Winterthur bezieht seit Jahren mit Abstand am meisten aus dem kantonalen Finanzausgleich. Aktuell sind es 148 Millionen Franken, nächstes Jahr werden es gut sechs Millionen mehr sein: 154,6 Millionen, wie den neuesten Zahlen zum Finanzausgleich 2015 zu entnehmen ist, die das kantonale Gemeindeamt gestern publiziert hat.

Der Winterthurer Gesamtbetrag setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Erstens dem Zentrumslastenausgleich, der jährlich fix 85 Millionen Franken ausmacht und nur der Teuerung angepasst wird. Dazu kommt, zweitens, der Ressourcenausgleich, der für nächstes Jahr 69,6 Millionen beträgt. Der Ressourcenausgleich ist für alle Gemeinden variabel. Vorgegeben ist nur das Ziel: Der Zustupf muss so bemessen sein, dass die Gemeinde auf eine finanzielle Ausstattung von 95 Prozent des kantonalen Mittels kommt. Dass Winterthur 2015 mehr Ressourcenausgleich erhält, ist nur bedingt eine frohe Botschaft. Denn er ist nur deshalb gewachsen, weil die städtische Steuerkraft vor zwei Jahren überdurchschnittlich sank, wie Alexander Gulde vom Gemeindeamt sagt. Massgebend für den Finanzausgleich von 2015 sind die Werte von 2013.

Zürich auf Rang zwei

Auf Rang zwei der Bezügerliste steht die Stadt Zürich. Sie erhält 2015 knapp 139 Millionen aus dem Ausgleichstopf für zentralörtliche Lasten, der ausschliesslich für die beiden Grossstädte reserviert ist. Anders als Winterthur erhält Zürich aber keinen Ressourcenausgleich, weil ihre Finanzkraft markant höher liegt. So hoch, dass die Hauptstadt Geld in den Finanzausgleich abliefern muss. Was sie schuldet und was sie zugute hat (aus dem Zentrumslastenausgleich), wird verrechnet. Mit dem Resultat, dass Zürich unter dem Strich seit Jahren Bezügerin ist. Zweistellige Beträge, aber aus dem Ressourcenausgleich, fliessen auch in die Gemeinden Dietikon (38,1 Millionen), Wetzikon (27,1), Illnau- Effretikon (19,9) und Rüti (19,3). Sie alle gehören zu jenen über 120 Gemeinden, die aus diesem Topf Mittel erhalten. 610 Millionen Franken befinden sich darin.

Gemeinden mit überdurchschnittlich vielen Kindern und Jugendlichen sind berechtigt, sich sie «demografischen Sonderlasten» abgelten zu lassen. 8,8 Millionen Franken beträgt die Summe, die 2015 an knapp 50 Gemeinden verteilt wird. Sonderlasten können auch Gemeinden geltend machen, die dünn besiedelt sind und viel steiles Gelände aufweisen: 21,7 Millionen sind für «geografisch-topografische» Lasten vorgesehen. Rund 40 Gemeinden kommen zum Zug.

Insgesamt werden unter den verschiedenen Titeln nächstes Jahr 865,5 Millionen Franken im kantonalen Finanzausgleich umverteilt, gut eine Million mehr als im Vorjahr (864,2). Die reichen Gemeinden steuern 398,2 Millionen bei, der Kanton 467,3 Millionen. Für beide bringt das nächste Jahr keine bösen Überraschungen. Die abzuliefernden Beträge entsprechen in etwa den Zahlen des Vorjahres. Der Finanzausgleich befindet sich laut Gulde damit wieder in ruhigerem Gewässer. 2013 gingen die Wellen wegen des Glencore-Effektes hoch. Die Steuerkraft von Rüschlikon stieg in schwindelerregende Höhen und löste riesige Zahlungen in den Finanzausgleich aus, die das ganze System verzerrten. Unterdessen herrscht auch in Rüschlikon wieder Normalbetrieb.

Zahlmeister Küsnacht

Rüschlikon gehört aber weiterhin zum Kreis der Zahler: 28 Gemeinden, so viel wie im Vorjahr, liefern (ohne Zürich) 398,2 Millionen ab. Unverändert an erster Stelle steht Küsnacht mit 80,1 Millionen, gefolgt von Zollikon (48,8), Kilchberg (45,2), Rüschlikon (31,5), Zumikon (29,6), Erlenbach (27,8) und Meilen (25). Verglichen mit dem Vorjahr sind auch hier die Veränderungen gering.

Noch im Übergang

Noch nicht fixiert sind die Beträge, die Gemeinden unter dem Titel Übergangsausgleich erhalten. Diese werden jeweils im Herbst festgesetzt, wenn die Budgets stehen. Anspruch haben jene Gemeinden, die ihre normalen Ausgaben nicht mit einem Steuerfuss von mindestens 124 Prozent decken können. Wie der Name sagt, ist der Übergangsausgleich dazu da, den Übergang zwischen dem alten und neuen Finanzausgleich (ab 2012) zu mildern. Die Übergangsphase dauert bis 2017. Danach gibt es dann keinen solchen Ausgleich mehr. Bis es so weit ist, steigen die Anforderungen für die Bezügergemeinden von Jahr zu Jahr. Gulde rechnet damit, dass 2015 zwischen 30 und 40 Millionen als Übergangsausgleich ausbezahlt werden.