«Grosse Enttäuschung»
Keine Lohndiskriminierung: Zürcher Kindergärtnerinnen blitzen vor Bundesgericht ab

Es besteht keine geschlechtsbedingte Lohndiskriminierung bei Lehrpersonen der Zürcher Kindergärten. Das Bundesgericht hat einen entsprechenden Entscheid des Zürcher Verwaltungsgerichts bestätigt.

Merken
Drucken
Teilen
Keine Anzeichen für Diskriminierung: Auch das Bundesgericht hält die Löhne von Kindergärtnerinnen für angemessen. Archiv/Remo Fröhlicher

Keine Anzeichen für Diskriminierung: Auch das Bundesgericht hält die Löhne von Kindergärtnerinnen für angemessen. Archiv/Remo Fröhlicher

REMO FROEHLICHER 0041 79 288817

An einer öffentlichen Beratung ist die Erste sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts am Dienstag zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft dargelegt hätten, dass die Löhne der Kindergärtnerinnen diskriminierend seien.

Die Beschwerde hatten drei Kindergärtnerinnen, der Verband Kindergarten Zürich (VKZ), der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) und der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband eingereicht.

Sie hatten die Feststellung verlangt, dass die Lehrpersonen auf Kindergartenstufe seit der Integration des Kindergartens in die Volksschule im Januar 2008 aus Gründen ihres Geschlechts diskriminierend entlöhnt werden. Sie beantragten, dass die Kindergärtnerinnen Lohnnachzahlungen und in Zukunft 15 Prozent mehr Lohn erhalten.

"Der Entscheid ist für die Kindergärtnerinnen eine grosse Enttäuschung", erklärt Fabio Höhener, Sekretär des VPOD der Sektion Lehrberufe, auf Anfrage der sda. Die juristische Auseinandersetzung sei mit dem Urteil abgeschlossen. Politisch sei das Thema aber noch lange nicht vom Tisch. Es müsse der Wert des Kindergärtnerinnen-Berufes aufgezeigt werden.

Bachelor ist nicht gleich Bachelor

Die Diskussion der drei Richter und zwei Richterinnen drehte sich unter anderem um die Bewertung des Bachelor-Abschlusses durch das Zürcher Verwaltungsgericht. Dieses sieht im Umstand, dass die Ausbildung zur Kindergartenlehrperson neu an einer Fachhochschule stattfindet und mit einem Bachelor abschliesst, keinen Nachweis höherer Anforderungen an die Ausbildung.

Dieser Bachelor ist gemäss der Mehrheit der Richter nicht mit einem der Universität zu vergleichen.

Dieser Ansicht widersprachen die beiden unterlegenen Richter vehement. Sie legten dar, dass es gerade die Idee der Bologna-Reform gewesen sei, ein einheitliches System zu schaffen. Ein Bachelor für Kindergärtnerinnen sei deshalb auf der gleichen Stufe wie einer, der an einer Universität erlangt werde.

Der zweite Kritikpunkt der Minderheit bezog sich auf die Bewertung der Tätigkeit und damit dem zeitlichen Aufwand der Kindergartenlehrpersonen seit der Integration in die Volksschule. Seit der Eingliederung würden an die Lehrpersonen andere Anforderungen gestellt. Sie müssten einem Lehrplan folgen, Eltern- und Standortbestimmungen machen und vieles mehr.

Das Zürcher Verwaltungsgericht hat sich nach Ansicht der beiden unterlegenen Richter nicht mit dieser Frage auseinander gesetzt. Aus diesem Grund wollten sie den Fall an die kantonale Instanz zurück weisen.

Kein Vergleich

Die Mehrheit der Ersten sozialrechtlichen Abteilung begründete ihren Entscheid damit, dass die Beschwerdeführenden keinen Beruf aufgeführt hätten, bei dem der Lohn trotz der gleichen Ausbildung (Bachelor der Fachhochschule) höher sei.

Den Grund, dass die Lehrpersonen der Kindergartenstufe nur 87 Prozent der Besoldung der Lohnstufe 18 erhalten, betrachten sie als sachlich begründet. Aufgrund der pädagogisch bestimmten geringeren Anzahl Lektionen auf Kindergartenstufe, beinhalte ein Vollpensum weniger Wochenarbeitsstunden.

Lesen Sie jetzt: So reagiert die Präsident des Zürcher Kindergartenverbands, Brigitte Fleuti, auf den Entscheid des Bundesgerichts.