Zürich

«Kein Kiesabbau in Hatwil-Hubletzen» – deshalb ist der geplante Standort an der Kantonsgrenze umstritten

Unmittelbar hinter dem Weiler Hatwil, der an Maschwanden grenzt, soll ein neues Kiesabbaugebiet entstehen. Der Zuger Kantonsrat entscheidet voraussichtlich im September über die dazu notwendige Anpassung des Richtplans.

Unmittelbar hinter dem Weiler Hatwil, der an Maschwanden grenzt, soll ein neues Kiesabbaugebiet entstehen. Der Zuger Kantonsrat entscheidet voraussichtlich im September über die dazu notwendige Anpassung des Richtplans.

Weil die Zuger Kiesreserven nur noch für knapp zehn Jahre reichen, will die Zuger Regierung im Zuger Richtplan ein neues Abbaugebiet festsetzen – im Gebiet Hatwil-Hubletzen, das an der Grenze zu Maschwanden und Knonau liegt.

In der Standortgemeinde Cham ist der Widerstand gross. Einwände kommen auch aus dem Säuliamt. Die Kieswerke haben 2018 im Kanton Zug zusammen 362'000 Kubikmeter Kies abgebaut, weniger als in den Vorjahren. Der Kiesumsatz belief sich im erwähnten Jahr auf 708'000 Kubikmeter. Erstmals nach vier Jahren überstieg dabei der Import den Export von Kies.

Der Regierungsrat rechnet damit, dass die rechtlich gesicherten Kiesreserven noch bis ins Jahr 2028 reichen. Er will die weitergehende Versorgung mit ­einem neuen Abbaugebiet im Gebiet ­Hatwil-Hubletzen für weitere 20 Jahre sicherstellen – mit einem Perimeter, der von 35 auf 55 Hektaren erweitert wurde und 7,2 Millionen Kubikmeter umfasst. Kies abgebaut werden soll dort schon ab dem Jahr 2025.

Gegen das Ansinnen der Zuger Regierung läuft insbesondere die Standortgemeinde Cham Sturm. So hat die Ein-wohner­gemeinde eine von allen Chamer Kantonsratsmitgliedern und Parteipräsidenten unterzeichnete Motion «Kein Kiesabbau in Hatwil-Hubletzen» für erheblich erklärt.

Nachdem ein Gutachten der Zuger Regierung mit Blick auf geo­logische, hydrologische und landschaftliche ­Aspekte von einem geeigneten Standort spricht, holte die Gemeinde Cham ein unabhängiges Gutachten ein. Darin ist die Rede von einer erheblichen Gefährdung des Grund- und Trinkwassers sowie des Naturschutzgebietes, das ökologisch zudem sehr wertvoll sei.

Zudem müssten sieben Hektaren Wald vor­übergehend gerodet werden. Der Zuger Regierungsrat widerspricht dem Vorwurf, es seien zu wenig alternative Standorte geprüft worden und zitiert aus einem Gutachten der Eidgenössischen Heimatschutzkommission. Diese kommt zum Schluss, dass der geplante Kiesabbau das Schutzgebiet «höchstens leicht» beeinträchtigt.

Das Säuliamt hat Einwände, sagt aber Ja zum Standort

Die Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt (ZPK) begrüsst, dass der Kanton Zug seine Kiesversorgung und Aushubablagerung innerhalb der eigenen Kantonsgrenzen sicherstellen will und hat Verständnis für die Festsetzung des Standortes. Allerdings möchte die ZPK im Richtplan einige Randbedingungen verankert sehen, weil ja insbesondere Knonau, aber auch Maschwanden, von den Auswirkungen tangiert ist. So soll der Erschliessungskorridor am Rand des heutigen Abbaugebiets Äbnetwald nicht nur – wie im Richtplan erwähnt – für Kies, sondern auch für Aushub gelten.

Im Weiteren beeinträchtige das geplante Abbaugebiet die Trinkwassernutzung von Knonau und Maschwanden «erheblich». Nach einer Rekultivierung reduziere sich die Neubildung von Grundwasser um 6 Prozent, weil das Ablagerungsmaterial weniger durchlässig sei. Die heute für die Fischzucht genutzte Grundwasserfassung soll für eine spätere potenzielle Trinkwassernutzung «auf jeden Fall» im Richtplan verbindlich festgelegt werden.

Ähnlich argumentiert auch der Gemeinderat Maschwanden, der Massnahmen zur Grundwasseranreicherung und eine Fixierung der Grundwasserfassung im Richtplantext fordert. Weiter empfehlen die beiden Gemeinden und die ZPK einen wirksamen Sichtschutz und das Aufzeigen, wie sich ­Abbau und Rekultivierung auf den im regionalen Richtplan Knonauer Amt festgelegten Ver­netzungskorridor Grün­holz-­Knonau-Reusstal und generell auf das Wanderwegnetz aus­wirken. Werde die Weg­ver-bindung zwischen Hatwil und Niederwil aufgehoben, entfalle auch die ­Verbindung zwischen Niederwil und Ma­schwanden, ­befürchtet etwa der Gemeinderat Maschwanden.

Ergänzend sagt der Maschwander Gemeindepräsident und ZPK-Präsident Christian Gabathuler: «Wir wollen bei Inbetriebnahme des neuen Abbaugebiets auch keinen Lastwagen-Mehrverkehr im Dorf. Den hatten wir zuvor während Jahren, als unser Kieswerk noch in Betrieb war.»

Keine Zweifel am Ja des Zuger Kantonsrates

Nun rückt der Showdown näher. Unter Einbezug der Vernehmlassungsantworten hat der Zuger Regierungsrat die Richtplananpassung überarbeitet. Der Entscheid, ob der umstrittene Abbaustandort im Richtplan festgesetzt wird, obliegt dem Zuger Kantonsrat. Dieser wird das Geschäft voraussichtlich im September behandeln. «Das Parlament wird zustimmen. Da zweifle ich keine Sekunde», sagt Charly Keiser, Kommuni­kationsbeauftragter der Zuger Baudirektion. Der Optimismus fusst auf seiner Feststellung, ­wonach sich der Widerstand auf die Standortgemeinde ­beschränke und die Alternative ein grösserer Kiesimport in den Kanton sei, woraus er­heblich mehr Lastwagenverkehr resultiere. Zudem werde das ­Gebiet ja wieder rekultiviert und auf­geforstet. «Wir haben danach den gleichen Hügel – einfach mit Inert­stoffen statt mit Kies», hält Keiser fest.

Den Optimismus für ein Ja im Kantonsrat teilt SVP-­Kantonsrat Adrian Risi, Ver­waltungsrat der JMS Risi AG, nicht vollumfänglich. Der Widerstand ziehe sich durch alle Parteien, und in Cham seien alle Kantonsräte gegen das ­Vorhaben. Ein neuer Ab­baustandort sei aber dringend und der vor­gesehene sei schon deshalb ideal, weil er in ver­nünftiger Distanz zu den bestehenden Aufbereitungsanlagen stehe, so Risi. Er fragt ­rhetorisch: «Sind wir Selbstversorger oder lassen wir uns ­versorgen?»

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