Das Institut für Medizinische Mikrobiologie (IMM) an der Universität Zürich geniesst weltweit Anerkennung. Sein Leiter, Professor Erik Böttger, gehört zu den einflussreichsten Mikrobiologen und auf seinem Fachgebiet zu den meistzitierten Wissenschaftlern. Die Arbeitsbedingungen seines Teams sind jedoch alles andere als ideal. Die Liegenschaften an der Gloriastrasse 30 und 32 genügen den Ansprüchen seit langem nicht mehr und müssen aus feuerpolizeilichen Gründen in den nächsten Jahren geschlossen werden.

Wie schwierig die Situation ist, wird im Akademischen Bericht 2012 deutlich. Darin heisst es: «Die problematische bauliche Situation hat mittlerweile ein derart gravierendes Ausmass angenommen, dass das Institut in seiner Existenz bedroht ist». Die betrieblichen Erschwernisse könnten sogar die Zulassung des IMM durch das eigenössische Institut für Metrologie gefährden.

Vergleich mit Fall Mörgeli

Kantonsrat Claudio Schmid (SVP, Bülach) erinnern diese Zustände an die Missstände in dem vormals von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli betreuten Medizinhistorischen Institut. Schmid zieht in einer kantonsrätlichen Anfrage Parallelen zum Fall Mörgeli und gibt der Unileitung die Schuld für die Vernachlässigung der Institute. «Wieder unterlassen Dekan, Prorektor und Rektor die Sprechung der erforderlichen finanziellen Mittel», schreibt Schmid und fragt den Zürcher Regierungsrat: «Wann endlich werden die notwendigen Mittel für die bauliche Sanierung des IMM gesprochen?» In ihrer Antwort versichert die Regierung, dass die Verbesserung der Infrastruktur vordringlich sei. Es seien auch verschiedene Projekte geprüft worden. Dabei habe sich aber gezeigt, dass die planungs- und baurechtlichen Auflagen in der bestehenden Gebäudesubstanz keine sinnvolle und finanziell vertretbare Lösungen erlaubten. Hinzu kommen die Anforderungen, die für das teilweise denkmalgeschützte Haus an der Gloriastrasse 30 gelten.

Unter diesen Aspekten hat der Kanton im Jahr 2009 entschieden, die Erneuerung des IMM-Standorts erst dann anzustossen, wenn mehr Klarheit über die Zukunft des Hochschulquartiers besteht. Mit dem Masterplan «Hochschulgebiet Zentrum 2014» liegen die Entwicklung und künftige Nutzung des Unispitals, der Universität und der ETH nun auf dem Tisch. Der Masterplan soll in den nächsten 30 Jahren für über 6 Milliarden Franken realisiert werden.

«Unangenehm überrascht»

Stefan Schnyder, Direktor Finanzen, Personal und Infrastruktur der Universität Zürich, sagt dazu: «In Anbetracht der seit Jahren schwierigen betrieblichen Situation stellte dieser Masterplan-Entscheid für die direkt Betroffenen eine ausgesprochen unangenehme Überraschung dar. Dies nicht zuletzt deshalb, weil Professor Böttger bereits eine zügige Erneuerung der Gebäudesituation zugesichert worden war.» Die Universität akzeptiere indes, dass Kanton, Stadt und die beteiligten Institutionen zunächst die Grundlagen schaffen mussten, bevor langfristig eine gesamthaft adäquate Lösung gefunden werden konnte.

Provisorium in Aussicht

Gegenwärtig arbeitet die Universität mit den beteiligten Stellen an einem geeigneten Ersatzstandort, der während des späteren Umbaus die notwendigen Rochadeflächen zur Verfügung stellen soll. «Dass binnen Kürze ein Übergangsszenario für das IMM verabschiedet und umgesetzt werden kann, ist eine grundlegende Voraussetzung für den weiteren erfolgreichen Betrieb des Institutes», sagt Schnyder. Ein Entscheid über Grösse und Standort des Provisoriums ist in den nächsten Wochen zu erwarten. Bis die entsprechenden Kredite gesprochen sind und die notwendigen Baubewilligungen vorliegen, dürften aber noch Monate vergehen.