriger Schülerzahl» – also beispielsweise regelmässig 15 bis 20 pro Jahrgang, was relativ kleine Jahrgangsklassen gibt, aber doch zu viele Kinder sind, um Klassen zusammenzulegen- oder um besonders weitläufige Gemeinden. Ein Beispiel für Letzteres ist etwa Fischenthal, wo mit der Anzahl Lehrkräfte, die der Gemeinde regulär zusteht, in den Aussenwachten keine Klassen geführt werden könnten. In all diesen Fällen sind die Pool-Stellen langfristig verplant.

So kann, aber muss es nicht sein in der zweithäufigsten Pool-Kategorie: Die Klassengrösse ändert sich unter dem Jahr. Gründe hierfür können Zuzüge sein, aktuell gerade Kinder von Asylbewerbern, für die eine Aufnahmeklasse gebildet werden sollte, oder das Auffüllen von Klassen mit Schülern, welche die Probezeit im Gymnasium nicht bestanden haben. Diese Kategorie macht etwa einen Drittel der Pool-Fälle aus.

Es verbleiben die «schwierigen Einzelfälle», so Wendelspiess. Als Beispiele führt er an: Eine Klasse ist so unglücklich zusammengesetzt, dass sie überhaupt nicht mehr funktioniert; oder Lehrerwechsel haben einen Klassenverbund destabilisiert. Einen Kriterienkatalog, der «schwierig» definiert, gibt es nicht. Wendelspiess: «Da ist allein Augenmass gefragt.» Lehrer, die an ihre Grenzen gelangten, oder sich häufende Elternreaktionen seien Indizien. Die Gemeinden müssten ihren Bedarf auch nicht beweisen, sondern lediglich glaubhaft machen.

Bei den schwierigen Einzelfällen wird das Gesuch konkret in Bezug auf die betreffende Klasse eingereicht. Wenn möglich, wird die Pool-Lehrkraft innert Tagen losgeschickt. Sie übernimmt dann zum Beispiel die schwierigen Schüler der Klasse, damit die übrigen in Ruhe von der angestammten Lehrperson unterrichtet werden können. Oder die Klasse wird in den Fächern Deutsch und Mathematik hälftig geteilt. Es gibt der Möglichkeiten viele. Sofern gerade jemand verfügbar ist. Denn es werden nicht auf Vorrat 160 Lehrkräfte für den Pool angestellt – die 60 Stellen sind als Obergrenze zu sehen. «Am schnellsten geht es, wenn die beantragende Schulpflege schon eine Lehrperson nennen kann, die qualifiziert ist und gerade Zeit hat», erklärt daher Wendelspiess. Im Idealfall erhöht eine bereits an der Schule tätige Lehrperson ihr Pensum.

Entspannter Stellenmarkt

Gibt der Stellenmarkt denn überhaupt 100 zusätzliche Lehrkräfte her, wie sie der Gegenvorschlag zur Klassengrössen-Initiative verlangt? Hier ändere sich die Situation ständig, sagt Wendelspiess. Ein Gesuch um eine Pool-Stelle zu bewilligen sei jedenfalls oft einfacher, als dann auch jemand Geeigneten dafür zu finden. Momentan präsentiere sich aber die Situation auf dem Stellenmarkt entspannter als auch schon.