Die SVP Aargau rüstet zum Kampf gegen ihren eigenen Bildungsdirektor. Stein des Anstosses ist der Lehrplan 21, der in der ganzen Deutschschweiz als Grundlage für die Volksschule dienen soll. Die Partei lehnt den Entwurf des neuen schweizerischen Lehrplans medienwirksam ab und ruft zur Volksabstimmung auf.

Nicht nur im Aargau wird Kritik an dem vor den Sommerferien vorgelegten Werk laut. Im Thurgau beschweren sich Lehrer über eine fehlende Stundentafel. Den St. Gallern gehen die Informatikziele zu wenig weit. Im Bündnerland laufen die Rätoromanen Sturm gegen den Entwurf. Aus Wirtschaftskreisen kommt der Vorwurf, die Ziele im entsprechenden Fachbereich seien zu ideologisch und globalisierungskritisch formuliert.

Auch das Thema Sexualkunde, wurde angegriffen, und zwar bereits präventiv, also vor der Veröffentlichung des Entwurfs. Grund war die Empörung über allzu offenen Umgang mit dem Geschlechtsverkehr in der Schule - und aus dem Zusammenhang gerissene Fotos von Plüsch-Penissen als Unterrichtsmaterialien. Die Sexualkunde kam letztlich entsprechend brav daher, doch gewissen Kreisen ist der Umgang damit noch immer zu offenherzig.

Frist im Kanton läuft noch

An Kritikern des Lehrplans 21 herrscht also kein Mangel. Interessant ist jedoch, dass sie zwar in vielen Kantonen auftreten, kaum jedoch in Zürich. Hier läuft in den kommenden Tagen eine Vernehmlassungsfrist der Bildungsdirektion ab. Als erste wahrnehmbar haben sich nun die Sekundarlehrkräfte des Kantons Zürich (SekZH) zu Wort gemeldet.

Der Verband teilte gestern mit, dass der Lehrplan 21 «inhaltlich und pädagogisch Wertvolles bietet». Die Auswahl der Kompetenzen in den Fachbereichen sei ausgewogen. SekZH stellt dem Lehrplan insgesamt also ein gutes Zeugnis aus, da und dort sieht der Verband allerdings noch Verbesserungspotenzial. So sind den Lehrerinnen und Lehrern der Sekundarstufe die Mindestanforderungen zu hoch.

Keine Fundamentalkritik

Im Kanton Zürich dauert die Vernehmlassungsfrist noch bis zum 17. Oktober. Erst etwa ein Viertel der Adressaten habe bis jetzt Stellung genommen, sagt Martin Wendelspiess, Chef des kantonalen Volksschulamtes: «Wir warten noch auf diverse Rückmeldungen». Die Reaktionen auf den Lehrplan 21 stimmen ihn aber zuversichtlich: «Im Kanton Zürich herrscht viel Goodwill gegenüber dem Projekt», so Wendelspiess. So seien zwar etwa anlässlich der Lehrpersonenkonferenz (ehemals Schulkapitel) viele Verbesserungsvorschläge eingegangen, der Lehrplan als Ganzes wurde jedoch begrüsst.

Die SVP, die andernorts an vorderster Front gegen den Lehrplan mobil macht, hat sich innerhalb der kantonalen Vernehmlassung bis jetzt noch nicht geäussert. Kantonsrätin Anita Borer lässt aber durchblicken, dass sich die Begeisterung in Grenzen hält: «Wir sind damit nicht einverstanden.

Ein Lehrplan sollte auf die Wissensvermittlung ausgerichtet sein und keine Wertvorstellungen beinhalten.» Zudem sei das Werk zu umfangreich, für Lehrerinnen und Lehrer im täglichen Gebrauch ungeeignet und zu wenig auf die Bedürfnisse der Berufswelt ausgerichtet, so Borer.

Ihre Stellungnahme will die Partei in den nächsten Tagen abgeben.