Das Projekt heisst «Hopp Zürich». Dahinter verbirgt sich jedoch keine Sportförderung, sondern ein Vorhaben zur langfristigen Erforschung der Gesundheit der Bevölkerung («Health of population project»). Forscher der Universität Zürich wollten damit untersuchen, wie sich die Gesundheit einer sogenannten «Kohorte» von 20 000 Zürcherinnen und Zürchern über 20 bis 25 Jahre entwickelt. Die Erkenntnisse sollen insbesondere der Bekämpfung und Prävention von chronischen Krankheiten dienen.

Doch daraus wird nun wohl nichts. 20 Millionen Franken hatte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger für die ersten zehn Jahre der Studie aus dem kantonalen Lotteriefonds locker machen wollen. Der FDP-Regierungsrat versprach sich davon Erkenntnisse für gezieltere Kampagnen, um Krankheiten vorzubeugen. Dies, nachdem ihm der Kantonsrat in der letzten Budgetrunde Gelder für die Prävention gestrichen hatte.

Nun appellierte Heiniger mit dem Mut der Verzweiflung an den Kantonsrat: «Sie bewilligen Geld zur Sanierung von Dampflokomotiven und finanzieren auch eigene Feste aus dem Lotteriefonds, sind aber nicht bereit, für die Gesundheitsprävention 1,45 Franken pro Einwohner und Jahr zur Verfügung zu stellen.» Der Gesundheitsdirektor gab sich überzeugt, dass die Studie dem Allgemeinwohl dienen und jeder und jede davon profitieren würde. Deshalb sei es legitim, sie grossteils aus dem Lotteriefonds zu finanzieren. Denn dieser sei gemäss Reglement für gemeinnützige Zwecke da.

Doch die Meinungen der Parteien waren bereits gemacht, daran vermochte auch Heinigers engagiertes Votum nichts zu ändern: Ausser seiner eigenen Partei und zwei Abweichlern in den Reihen der SP wollte niemand 20 Lottomillionen für «Hopp Zürich» bewilligen. Der Antrag wurde mit 139:31 Stimmen gebodigt.

Diego Bonato (SVP, Aesch) stellte zwei Gründe für das Nein seiner Partei in den Vordergrund: Erstens beteilige sich der Lotteriefonds in der Regel nicht an wissenschaftlichen Projekten. Zweitens — und ebenfalls gemäss Lotteriefonds-Merkblatt — sei der Fonds für einmalige Projekte da. Eine wissenschaftliche Langzeitstudie liesse sich daher nicht aus dem Fonds finanzieren, der aus dem Zürcher Anteil an den Erträgen der Landeslotterie gefüllt wird.

Sabine Sieber (SP, Bauma) bescheinigte «Hopp Zürich» zwar, ein wichtiges Projekt zu sein, hielt aber ebenfalls fest, der Lotteriefonds sei nicht die geeignete Quelle dafür. Michael Zeugin (GLP, Winterthur) doppelte nach, das Projekt müsste über reguläre Forschungsgelder finanziert werden. Ein ähnlich gelagertes Forschungsprojekt sei zudem vom gleichen Antragsteller, dem Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Uni Zürich, auf nationaler Ebene mit dem Nationalfondsprojekt 74 für fünf Jahre bewilligt, gab Esther Guyer (Grüne, Zürich) zu bedenken. Vertreter mehrerer Parteien meinten, das ordentliche Budget wäre der richtige Ort für so ein Projekt.

«Blauäugig»

Einzig Peter Vollenweider (FDP, Stäfa) leistete Heiniger argumentative Schützenhilfe: «Für eine vorausschauende Gesundheitspolitik ist eine langfristige Beobachtung wichtig», sagte er. Zudem seien nebst Projekten der Kultur und der Bildung auch solche der Gesundheit gemäss Lotteriefondsreglement zu fördern.

Der Gesundheitsdirektor zeigte sich vom Entscheid des Kantonsrats enttäuscht: Es sei «blauäugig», wenn das Parlament nun auf den ordentlichen Budgetprozess verweise, nachdem es dort zuletzt Präventionsgelder gekürzt habe.