Mordprozess

Kilchberger Altersheim-Mord wird auch vor Obergericht verhandelt

Wegen Mordes zu Freiheitsstrafen von 13 und zehneinhalb Jahren verurteilt.

Wegen Mordes zu Freiheitsstrafen von 13 und zehneinhalb Jahren verurteilt.

Der Prozess um die Tötung einer 88-jährigen Bewohnerin des Kilchberger Alterszentrums findet eine Fortsetzung – sowohl der Staatsanwalt als auch ein Verteidiger sind unzufrieden.

Der Fall hatte vor zwei Jahren grosses Aufsehen erregt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 2013 sollen eine Nachtschwester eines Alterszentrums in Kilchberg und eine jüngere Kollegin, die nicht im Heim angestellt war, eine 88-jährige Bewohnerin ausgeraubt und getötet haben.

Das Horgener Bezirksgericht hatte die beiden Frauen vor einer Woche unter anderem wegen Mordes zu Freiheitsstrafen von 13 und zehneinhalb Jahren verurteilt. Abgeschlossen ist der Fall damit aber noch nicht. Der Staatsanwalt, der die Strafen für zu tief hält, hat bereits Berufung angekündigt.

Auch der Verteidiger der Nachtschwester will das Urteil vor der zweiten Instanz anfechten: Rechtsanwalt Leo Sigg, der die heute 30-jährige ehemalige Altersheimangestellte verteidigt, erklärt, dass sich grundsätzlich nichts geändert habe.

«Meine Mandantin sagt, sie war nicht vor Ort.» Aus diesem Grund hatte er vor Bezirksgericht auch auf einen Freispruch plädiert. Die Nachtschwester hatte die Tat ihrer jüngeren Kollegin, einer ausserhalb des Altersheim angestellten Verkäuferin, und ihrem damaligen Freund in die Schuhe geschoben.

Von der Tat habe sie erst erfahren, als ihr die jüngere Kollegin davon erzählt habe, sagte die 30-Jährige. Zu Beginn der Untersuchung hatte sie die Tötung der Altersheimbewohnerin zwar noch mehrmals zugegeben.

Diese Geständnisse seien aber unter Druck entstanden, sagte sie dann vor Gericht. Sie habe schnell wieder aus dem Gefängnis zu ihrem Sohn gewollt. Zudem habe sie Angst vor ihrem Partner gehabt, einem angeblichen Mitglied der Hells Angels.

Der Verteidiger der jüngeren Kollegin, der Verkäuferin, hatte nach der Eröffnung des Urteils erklärt, dass er nicht an einen Weiterzug denke. Seine Mandantin war trotz der Verurteilung wegen Mordes zufrieden.

Die 26-Jährige hatte die Tat stets zugegeben, selbst als sie von ihrer Kollegin unter Druck gesetzt wurde. Sie betonte aber, nicht so brutal vorgegangen zu sein, wie es ihr vorgeworfen wurde.

Staatsanwalt Matthias Stammbach will aber beide beschuldigte Frauen vor die zweite Instanz, an das Zürcher Obergericht, bringen: Er stuft beide vom Horgener Gericht verhängte Freiheitsstrafen als zu tief ein. In seinem Plädoyer hatte er 18 und 15 Jahre Gefängnis gefordert.

Mit dem Umstand, dass das Gericht seiner Argumentation gefolgt war und das Tötungsdelikt im Alterszentrum als «Mord» qualifiziert hatte, hatte sich Staatsanwalt Stammbach zufrieden gezeigt.

Das Strafgesetzbuch sieht für diese Tat einen Strafrahmen von zehn Jahren bis lebenslänglich vor. Das Bezirksgericht Horgen war mit seinem Urteilsspruch damit im unteren Bereich geblieben.

Die geständige 26-jährige Verkäuferin sitzt im vorzeitigen Strafvollzug in Hindelbank, wo sie eine Therapie begonnen hat. Die 30-jährige Nachtschwester ist in einem Zürcher Bezirksgefängnis in Sicherheitshaft untergebracht.

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