Wahlen
Kaum ausgefüllt, schon vernichtet: Der Weg unserer Wahlzettel

Was nach der Stimmabgabe mit den für die Zukunft der Schweiz entscheidenden Papieren passiert.

Matthias Scharrer
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Die Wahlzettelcouverts dürfen erst am Samstagvormittag des Wahlwochenendes geöffnet werden. KEYSTONE

Die Wahlzettelcouverts dürfen erst am Samstagvormittag des Wahlwochenendes geöffnet werden. KEYSTONE

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Natürlich regnete es, und ein kalter Wind blies mir ins Gesicht, als ich abends zum Briefkasten ging, um mein Wahlcouvert am letztmöglichen Termin einzuwerfen. Ein Zettel mit den Namen zweier Ständeratskandidaten und eine Wahlliste einer Partei plus mein Stimmrechtsausweis plumpsten im Briefumschlag in den gelben Kasten – Zettel, die über die Zukunft des Landes mitentscheiden. Doch statt eines erhabenen Gefühls demokratischer Mitbestimmung, wie es sich nach der Stimmabgabe an der Urne manchmal einstellt, ging mir vor dem Briefkasten eine ganz andere Frage durch den Kopf: Was geschieht jetzt mit den Wahlzetteln, bis das Wahlergebnis am kommenden Sonntagabend feststeht – und was danach? Anlass für eine kleine Recherche. Die Ergebnisse:

1 Wo treffen die Wahlkuverts ein und was passiert in den folgenden Tagen damit?

Adressat ist die jeweilige Wohngemeinde und deren Stimmregisterzentrale, Wahlbüro, Einwohnerkontrollen etc. Die Wahlzettelcouverts dürfen erst am Samstagvormittag des Wahlwochenendes geöffnet werden.

2 Wie werden die Wahlzettel ausgezählt? Häufchen auf dem Stimmenzählerpult, Strichlisten, Eintöggeln am Computer?

werden die Wahlzettel ausgezählt? Häufchen auf dem Stimmenzählerpult, Strichlisten, Eintöggeln am Computer?

Je nach Arbeitsschritt und Wahl wird anders gearbeitet: Mit Strichlisten; durch Zählen von Hand; in einigen Gemeinden werden nach einer Vorsortierung auch Hilfsmittel wie geeichte Waagen oder Banknotenzählmaschinen eingesetzt, heisst es auf Anfrage beim Statistischen Amt des Kantons Zürich. Die Ergebnisse müssen die Gemeinden sodann am Computer in die Wahlsoftware eingeben. Sowohl die Überprüfung veränderter Nationalrats-Wahllisten als auch die IT-Erfassung werden jeweils durch zwei andere Personen kontrolliert, um ein Höchstmass an Verlässlichkeit zu sichern, so Stefan Mittl, Leiter Abstimmungen und Wahlen bei der Stadt Zürich.

3 Wer zählt die Stimmen aus?

Dafür sind die Stimmenzählerinnen und -zähler respektive Mitglieder der Wahlbüros zuständig. Ihre Wahl erfolgt durch die Parlamente oder Exekutiven in den jeweiligen Städten und Gemeinden. Allein in der Stadt Zürich sind am Wahlwochenende gut 1800 Personen im Auszähldienst tätig.

4 Wie ist das Verhältnis der Anzahl Briefwähler und Urnengänger tendenziell?

Gemäss den groben Erfahrungswerten des kantonalen statistischen Amts
treffen 75 Prozent der Wahlzettel brieflich ein. 20 Prozent der Wählenden gehen am Wahlwochenende an die Urnen, 5 Prozent bereits vorzeitig unter der Woche.

5 Warum gibts im Kanton Zürich eigentlich keine Online-Stimmabgabe?

Nachdem E-Voting bei den eidgenössischen Wahlen 2011 noch auf Auslandschweizer beschränkt war, können 2015 in den Kantonen Genf und Neuenburg erstmals auch Stimmberechtigte mit Wohnsitz in der Schweiz elektronisch wählen. Auslandschweizern ist die Online-Stimmabgabe in den Kantonen Luzern und Basel-Stadt vorbehalten. Anders sieht es im Kanton Zürich aus: Zwar liefen hier seit 2005 in einzelnen Gemeinden Pilotversuche zur elektronischen Stimmabgabe. Doch ein entsprechendes Gesuch für die Wahlen 2015 lehnte der Bundesrat im vergangenen August ab. Das Gesuch eingereicht hatte das Consortium Vote électronique, dem die Kantone Zürich, Aargau, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Glarus, Freiburg, Schaffhausen und Graubünden angehören. Begründung für das bundesrätliche Nein: Das E-Voting-System des Consortium konnte die per 1. Juli verschärften Sicherheitsvorgaben des Bundes nicht rechtzeitig erfüllen. Die am Consortium beteiligten Kantone beschlossen in der Folge, dessen E-Voting-System nicht mehr weiterzuentwickeln. Der Kanton Zürich bekundete für die Zukunft aber weiterhin Interesse an der Einführung von E-Voting.

6 Wann liegen am Sonntag die Wahlresultate vor?

Für die Zürcher Ständeratswahl rechnet das Statistische Amt mit Hochrechnungen ab 12 Uhr und mit den Endergebnissen zwischen 16 und 17 Uhr.
Für die Nationalratswahlen dürften erste Hochrechnungen zwischen 16 und 17 Uhr erfolgen, Endergebnisse ab zirka 20 Uhr.

7 Wie wird das Wahlergebnis amtlich?

Massgebend sind die Publikation im Amtsblatt des Kantons Zürich, die am 23. Oktober geplant ist, sowie die rechtskräftige Erwahrung.

8 Was passiert nach dem Wahltag mit den Wahlzetteln?

Sie werden sicher verwahrt, bis die Wahlergebnisse rechtskräftig sind. Sobald dies der Fall ist, werden die versiegelten Wahlunterlagen vernichtet.