Sieben Monate hat die Hochbaukommission über der Stadionweisung des Zürcher Stadtrats gebrütet. Am Dienstagabend ist sie zuhanden des Parlaments verabschiedet worden. Inhalt ist ein Planungskredit von 10,7 Millionen Franken: 7,5 Millionen fürs Stadion und 3,2 Millionen für eine Wohnsiedlung, die daneben auf dem städtischen Land gebaut werden soll. Der Kredit ist laut Kommissionsreferent Markus Knauss (Grüne) mit 12:0 Stimmen angenommen worden. Damit ist klar, dass das mittelgrosse Stadion mit dem Fassungsvermögen von 16 000 Zuschauern politisch unbestritten ist.

Nachtragskredit ohne Chance

Gestritten wird aber über Details. Ein Minderheitsantrag der Grünen fordert die Reduktion der Anzahl unterirdischer Parkplätze von 370 auf 90. Dieser Antrag erhielt nur partielle Unterstützung durch die SP und ist in der Kommission mit 4:8 Stimmen unterlegen. Den Grünen geht es laut Knauss nicht primär um eine Verkehrsreduktion, sondern ums Sparen. Damit liesse sich ein zweistelliger Millionenbetrag einsparen, schätzt er. Ein zweiter Minderheitsantrag stammt von der FDP. Sie will den Bau des Wohnblocks Privaten überlassen. Diesen Antrag hat nur die SVP unterstützt, weshalb auch hier eine Ablehnung von 4:8 Stimmen resultierte. Die Mehrheit will den Bau der 160 Wohnungen der Stadt überlassen.

Ein dritter Minderheitsantrag stammt von der CVP. Sie hat eine Idee von FDP-Gemeinderat Urs Egger aufgenommen und angeregt, den Betrag von 925000 Franken (von den 7,5 Millionen) für den Architekturwettbewerb als Nachtragskredit ins Budget 2011 aufzunehmen. Der Antrag kam links schlecht an, weil die CVP die Stadionplanung neben vielem anderen nicht im Budget haben wollte, fürs Stadion aber nachträglich eine Ausnahme machen möchte. Auch die Partner der Sparallianz (siehe Text unten) machten nicht mit, weshalb in der Kommission eine Abfuhr mit 1:11 Stimmen resultierte. Eine trotz Budgetwirren beschleunigte Stadionplanung scheint also vom Tisch zu sein.

Wenn der Gemeinderat den Planungskredit am 30. März oder 6. April wie erwartet durchwinkt und es kein Referendum gibt, wird das Geld wohl ins Budget 2012 aufgenommen. Der Architekturwettbewerb kann deshalb statt im Mai 2011 erst im Januar 2012 starten. Geplant war ursprünglich eine Ausschreibung am 17. Dezember 2010, doch der Stadtrat stoppte den Vorgang vier Tage zuvor, weil das Parlament am 8. Dezember das Budget zurückgewiesen hatte. Die Eröffnung der neuen Arena verschiebt sich gegenüber der letzten Planung also um ein Jahr auf Mitte 2017 – im besten Fall, denn Referendum und Einsprachen bleiben möglich. Zudem wird das Volk obligatorisch über den Objektkredit abstimmen. Die Verzögerung beträgt mittlerweile rund zehn Jahre. Denn ursprünglich hätte ein neues Fussballstadion auf dem Hardturmareal für die Euro 2008 bezugsbereit sein sollen.

Stadt soll AG-Mehrheit haben

Die Diskussion in der Kommission hat sich auch deshalb hingezogen, weil Jacqueline Badran (SP), Knauss und Roger Liebi (SVP) parallel eine Motion eingereicht haben. Ihr Ziel: Die Stadt soll in der künftigen Stadion AG die Mehrheit haben. Der Stadtrat plante mit einem Eigenkapital von 50 Millionen für den 135-Millionen-Bau. Davon sollte die Stadt 20Millionen, die Fifa ebenfalls 20Millionen, der Grasshopper-Club Zürich und der FC Zürich je 2,5 und Interessierte (mittels Volksaktie) 5Millionen einbringen.

Die Motionäre fordern nun ein Aktienkapital von 80 Millionen, wobei die Stadt 50 Millionen einbringen und so statt 40 62,5 Prozent der Aktien halten soll. Hintergrund des Vorstosses ist, dass die öffentliche Hand nicht wie beim Hallenstadion viel Geld einschiessen soll, ohne das Sagen zu haben.

Getrennte GC- und FCZ-Kurven

Die Motion wird gleichzeitig mit dem Projektierungskredit behandelt. Sie hat ebenso gute Chancen wie ein Vorstoss von Freisinnigen und Grünen, für die beiden Klubs jeweils eine separate Fankurve einzurichten. Ein solches Vorhaben erzeugt Zusatzkosten, weil es zwei statt eines definierten Gästesektors geben soll, der erhöhten Sicherheitsstandards genügen muss.