Während sich Zürich über die Schwangerschaft der Elefantenkuh Farha freut, lässt der lang ersehnte Nachwuchs in Knies Elefantenherde auf sich warten. Dabei hat sich der Zoo in Rapperswil akribisch vorbereitet, nachdem er im letzten Jahr seine Teilnahme am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) bekannt gab. Mit dem Entscheid ging die Eröffnung der neuen, 6500 Quadratmeter grossen Elefantenanlage einher.

Einen weiteren entscheidenden Schritt wagte die Familie Knie im letzten Sommer, als sie die Elefantennummer aus dem Zirkusprogramm strich. Fortan sollten die Elefantenkühe das ganze Jahr im Kinderzoo präsent sein, um eine «zuchtfähige und funktionierende matriarchale Gruppe» aufbauen zu können.

Auf die Pfleger fokussiert

Mit dem Bau des Elefantenparks realisierte der Zoo auch einen 3000 Quadratmeter grossen Bullentrakt. Dieser ist seit August bewohnt. Bulle Thisiam wurde in Paris geboren und lebte zuletzt in einem polnischen Zoo. In Rapperswil soll er den Bestand der Knie-Elefanten sichern und für einen möglichen Spielgefährten für die 2013 geborene Kalaya sorgen. Den hohen Erwartungen konnte er bisher nicht gerecht werden. Obwohl gleich drei deckungsfähige Kühe in Rapperswil leben, ist Thisiams Interesse an den Damen beschränkt. Zoodirektor Franco Knie gibt die Hoffnung aber noch nicht auf.

Herr Knie, vor neun Monaten kam Thisiam nach Rapperswil. Wie hat er sich seither entwickelt?

Franco Knie: Als Thisiam damals zu uns in den Zoo kam, war er sehr mager. In den letzten Monaten hat er rund 600 Kilogramm zugelegt, was uns sehr freut. Er ist zwar schon ausgewachsen, an Masse kann er aber noch weiter zulegen.

Und charakterlich?

Thisiam ist ein sehr umgänglicher Bulle geworden. Für meinen Geschmack fast etwas zu umgänglich. (lacht)

Wie meinen Sie das?

Mir wäre lieber, er würde sich weniger auf die Pfleger und etwas stärker auf die Weibchen fokussieren.

Wieso ist er den Pflegern gegenüber so anhänglich?

Das hat damit zu tun, dass er im Zoo in Polen, wo er zuvor gelebt hat, jahrelang keinen Kontakt zu anderen Elefanten hatte. Der Umgang mit Artgenossen ist neu für ihn. Wir versuchen nun, etwas weniger Einfluss zu nehmen. Er soll seine Aufmerksamkeit voll und ganz den Elefantenkühen widmen.

Die Zucht ist also kein leichtes Unterfangen?

Für eine erfolgreiche Zucht müssen viele Faktoren stimmen. Es reicht nicht, einen Bullen und eine Kuh zusammen in ein Gehege zu stellen. Thisiam tritt momentan noch nicht dominant genug auf und zeigt noch zu wenig Interesse an den deckungsfähigen Kühen. Das muss sich ändern.

Wie gehen Sie dabei vor?

Nachdem sich Thisiam zuerst an sein eigenes Gehege gewöhnen musste, verbringt er jetzt bereits viel Zeit mit der Gruppe und ¬versteht sich gut mit seinen weiblichen Artgenossen. Auch besuchen ihn die Elefantendamen regelmässig in seinem Stall. Erst kürzlich haben wir eine Kuh über Nacht bei ihm gelassen. Passiert ist dabei leider noch nicht viel.

Haben Sie einen genauen Zeitplan für die Zucht aufgestellt?

Wir hoffen natürlich, dass eine der Kühe bald trächtig wird. Momentan bestimmt aber noch Thisiam den Zeitplan. Er soll sich langsam an die neuen Umstände gewöhnen können, und wir sehen ja bereits grosse Fortschritte. Auch der Zyklus der Kühe ist mitverantwortlich, ob und wann es Junge geben wird.

Was wird passieren, wenn Thisiam auch in Zukunft kein Interesse an den Kühen entwickelt?

Eine Möglichkeit wäre ein zweiter Bulle. Dafür wäre unser Bullengehege gross genug. Wir warten aber erst einmal ab.

Wie reagierten die Elefantenkühe, als der Bulle im August zur Herde stiess?

Letztes Jahr kam es neben dem Bullen zu weiteren Neuerungen im Elefantenpark. Seit dem Ende der Elefantennummern im Zirkus sind alle Kühe das ganze Jahr im Zoo. Diese Umstände führten zu neuen Dynamiken innerhalb der Gruppe. Kleine Machtkämpfe gab es zwar schon immer und sind auch normal, in letzter Zeit kamen diese aber häufiger vor. Vor allem Mapalay und Ceylon wollen beide die Funktion der Leitkuh übernehmen und liefern sich momentan viele Rangkämpfe.

Wie gehen Sie in solchen Situationen vor?

Bei Unruhen trennen wir die beiden Kontrahentinnen und sorgen auf diese Weise für Ruhe. Momentan sind sie daher nicht im selben Gehege untergebracht. Auch zum Schutz der kleinen Kalaya, die in der Hitze des Gefechts schnell einmal zwischen die streitenden Elefanten gelangen kann. Sobald Thisiam dominanter auftritt, kann auch er für Ruhe in der Herde sorgen.