«Als wäre ein Lastwagen umgekippt, der grosse Steine geladen hatte», sagt Heloisa Ono, eine Anwohnerin des Melchior Hizel-Wegs in Affoltern am Albis. Eine ihrer Nachbarinnen spricht von einer «umgestürzten Mülltonne». Was sie beschreiben, ist das Geräusch, dass sie kurz vor acht Uhr am Mittwochmorgen vor Schreck zusammenzucken liess. Ono sitzt zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Mann in ihrem Wohnzimmer. Als sie den Lärm vernehmen, eilen sie zum Fenster – und erschrecken gleich nochmals: Auf der Quartierstrasse liegt der rote Baukran, der noch am Tag davor neben der Baustelle für den Erweiterungsbau des benachbarten Spitals senkrecht in den Himmel ragte. Daneben, und als hätte ihn der Baukran beim Sturz mitgerissen, ein gelb-schwarzer Pneukran. Die Führerkabine eines Baulastwagens auf der Strasse ist zertrümmert, ein Lieferwagen am anderen Ende des stählernen Auslegearms wurde vom Gegengewicht des Baukrans zu einen knapp kniehohen, weissen Fladen zusammengedrückt. «Bei dem Anblick wurde mir klar, dass hier ein weit grösseres Unglück geschehen sein musste, als ich mir das anhand des Geräuschs zuvor vorgestellt hatte», erinnert sich Ono.

Kranunfall in Affoltern am Albis

Kranunfall in Affoltern am Albis

Kurz darauf erklingen Sirenen: Ein Grossaufgebot der Blaulichtorganisationen trifft an der Unfallstelle ein. Noch Stunden später sind mehrere Dutzend Personen in grell Leuchtenden Uniformen auf der Baustelle mit ersten Abklärungen, der Absperrung des Unglücksstelle und der Verkehrsregelung beschäftigt. Die vier leicht bis mittelschwer verletzten Bauarbeiter befinden sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Spital.

«Die Unfallstelle liegt mitten in einem Wohnquartier und direkt neben dem Alters- und Pflegeabteilung des Bezirksspitals Affoltern. Wir können von Glück reden, dass niemand ums Leben gekommen ist», sagt Stefan Oberlin, der Pressesprecher der Kantonspolizei Zürich, vor Ort. Wie genau es zum Unfall gekommen ist, können weder die Baufirmen noch die Kapo erklären. Nur so viel ist klar: Gegen 7.45 Uhr begann ein Pneukran (gelb) bei der Baustelle am Melchior Hirzel-Weg mit der Demontage des roten Baukrans. Dabei sind die beiden Kräne aus bisher noch ungeklärten Gründen umgekippt. Zwei Arbeiter zogen sich dabei mittelschwere sowie zwei weitere leichte Verletzungen zu. Sie wurden mit Rettungswagen ins Spital gebracht.  Aus Sicherheitsgründen mussten 24 Bewohner des nahen Alters- & Pflegeheims vorübergehend in einen anderen Hausteil verlegt werden. Sie konnten kurz darauf aber wieder in ihre Zimmer zurückkehren.

Der entstandene Gesamtschaden wird auf über zwei Millionen Franken geschätzt – Nicht nur an mehreren Fahrzeugen der am Bau beteiligten Firmen sondern auch an den umliegenden Gebäuden sind teils starke Beschädigungen sichtbar. Ein Bewohner eines Nachbarhauses schilderte gegenüber der Limmattaler Zeitung, wie er vom Umkippen der Kräne aus dem Schlaf aufgeschreckt sei: «Das ganze Haus vibrierte.» Als er aus dem Mehrfamilienhaus getreten sei, habe er schliesslich die Scharten an der oberen Kante der Flachdachkonstruktion gesehen. Auch woher diese stammen, ist derzeit noch unklar, wie Oberlin sagt: «Ich könnte mir aber vorstellen, dass sie von einem Stahlseil des Baukrans stammen.»

Der Unfall wird die Quartierbewohner im Umfeld des Melchior Hizel-Wegs noch eine ganze Weile beschäftigen. Oberhalb und unterhalb der Quartierstrasse wird der Zugang zu den Wohn- und zum Spitalgebäude nur eingeschränkt möglich sein, bis der Unfallhergang durch Spezialisten geklärt und die beiden Kräne demontiert sind, wie Oberlin sagt: «Das wird wohl eine ganze Weile dauern.»

Kranunfall - Räumarbeiten

Kranunfall - Räumarbeiten