Anders als Pisa wird Zürich nicht zur Touristenattraktion wegen eines schiefen Turms: Zwar hat sich der über das rote Backsteingebäude der ehemaligen Brauerei Löwenbräu hinausragende Teil des 70-Meter-Turms «Löwenbräu Black» nicht ganz wie erwünscht gesenkt, doch kann von einem schiefen Turm keine Rede sein, wie Stephan Lüdi von PSP Swiss Property sagt. «Die Abweichungen von wenigen Zentimetern sind innerhalb der bautechnischen Toleranzen.»

Wenn der Turm zu einer Attraktion wird, dann, so meint er, wegen der Architektur von Gigon/Guyer und atelier ww. Gerade die rund 9 Meter messende Auskragung über den denkmalgeschützten Altbau hinweg sei etwas Spezielles, in der Ausführung mit Stahlbeton sogar weltweit einzigartig. Entsprechend seien schon interessierte Fachleute gekommen, um einen Augenschein zu nehmen. Eigentlich wäre es einfacher gewesen, die Konstruktion in Stahl auszuführen, aber die Baubehörde habe auf Stahlbeton bestanden. Bemerkenswert ist der Turmbau auch wegen der Verkleidung mit glänzend-schwarzen Keramikkacheln.

Letzte Arbeiten im Gang

Wie üblich würden nun die Böden und Decken begradigt und Anpassungen vorgenommen, wo das nötig sei. Tatsächlich sind zahlreiche Handwerker an der Arbeit, Lasten werden hochgezogen, und die massiven Stützen, welche für den Bau der Auskragung nötig waren, stehen immer noch.

Die Käufer der im oberen Preissegment angesiedelten Wohnungen können nach Stephan Lüdis Angaben gestaffelt vom kommenden Juni an einziehen. «Alle auf einmal können ohnehin nicht ihre Wohnungen beziehen», bemerkt er, es gebe ja bloss zwei Lifte für die 58 Wohnungen, von denen übrigens 13 noch zu haben seien. Interessenten gebe es einige, gibt er zu verstehen; auf den speziellen Bau aufmerksam gemacht wurden sie nicht zuletzt dank der Zeitungsartikel, die im letzten Dezember auf die nicht ganz vollkommene Senkung hingewiesen hatten.

In die anderen Gebäude auf dem Löwenbräuareal, also im sanierten Altbau, einem Backsteingebäude, sowie in den Neubauten Löwenbräu White und Red, ist teils bereits seit längerem wieder Leben eingekehrt. Im Teil Löwenbräu Kunst, der nicht zum Bereich der PSP Swiss Property gehört, sind schon letztes Jahr das Migrosmuseum für Gegenwartskunst, die Kunsthalle Zürich, namhafte Galerien, eine Buchhandlung und andere Firmen eingezogen.

Design und Radio statt Bier

Und nun, am 2. März, eröffnete das Inneneinrichtungshaus Teo Jakob einen Showroom. Wo bis 1986 Bier gebraut wurde, hält also das Design Einzug. Neu ist in den Gebäulichkeiten auch eine Firma für Finanzdienstleistungen untergebracht, und 450 Quadratmeter Fläche warten noch auf einen Mieter. Im obersten Stock, im blauen Saal, richtet sich Radio 24 ein; am 8. April ist Neueröffnung. Zudem werden in nächster Zeit eine Augenklinik und eine Rückversicherung ihre neuen Räumlichkeiten beziehen.