Die Baumaschinen und Wohnwagen sind auf die Brache in Neuhegi zurückgekehrt. Seit Wochen rätselt halb Winterthur: Was plant Karl’s kühne Gassenschau diesmal? Das Vorgängerstück «Fabrikk», das 2011 hier Premiere feierte, zog mit Gastspielen in Olten und Saint-Triphon über eine halbe Million Besucher an.

Gestern lüfteten die GassenschauMacher das Geheimnis: Das Stück, das ab 9. Juni hier gespielt wird, wird «Sektor 1» heissen. Das Plakat, das der Winterthurer Cartoonist Peter Gut gestaltet hat, zeigt einen Astronauten, der auf einem Müllsack reitet.

Und tatsächlich spielt das Stück in einer nicht allzu fernen Zukunft. Die Menschheit hat ihren Planeten aufgeräumt und den ganzen Müll in den Orbit geschossen. Damit sie auf der Erde überleben kann, müssen sich alle Bewohner strikt an die neuen Regeln halten. Dann winkt zum Lohn ein Leben im «Sektor 1», in der verbliebenen Wohlfühloase. Doch die Menschen sind eigensinnig, und der Orbit beginnt zu rinnen. Die schöne neue Welt droht im Abfall unterzugehen.

Poesie und Grössenwahn

«Wir versuchten, ein Lebensgefühl einzufangen», sagt Paul Weilenmann, Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter. «Der Müll ist eine Metapher für die Überforderung, die uns angesichts all der Weltprobleme befällt, die in den Medien jeden Tag auf uns einströmen.»

Wie immer bei den Produktionen von Karl’s kühner Gassenschau mischen sich Artistik und Hightech, Klamauk und Gesellschaftskritik, Poesie und Grössenwahn. Mit welch riesiger Kelle hier angerichtet wird, zeigt sich schon nur an der Zahl der Techniker, die das fünf Hektaren grosse Gelände in eine fantastische Gegenwelt transformieren: 30 sind es aktuell, bis zu 50 werden es in den nächsten Monaten sein.

Die Tribüne wird, wie bei «Fabrikk», 1400 Zuschauer fassen. Das Bühnenbild ist eine sanfte Hügellandschaft voll versteckter Überraschungen. Allein der Technikgraben im hinteren Teil ist
6,5 m tief und gross wie eine Turnhalle. Um die gigantischen Requisiten zu bewegen, sind Kranteile, Seilwinden und tonnenschwere Schienenwagen im Einsatz.

Beginn als Strassentheater

«Wir erschrecken manchmal selbst, wie es so weit kommen konnte», sagt Weilenmann, der Karl’s kühne Gassenschau zusammen mit Brigitt Maag, Ernesto Graf und Markus Heller vor
32 Jahren als Strassentheater ins Leben rief. Heller, gelernter Orgelbauer, überwacht die Technik. «Fast alle unsere Geräte sind Prototypen.» Doch auch die Gastronomie oder nur schon die Toilettenanlage auf der Baubrache sicherzustellen, ist ein Kraftakt. Ein Baugesuch ist noch hängig: Um das Areal mit dem Parkplatz beim Bahnhof Hegi zu verbinden, ist eine Fussgängerbrücke über die Seemerstrasse geplant.

Die Vorstellungen beginnen am 9. Juni.
Tickets gibts ab heute im Vorverkauf für 68 bis 78 Franken. Gespielt wird täglich, ausser Sonntag und Montag.