Tierquälerei

Kater Sämi schmorte in der Marderfalle - Katzenhasserin verurteilt

Kater «Sämi» sass mehrere Stunden in der Marderfalle.

Kater «Sämi» sass mehrere Stunden in der Marderfalle.

Um einen Marder zu fangen, hat eine Naturschützerin in ihrem Garten einen Fangkäfig aufgestellt. Dummerweise tappte ausgerecht die Nachbarskatze in die Falle und blieb für mehrere Stunden eingesperrt.

Es war in einer Dezembernacht 2012, als ein Ehepaar in Birmensdorf beschloss, dem lästigen Treiben eines nachaktiven Steinmarders endlich ein Ende zu bereiten. Die Naturschützerin und ihr Ehemann richteten dafür eine raffinierte Falle in ihrem Garten ein. Es handelte sich um einen so genannten Untersuchungskäfig,  der das gesuchte Tier anlocken, einschliessen und dingfest machen sollte.

Kater statt Marder gefangen

Bereits am nächsten Tag schnappte die Falle tatsächlich zu. Allerdings hatte nicht der offensichtlich schlaue Steinmarder, sondern ein Kater namens „Sämi“ den Weg in den Käfig gefunden. Es handelte sich dabei ausgerechnet um die Katze aus der wenig freundlich gesinnten Nachbarschaft.  Laut Staatsanwaltschaft musste der gut genährte „Sämi“ über mehrere Stunden hinweg im viel zu engen Käfig verbringen. Ohne Wasser, Futter und ohne jegliche Bewegungsmöglichkeit. Bis die Katzenhalterin ihren vermissten Vierbeiner hinter Gittern entdeckte und retten konnte. „ Unsere Katze hatte eine blutige Nase und alle Krallen verloren“, beschwerte sie sich am Mittwoch am Bezirksgericht Dietikon. Es sei ein Wunder, dass das arme Tier keinen Herzschlag erlitten habe, zeigte sie sich überzeugt. Zudem habe Sämi viel länger im Käfig als laut Anklage gelitten. Die Privatklägerin war mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern persönlich am Strafprozess gegen ihre Nachbarin erschienen.

 Salz über Pflanzen gestreut

Die Frau musste sich aber nicht nur wegen fahrlässiger Tierquälerei, sondern auch wegen Sachbeschädigung vor Gericht verantworten. So hat sie laut Anklage im März 2014 den Gemeinschafts-Steingarten betreten und böswillig Salz auf fünf Pflanzen ihrer Nachbarn gestreut. Worauf die Gewächse des Typs „Sonnenhut“ elendiglich eingingen. Die Geschädigten hatten die Täterin auf polizeiliches Anraten heimlich mit einem Video gefilmt und erneut Anzeige erstattet.

Nicht nur eine Katzenhasserin: Die Täterin streute Salz auf die Nachbartspflanze «Rauher Sonnenhut».

Nicht nur eine Katzenhasserin: Die Täterin streute Salz auf die Nachbartspflanze «Rauher Sonnenhut».

Geständnis widerrufen

Die langjährige Naturschützerin hinterliess vor Gericht nicht den besten Eindruck. So hatte sie noch während der Untersuchung zugegeben, Salz auf die Pflanzen gestreut zu haben.  Nun widerrief sie und führte aus, dass sie lediglich Kaffeesatz und Gewürze wie Chili-Flocken sowie Curry gestreut habe. Jedoch nur, um die Katzen zu vergraulen. Sie habe aber kein Salz verwendet, erklärte sie und liess ihren Rechtsanwalt auf einen vollen Freispruch plädieren. Auch bei der Marderfalle fühlte sie sich unschuldig. „Ich habe nicht erwartet, dass eine Katze in den Käfig geht“, rechtfertigte sie ihr Verhalten.

Langjähriger Nachbarschaftsstreit eskalierte

 Am Prozess kam heraus, dass ein langjähriger Nachbarschaftsstreit eskaliert war. Die Privatklägerin sprach von Auseinandersetzungen, die bereits 12 Jahre andauerten. Alle Katzen im Quartier hätten Angst vor der Naturschützerin, berichtete sie. Wobei sich die Beschuldigte für den Vogelschutz stark mache.

Der Verteidiger der Biologin widersprach und führte aus, dass die Videoaufnahmen rechtswidrig zustande gekommen und deshalb aus dem Recht zu weisen seien. Der Anwalt warf der Privatklägerin vor, das Ziel zu verfolgen, seiner Klientin einen Denkzettel zu verpassen. Die Beschuldigte habe bloss ein Geständnis abgelegt,  um das Verfahren zu beenden, plädierte er. Bei der Tierquälerei habe sie sich höchstens als Gehilfin betätigt und sei freizusprechen.

 Tierquälerei und Sachbeschädigung

 Das Gericht kam zum Schluss zu Schuldsprüchen und verurteilte die Naturschützerin wegen fahrlässiger Tierquälerei sowie Sachbeschädigung zu einer Busse von 500 Franken. Hinzu kommen die Verfahrenskosten von mindestens 800 Franken. Da laut Einzelrichter Bruno Amacker lediglich eine geringfügige Sachbeschädigung vorlag, kam für ihn eine vom Staatsanwalt geforderte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 90 Franken nicht mehr in Frage.

Das Video der Geschädigten stufte Amacker als nicht beweistauglich ein. So sehe man darauf nicht, was die Beschuldigte gestreut habe. Zudem seien heimliche Videoaufnahmen erst ab einem Sachschaden von über 10 000 Franken zulässig.

Trotzdem ging das Gericht davon aus, dass der Sachverhalt erstellt war. So habe man am Tatort nur Salz vorgefunden, führte er aus. Hätte sie Kaffesatz oder Gewürze verstreut, hätte sich die Beschuldigte auch strafbar gemacht. Wegen Verstosses gegen die Abfallverordnung.

Auch bei der Marderfalle kam das Gericht zu einem Schuldspruch. Die Beschuldigte habe davon ausgehen müssen, dass sich auch ein anderes Tier im Käfig verfangen könnte. Beim Salzstreuen benannte Amacker „zu Leide werken“  als Tatmotiv.

 Auch Ehemann bereits verurteilt

Während der Verhandlung kam heraus, dass die Staatsanwaltschaft den mitbeschuldigten Ehemann der Naturschützerin bereits im letzten Mai wegen fahrlässiger Tierquälerei mit 150 Franken gebüsst hatte. Der Mann hat den Entscheid offenbar akzeptiert. Die Zivilforderungen der geschädigten Familie wurden auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.  Dort soll über den Wert der versalzenen Pflanzen gefeilscht werden. Während die Anklage von über 504 Franken ausgeht, bezifferte die Verteidigung den Schaden auf lediglich 37 Franken und 50 Rappen.

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