Coronavirus
Die ZKB verzeichnet keinen Ansturm auf die Notkredite

Die ZKB wollte einspringen, bis kantonale Hilfsgelder fliessen. Nur wenig Unternehmen machen davon Gebrauch.

Michel Wenzler
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Das Restaurant ist geschlossen – erlaubt ist nur noch Take-away: Gastronomen leiden unter Umsatzeinbussen.

Das Restaurant ist geschlossen – erlaubt ist nur noch Take-away: Gastronomen leiden unter Umsatzeinbussen.

Bild: Keystone

300 Millionen Franken – so viel stellte die Zürcher Kantonalbank (ZKB) Anfang Januar für kleinere und mittlere Unternehmen bereit, die wegen der Coronapandemie dringend auf Geld angewiesen waren.

Damit sprang die Bank für den Staat in die Bresche. Bund und Kanton haben im Dezember 2020 zwar selbst ein Härtefallprogramm auf die Beine gestellt. Doch im Kanton Zürich verzögert sich die Auszahlung, weil noch bis Montag die Frist für ein allfälliges Referendum läuft. Erst danach können die Gelder an die Firmen fliessen.

Bei vielen Unternehmern stiess die Trägheit der Politik auf Unverständnis. Bis endlich Geld ausgezahlt werde, seien sie längst bankrott, hiess es allenthalben. Die ZKB wollte deshalb diese Zeit mit Krediten überbrücken. «Es war unerträglich, zuzusehen, wie die politischen Prozesse das Ausbezahlen der Härtefallkredite immer weiter verzögerten», sagte ZKB-CEO Martin Scholl am Freitag an der Bilanzmedienkonferenz der Bank rückblickend.

Nun zeigt sich, dass gar nicht so viele Unternehmen auf diese Hilfe angewiesen waren. Im ersten Monat sind bei der ZKB lediglich 265 Kreditanträge in der Höhe von 38 Millionen eingegangen. Bewilligt hat sie bisher 112 Anträge beziehungsweise ein Kreditvolumen von 16,7 Millionen Franken. In erster Linie handelt es sich dabei um Unternehmen aus der Gastro-, Hotel- und Eventbranche. 79 Anträge wurden abgelehnt, 74 werden noch geprüft.

«Wir sind also weit weg von den 300 Millionen», sagte Scholl. Das sei eine gute Botschaft. «Es zeigt, dass das Härtefallprogramm des Kantons zu greifen beginnt.» Trotz der eher geringen Nachfrage nach den ZKB-Krediten bezeichnet er den Entscheid, Überbrückungskredite anzubieten, als «sinnvolle Aktion».

Programme sind schneller ins Rollen gekommen

Dass der Ansturm nicht grösser war, erklärt sich der CEO unter anderem damit, dass die Härtefallprogramme nun doch schneller ins Rollen gekommen sind als ursprünglich gedacht. Viele Unternehmer hätten sich wohl gesagt, dass sie noch so lange durchhalten könnten, bis die staatlichen Härtefallgelder ausbezahlt würden.

Für die erste Runde des kantonalen Härtefallprogramms konnten Firmen bis Ende Januar Anträge einreichen. Wie jüngst bekannt wurde, beantragten 808 Unternehmen einen Kredit oder einen A-fonds-perdu-Betrag in der Höhe von gesamthaft rund 150 Millionen. Zur Verfügung gestanden wären bis zu 250 Millionen.

Dass der Betrag nicht ausgeschöpft wurde, führte Finanzvorsteher Ernst Stocker (SVP) auf die strengen Kriterien zurück. Für die zweite Runde – die jetzt läuft – sind diese gelockert worden. Neu sind Firmen schon dann für das Härtefallprogramm berechtigt, wenn sie in den letzten zwölf Monaten eine Umsatzeinbusse von mindestens 40 Prozent hatten oder wenn sie aufgrund von Anordnungen 40 Tage oder länger schliessen mussten. Der Kanton rechnet in dieser Auszahlungsrunde mit bis zu 20000 Gesuchen.