Wädenswil

Keine Gewalt, keine Parolen: Friedliche Demonstration gegen Tierversuche

Die Parolen schrieben die Kundgebungsteilnehmer auf Schilder, statt sie zu rufen. Foto: Manuela Matt (Wädenswil, 18. Oktober 2019)

Demonstration in Wädenswil

Die Parolen schrieben die Kundgebungsteilnehmer auf Schilder, statt sie zu rufen. Foto: Manuela Matt (Wädenswil, 18. Oktober 2019)

Die Demonstration gegen Tierversuche fand nur auf dem Seeplatz statt. Laut den Organisatoren waren zuviele Personen anwesend, um vor den Sitz von Inthera zu ziehen.

Es ist gespenstisch still auf dem Seeplatz. Nur die vorbeifahrenden Züge oder das gelegentliche Bellen eines Hundes sind zu hören. Statt laute Parolen zu rufen, halten die handgezählt rund 70 Demonstrantinnen und Demonstranten eine stille Mahnwache ab. Die Organisation Animal Rights Switzerland, die hinter der Demo steht, schätzt, dass über 100 Leute anwesend sind. Zu sehen sind Plakate mit Aufschriften gegen Tierversuche und Fotos leidender Hunde. Die Botschaft ist deutlich: Tierversuche müssen gestoppt werden. Die Demo ist bunt gemischt. Junge und Ältere und ganze Familien sind zu sehen.

Alle sind sie vereint in ihrem Ärger über Tierversuche und die Firma Inthera Bioscience in Wädenswil. Ein Beitrag der SRF-Sendung «Kassensturz» hatte ans Licht gebracht, dass ein deutsches Labor im Auftrag der Pharma-Firma Hunde schlimmsten Versuchen aussetzt. Aus diesem Grund haben einige Demonstranten auch ihre Hunde mitgebracht. Schliesslich waren es die Bilder von Hunden, die für Tierversuche herhalten mussten, welche die Öffentlichkeit aufrüttelten.

Mahnwache vor dem Sitz der Firma

Bereits am Donnerstag hatte die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) die Zusammenarbeit mit Inthera eingestellt. Inthera wiederum kündigte die Kooperation mit dem deutschen Versuchslabor. Geplant war, die Mahnwache vor dem Sitz der Firma bei der ZHAW abzuhalten. Doch überraschend verkündet Pablo Labhardt, Geschäftsleiter von Animal Rights Switzerland, dass es eine Platzdemo geben wird. Die Stadt Wädenswil habe nur 50 Personen erlaubt, um an die Einsiedlerstrasse zu ziehen. Aus organisatorischen Gründen ziehe man es vor, auf den zwanzigminütigen Fussmarsch zu verzichten. Entscheidend dürfte sein, dass so viele Leute die Strasse vor dem Gebäude blockiert hätten, egal ob es 70 oder 100 waren.

Probleme wollen die Organisatoren der Demonstration aber nicht machen. Labhardt mahnt eindringlich, keine Parolen zu rufen, keine Gewalt anzuwenden und sich nicht zu vermummen. Mit zwei Reden sollen die Ziele der Demonstration klargemacht werden.

Silvia Frey, Co-Stiftungsratspräsidentin von Animalfree Research, fordert, dass Tierversuche gestoppt werden. Alternativen sollen gefördert werden, sagt Frey, die auch bei der Wädenswiler Organisation Oceancare arbeitet.

Labhardt richtet sich direkt an die Partner der Inthera. Dass die ZHAW den Vertrag aufgelöst hat, sei ein erster Schritt. Doch die Hochschule soll, ebenso wie die Gründerorganisation Grow, generell gegen Tierversuche einstehen. «Fördern Sie Unternehmen, die auf Tierversuche verzichten», fordert Labhardt. Eine Botschaft hat er auch für den Stadtpräsidenten Philipp Kutter (CVP): «Wädenswil liegt ihnen am Herzen. Sorgen sie dafür, dass es nicht zum Synonym für Tierquälerei wird.» Der Stadtpräsident ist selber nicht vor Ort.

Sicherheitsvorsteher Jonas Erni (SP) hat die Demonstration aber beobachtet. Bei Labhardts Rede ist er allerdings schon nicht mehr anwesend. Die Polizei wäre im Hintergrund bereit gestanden, wenn die Tierschützer losgezogen wären. Doch heute bleibt ihr Arbeitstag ruhig.
Nach gut einer Stunde erklärt Labhardt, dass die Demo beendet sei. Er ist zufrieden. Trotz wenig Zeit für die Mobilisierung seien viele Leute gekommen. Auch auf dem Seeplatz habe man ein Zeichen setzen können.

Ein weiteres Ziel von Animal Rights Switzerland wurde am Mittag erreicht. Eine Online-Petition, mit der Inthera von Tierversuchen abgehalten werden soll, hat am Nachmittag schon über 10'000 Unterschriften vereinigt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1