Winterthurs grösste Arbeitgeberin, die Stadt, schenkt ihren Angestellten ab nächstem Jahr mehr Ferien. Am Montag hat der Gemeinderat dem neuen Personalstatut zugestimmt, das für Angestellte unter 50 eine fünfte Ferienwoche vorsieht, bei den über 50-Jährigen sind es sechs Wochen. Bei der drittgrössten Arbeitgeberin hingegen, dem Kantonsspital (KSW), stehen weiterhin vier Wochen Urlaub im Arbeitsvertrag. Hier gilt das Personalgesetz des Kantons Zürich.

In Wahrheit durften sich Ärztinnen und Pflegende allerdings in den letzten Jahren bereits über fünf Wochen freuen. Die Extrawoche zimmerte sich das KSW-Personal in einem komplizierten Eigenbau zusammen. Zwei Tage steuerte der Kanton bei. Er schenkte in den letzten Jahren jeweils allen Angestellten zwei Kompensationstage zwischen Weihnachten und Neujahr. Auch 2018 sind diese wieder bewilligt. Einen weiteren Tag kann sich freispielen, wer die erlassenen Stunden vor Karfreitag, Auffahrt und Silvester en bloc bezieht. Und zwei Tage schenkte die KSW-Leitung den Mitarbeitenden als Einmalzulage bei gutem Geschäftsgang. Zusammen ergaben diese fünf Tage eine inoffizielle fünfte Ferienwoche, die auch am Stück bezogen werden durfte.

26 Millionen als Schallgrenze

Seit 2014 hat das KSW seinen Mitarbeitern die zwei Bonustage jedes Jahr gewährt. Ob sie auch 2018 in den Genuss kommen, ist derzeit allerdings noch völlig unklar. Einerseits muss dazu ein Gewinnziel erreicht werden. Die magische Grösse ist, laut der Mitarbeiterzeitung «37 Grad», ein Betriebsergebnis (Ebit) von 26 Millionen Franken. Letztes Jahr schaffte das KSW fast 30 Millionen, doch dieses Jahr könnte es, laut Insidern, knapp werden. Bekannt gegeben werden die Geschäftszahlen am 19. April.

Doch auch wenn die KSW-Leitung und der Spitalrat die Ferientage erneut beantragen, unterstehen diese der Zustimmung des Regierungsrates. Ob der Kanton erneut seinen Segen gibt, ist unsicher. Grundsätzlich sind Einmalzulagen in Form von Freitagen zwar erlaubt, aber Regierungsrat Thomas Heiniger (FDP) erwähnte bereits 2016 in einem Interview, man habe beim KSW im Bereich Ferien und Boni «schon mehrfach aufsichtsrechtlich einschreiten müssen, weil geplante Massnahmen kantonales Recht verletzt hätten». Die Logik dahinter ist simpel: Andere Kantonsangestellte sollen nicht den Eindruck bekommen, KSW-Mitarbeitende seien bessergestellt.

Fünfte Woche überfällig

Aus Sicht der Gewerkschaft VPOD wäre eine reguläre fünfte Ferienwoche allerdings ohnehin überfällig. «In der Privatwirtschaft sind fünf Wochen die Regel, und auch Gemeinden wie Uster und Winterthur haben die Zeichen der Zeit erkannt», sagt Roland Brunner. «Bei der Rekrutierung von gutem Personal ist es ein klares Handicap, nur vier Wochen anbieten zu können.» Die Kopplung ans Betriebsergebnis, wie beim KSW praktiziert, findet Brunner fragwürdig: «Die Mitarbeitenden haben null Einfluss auf diese Zahlen.»

Gesundheitsdirektor Heiniger hatte die fünfte Ferienwoche und andere personalrechtliche Verbesserungen immer als Argument für eine Verselbstständigung des KSW und der Integrierten Psychiatrie (IPW) ins Feld geführt. Seit diese im Mai letzten Jahres deutlich abgelehnt wurde, muss diese Diskussion neu geführt werden.

Politische Mehrheit unwahrscheinlich

Dass sich im bürgerlich dominierten Kantonsrat eine politische Mehrheit für mehr Ferien findet, scheint einigermassen unwahrscheinlich. Auch eine Volksinitiative für mehr Ferien für Kantonsangestellte erreichte 2011 weniger als 40 Prozent Zustimmung. Doch VPOD-Gewerkschafter Brunner sieht noch eine weitere Möglichkeit: «Das kantonale Personalgesetz sieht explizit die Möglichkeit vor, dass die Spitalleitungen mit den Sozialpartnern einen Gesamtarbeitsvertrag aushandeln können. In anderen Kantonen von Aargau bis Zug und Bern bis Basel ist der GAV im Spitalbereich absolut üblich – nur im Kanton Zürich scheint das bisher ein rotes Tuch.»

Brunner ist zuversichtlich: Nach der abgelehnten Privatisierung könnte hier nun ein Umdenken einsetzen. Davon könnte auch die Integrierte Psychiatrie mit ihren rund 800 Mitarbeitenden profitieren. Diese kannten nämlich im Gegensatz zum KSW nie eine fünfte Ferienwoche, auch keine selbst gebaute.