Ende Juli machte diese Zeitung publik, dass eine Mitarbeiterin des Kantonsspitals Winterthur (KSW) für Erziehungskurse geworben hat, die sich auf das Alte Testament beziehen. Dabei handelt es sich um Kurse, die der Verein Childwise anbietet. Die Aktivitäten der Mitarbeiterin waren dem KSW nicht bekannt, wie ein Sprecher Ende Juli mitteilte. Inzwischen hat das Spital reagiert.

Childwise ist für zwei umstrittene Erziehungsratgeber bekannt. Darin empfehlen die Autoren den Eltern beispielsweise, ihre Kinder bei Ungehorsam zu schlagen. Die körperliche Züchtigung ist für sie eine «global gültige Form der Korrektur». Babys werden nur nach rigidem Plan gestillt und bis zu einer Stunde schreien gelassen. Für Infosekta, eine Fachstelle für Sektenfragen, sind die Ratgeber deshalb eine systematische Anleitung zu körperlicher und psychischer Gewalt an Kindern. Die Kursleiterin wollte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen.

Mitarbeiterin bereut Vorfall

Das KSW hat den Vorfall in der Zwischenzeit abgeklärt. Nachdem die betreffende Mitarbeiterin aus den Sommerferien zurückgekehrt sei, habe man als Erstes das Gespräch zwischen ihr und ihrem Vorgesetzten gesucht, sagt Mediensprecher André Haas auf Anfrage. Die Mitarbeiterin bereue den Vorfall ausserordentlich. «Beide sind sich einig, dass der Vorfall sich nicht wiederholen soll.»

Nach dem Gespräch habe der Abteilungsleiter alle Mitarbeitenden über die KSW-internen Richtlinien informiert. Das sind folgende: Empfehlungen zu Drittparteien dürften grundsätzlich keine gemacht werden. In persönlichen Gesprächen mit den Patienten oder Kunden dürften eigene Meinungen «selbstverständlich» geäussert werden. Es sei aber erhöhte Sensibilität erforderlich bei Themen, welche die persönliche Integrität der Patienten oder Kunden infrage stellen könnten – zum Beispiel bei Politik oder Religion.

Das KSW hat zudem die schriftliche Weisung, dass alle Mitarbeitenden, was das Erscheinungsbild betrifft, gegenüber den Patientinnen und Patienten politisch und religiös neutral auftreten müssen. «Das Tragen von Buttons oder T-Shirts mit politischen oder religiösen Botschaften ist nicht erlaubt.» Mediensprecher Haas findet, dass der Vorfall in den Medien «zu stark aufgebauscht wurde». Mit der Information des Vorgesetzten seien jetzt alle ausreichend sensibilisiert. «Es handelt sich um einen Einzelfall und weitere Massnahmen sind nicht nötig», schliesst Haas.