Für Hunde muss eine Steuer bezahlt werden, für Katzen nicht. Christian Aeberli aus Kilchberg findet das ungerecht und er hat daher eine Einzelinitiative eingereicht. Aeberli ist in führender Position im Bildungswesen tätig und war vorher Senior Researcher bei Avenir Suisse mit thematischem Schwerpunkt Bildung.

Es sei doch faszinierend, sagt er, dass es im Kanton Zürich dieses politische Instrument gebe. Man formuliere als Bürger ein Anliegen, mit dem sich dann ein ganzes Parlament auseinandersetze. Und so habe er nun in zwei Themenbereichen davon Gebrauch gemacht, die ihm wichtig seien: Natur und Umwelt. Neben der Einzelinitiative für die Katzensteuer hat er auch noch eine für ein Verbot des Verkaufs und Vertriebs von Kohlestrom eingereicht. Er handle ausschliesslich als Privatperson, betont er.

400 Franken Steuern pro Katze? (Mai 2016)

400 Franken Steuern pro Katze? (Mai 2016)

Zuerst wollte Johannes Jenny streunende Katzen abschiessen lassen. Jetzt fordert er eine Katzensteuer von 400 Franken pro Tier.

Nur eine von zehn Einzelinitiativen findet die nötige Drittelsmehrheit im Kantonsrat, um an die Regierung überwiesen zu werden. Vielleicht ist jener zur Katzensteuer ja Erfolg beschieden, denn das Thema kocht seit einigen Jahren nicht nur hierzulande immer wieder hoch. In der Schweiz war dies etwa letzten Frühling so, als der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, Johannes Jenny, in der «Rundschau» eine Senkung des Katzenbestandes in der Schweiz mittels einer Steuer von 300 bis 400 Franken für jedes nicht kastrierte Tier gefordert hatte. «Viele junge Vögel werden gefressen oder zu Tode gequält. Es ist ein eigentliches Massaker», hatte er gesagt. Indes gibt es auch immer Stimmen, die widersprechen oder zumindest relativieren.

Es gibt kaum Studien

Auf der Website der Schweizerischen Vogelwarte Sempach etwa heisst es, dass es kaum Studien gebe zum Einfluss von Katzen auf die Bestände der Kleinsäuger, Kleinvögel, Reptilien und Amphibien, da die Erhebung methodisch sehr aufwendig sei. Die Vogelwarte setzt auf eine sachliche Diskussion und empfiehlt Vorkehrungen. Äste und Steinhaufen etwa bieten Kleintieren Schutz vor Katzen, wird erwähnt. Vogelhäuschen, die an übersichtlichen Orten platziert werden, erschweren Katzen das Anschleichen. Mit Manschetten und Drähten lassen sich Bäume und Trockenmauern für sie unpassierbar machen. Katzen sind Beutegreifer. Das heisst, sie vermeiden einen grossen Jagdaufwand und konzentrieren sich auf Beute, die zahlreich vorhanden und leicht zu fangen ist.

Unsichtbares Elend

Einzelinitiant Aeberli findet, der Katzenbestand in der Schweiz sei mit 1,5 Millionen Tieren zu hoch. Er erhofft sich eine Reduktion. Diese Forderung können auch Tierschützer unterschreiben, zum Beispiel Esther Geisser. Sie ist die Gründerin und Leiterin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection Netap in Esslingen. Fast jedes Wochenende ist sie mit ihrem Team unterwegs, um herrenlose Katzen einzufangen und zu kastrieren. Netap verfügt hierfür über sein sehr grosses Netz an Freiwilligen.

Beim Einsatz im Jura letzten Samstag etwa waren sechs Tierärzte und -ärztinnen, sechs Praxisassistentinnen und -assistenten sowie 15 Helferinnen und Helfer dabei. Netap unterstützt auch Gemeinden und leistet Einsätze auch im Ausland. Letztes Jahr wurden insgesamt über 18'000 Kastrationen vorgenommen.

Katzenjammer

«Das Katzenelend ist gross», sagt Geisser. Dies habe auch damit zu tun, dass sich Katzen sehr schnell vermehren, abwandern oder auch ausgesetzt werden. Für herrenlose Tiere fühlt sich niemand zuständig. «Es gibt viele verwilderte Katzen», sagt Geisser, «in der Stadt wie auf dem Land.» Oft seien sie für den Laien nicht als Streuner erkennbar. «Sind sie krank oder verletzt, dann ziehen sie sich zurück.» Und so sei denn das Katzenelend nicht nur gross, sondern für viele auch unsichtbar.

Wichtiger als eine Katzensteuer, sagt Geisser, wäre eine Kastrationspflicht für Katzen, die unbeaufsichtigt Freigang haben. Eine Steuer fände sie höchstens für Halter sinnvoll, die sich der Kastration ihrer Katze widersetzen. Sie weiss aber auch, dass die Widerstände gross sind. Der Ständerat hat im Dezember einen Vorstoss mit diesem Anliegen abgelehnt.

«Jöh-Effekt» ist hinderlich

«Kastrationen kosten», erwähnt Geisser unter anderem als Grund. Das kann nicht zuletzt auf den Bauernhöfen mit grösseren Beständen ins Geld gehen. Zumal dort auch immer wieder Tiere ausgesetzt werden. Der «Jöh-Effekt», den kleine Kätzchen böten, so sagte Geisser, bilde zu oft den Auftakt zu einem Katzenleben im Elend. Die Haltung vieler, dass man eine Kätzin doch zumindest einmal Junge haben lassen sollte, trage ihren Teil dazu bei. Netap sammelt derzeit Unterschriften für eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen. Bereits haben über 30 000 Personen diese Forderung unterzeichnet.

Geisser betont, dass sich das Problem nicht wie oft behauptet nur auf Landwirtschaftsbetriebe konzentriere, sondern ebenso Privathaushalte betreffe. «Jeder, der Jungtiere produziert, macht sich mitschuldig am Problem.»

Aeberli hatte den Artenschutz und die Einnahmen für den Staat vor Augen, als er seine Einzelinitiative einreichte. An eine Kastrationspflicht hatte er nicht gedacht. Wenn das Parlament sie als sinnvoll erachte, sei aber sicher nichts dagegen einzuwenden, sagt er. Im Übrigen, so betont er, sei ihm sein Vorstoss zum Kohlestrom wichtiger – wegen diesem habe ihn allerdings noch kein Journalist kontaktiert. Erst auf Nachfrage hin erwähnt er, dass er schon einmal eine Einzelinitiative eingereicht hat. Und zwar vor dreissig Jahren. Die von ihm damals geforderte Kantonalisierung des Kindergartens ist mittlerweile vollzogen worden – wenn auch nicht auf seine Initiative hin. Diese war damals abgelehnt worden.

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