Zürich

Katholisch Stadt Zürich hat eine App lanciert, die zum Verweilen einlädt

Meinrad Furrer, Beauftragter für Spiritualität von Katholisch Stadt Zürich

Meinrad Furrer, Beauftragter für Spiritualität von Katholisch Stadt Zürich

Katholisch Stadt Zürich hat die App «3:33 Weiler» lanciert, die zum Verweilen an verschiedenen Orten der Stadt einlädt. Der Projektleiter Meinrad Furrer erklärt, wie es dazu kam und wie man diese handhabt.

Sanft erklärt die Stimme, dass man sich in einer Oase mitten im bevölkerungsreichsten Kreis der Stadt Zürich befindet. Zwischen der alten Dorfkirche sowie der neuen reformierten Kirche tauchen Fragen auf: «Warum bist Du hierher gekommen? Suchtest Du den ruhigen Ort, den Freiraum? Bist Du auf dem Weg zur inneren Einkehr?» Kurz darauf lädt die Stimme zum Verweilen ein. Findet man sich in dieser Situation wieder, ist dies der App «3:33 Weiler» zu verdanken, die im September von Katholisch Stadt Zürich lanciert wurde.

«Wir versuchen neue Formen von Spiritualität zu erproben, um damit auch jene Menschen zu erreichen, die sich nicht mit der Kirche befassen. Diese App ist eine davon», sagt Meinrad Furrer, Beauftragter für Spiritualität von Katholisch Stadt Zürich und Leiter des Projekts. Die App basiere auf einer früheren Idee einer Arbeitsgruppe beim katholischen Stadtverband. «Ursprünglich war eine Broschüre vorgesehen, die durch einen spirituellen Spaziergang in Zürich führt», sagt Furrer. Vor zwei Jahren, als Furrer seine Arbeitsstelle antrat, begann er diese Idee neu zu verfolgen.

Aus diesem Grund holte er Vertreter der Fachrichtung Cast/Audiovisual Media der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) mit ins Boot und die Idee von der einstigen Broschüre fand sich schliesslich im Gefäss einer App wieder. Statt der geführten Spaziergänge sollten es nun aber Orte in Zürich sein, die man neu entdecken kann.

«Es war uns wichtig, dass sich die User mit der App in ein Erlebnis der Ruhe und des Verweilens mitnehmen lassen, was eigentlich im Kontrast zu herkömmlichen Apps steht, wo man meist reagieren muss», sagt Furrer. Auch das Zielpublikum war früh bekannt: «Wir wollten urbane Menschen zwischen 30 und 50 Jahren ansprechen, die sich für Spiritualität interessieren.»

Verschiedene Orte zum Verweilen

33 Orte in der Stadt mussten daraufhin gefunden werden, die zum Verweilen, zum Meditieren und zum Geniessen der Stille einladen. Eine Aufgabe, die Furrer gemeinsam mit Urs Bauer, Präsident des Vereins Zentrum christliche Spiritualität, anging.

«Zu zweit haben wir manche Orte erkundet und auch getestet.» So wie der Platz bei den reformierten Kirchen in Altstetten als «Oase» bezeichnet wird, fanden weitere Themen wie «Wohnen», «Lebensfluss» oder «Rausch und Sehnsucht» Einzug in die App, die sich aus der Stimmung oder der Geschichte der jeweiligen Orte ergaben.

Im Falle der Oase in Altstetten erfährt man viel Wissenswertes über die beiden Kirchen beim Lindenplatz. Und man wird eingeladen, mit sich selbst in den Dialog zu treten und sich über die eigene Balance zwischen Engagement und Ruhe Gedanken zu machen. Die Bauweise der neuen Kirche regt ebenfalls dazu an, sich zu fragen, wie man sich gegen aussen zeigt.
Es finden sich weiter bekannte und öffentliche Ecken in der App wieder, etwa der Platzspitz («Hören») oder das Zürichhorn («Heureka»), aber auch ungewohnte Ort, die zum Innehalten einladen, wie etwa die Unterführung Langstrasse («Hier und jetzt») oder das Central («Die Mitte finden»). Und vielleicht auch Plätze, die man nie auf dem Radar hatte. «Für mich war beispielsweise der Weiler Haumesser in Wollishofen, der wie ein kleines Bergdorf erscheint, eine Überraschung», sagt Furrer.

Obwohl die App von Katholisch Stadt Zürich finanziert wurde, hält sie sich zurück mit christlichen Klischees; Bibelstellen werden sparsam zitiert. «Die Kirche hat den Menschen lange die Welt erklärt, jetzt ist aber die Zeit da, sich gegenseitig zuzuhören», sagt Furrer.
Gemeinsam mit Urs Baur hat er die 33 Drehbücher geschrieben. Die Texte werden zweimal durch die Aufforderung zum Verweilen unterbrochen. Zunächst eine Minute und elf Sekunden, beim zweiten Mal zwei Minuten und 22 Sekunden. Dies erklärt den Namen «3:33 Weiler».

Sich selber eine Nachricht senden

Die Programmierung und das Design der App lagen in den Händen des Teams von der Zürcher Hochschule der Künste. Sie drehten auch Drohnenaufnahmen, produzierten Bilder und bauten diese wie auch Tondokumente mit Musik oder Gedichten an den jeweiligen Orten ein. Ein professioneller Sprecher sprach schliesslich die Texte ein.

Eine Besonderheit eröffnet sich dem User am Schluss eines jeden Ortes, für den man sich laut Furrer ungefähr eine Viertelstunde Zeit einplanen muss. «Am Ende kann man ein Wort oder einen Gedanken einfügen, daraus wird eine digitale Postkarte erstellt, die man auf den Sozialen Medien teilen oder sich selber per Mail senden kann». Diese Nachricht erhält man nach genau 33 Tagen und erinnert so an die Gedanken von damals.

Die Reaktionen auf die App, die es nur in deutscher Sprache gibt, seien ausnahmslos positiv, sagt Furrer. «Ich weiss sogar von jemandem, der sich nur wegen dieser App ein Smartphone zugelegt hat.» Die App wurde kurz nach ihrer Lancierung sogar schon mit einer Ehre bedacht: Bei den «Best of Swiss Apps 2019» wurde «3:33 Weiler» nominiert. Bei der Preisverleihung, die am Mittwoch stattfand, wurde die App jedoch mit keiner Auszeichnung bedacht.

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