Die schlechte Botschaft zuerst: Der Bahnhof Stadelhofen bleibt leider für viele Pendler noch lange ein – wahrscheinlich weiterhin pannenanfälliges – Nadelöhr. Und damit ein Quell des Ärgers. Denn eine markante Entlastung durch ein viertes, unterirdisches Gleis mit Anschluss Richtung Stettbach und einem zweiten, einspurigen Riesbachtunnel zwischen Stadelhofen und Tiefenbrunnen, gibt es frühestens im Jahr 2028.

Das räumten gestern selbst jene Vertreter im Kantonsrat ein, die die VCS-Initiative zum Bahnhof Stadelhofen nicht zuletzt deshalb lanciert hatten, um die entsprechenden Ausbauschritte zu beschleunigen. Bund und Kanton gehen ihrerseits davon aus, dass die geplanten Vorhaben – welche zwischen 470 und 670 Millionen Franken kosten sollen – bis 2030 umgesetzt sein werden.

Die gute Nachricht ist immerhin: Der Ausbau eines der meist frequentierten Bahnhöfe der Schweiz – rund 135 000 Passagiere pro Tag – ist bei den Zürcher Politikern unbestritten. Von links bis rechts ist man sich der Notwendigkeit der Entlastung für den Bahnhof Stadelhofen bewusst. Doch der Weg, der zu diesem Ziel führt, blieb auch gestern im Kantonsrat umstritten.

Dass der VCS in seiner Initiative eine Vorfinanzierung des Ausbaus des Bahnhofs Stadelhofen durch den Kanton Zürich – à la Durchmesserlinie – forderte, begrüssten gestern insbesondere Grüne und Grünliberale. Die Mehrheit der SP und die Bürgerlichen lehnten dieses Ansinnen jedoch entschieden ab. Der Rat sprach sich schliesslich mit 125 gegen 17 Stimmen deutlich gegen die VCS-Initiative aus. Auch ein Gegenvorschlag der Grünliberalen mit der offeneren Formulierung «sämtliche Massnahmen zu ergreifen, die zur raschen Realisierung des Ausbaus des Bahnhofs Stadelhofen führen» scheiterte auf Antrag der Verkehrskommission (KEVU) mit 125 gegen 49 Stimmen.

Die Mehrheit des Kantonsrates war überzeugt, dass weder die Initiative noch der Gegenvorschlag zu einer wesentlichen Beschleunigung der geplanten Massnahmen führt. Der Bahnhof Stadelhofen sei explizit ein Bestandteil der vom Volk im vergangenen Februar gutgeheissenen Fabi-Vorlage (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur). Damit sei die Finanzierung durch den Bund aufgegleist und gesichert. «Die wichtigsten Gründe, die noch für die Initiative gesprochen hätten, sind damit hinfällig geworden», sagte Kommissionspräsident Ruedi Lais (SP).

Die Forderungen des VCS seien nach dem Ja zu Fabi geradezu absurd, fand SVP-Kantonsrat Orlando Wyss. Und Alex Gantner (FDP) ergänzte: «Die Initianten wollen mit dem Kopf durch die Wand und senden verwirrende Signale nach Bern.»

Mahnung der Grünen

Andreas Wolf (Grüne) versuchte schliesslich noch einmal die Beweggründe für die Initiative vor Augen zu führen: «Wir wollen Sicherheit schaffen, dass der Ausbau tatsächlich realisiert wird.» Denn vorerst habe der Bund nur einen Projektierungskredit für den Bahnhof Stadelhofen vorgesehen.

«Ob der Ausbau realisiert wird, entscheidet das Parlament in Bern frühestens im Jahr 2018», mahnte Gabi Petri (Grüne), Co-Geschäftsführerin des VCS. Mit einer Vorfinanzierung habe der Kanton Zürich im Verteilkampf bessere Karten, meinte sie. Doch das stellte Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) in Abrede. «Alle Signale stehen doch schon längst auf Grün», entgegnete er Petri. Und: «Der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen ist auch für den Bund wichtig.» Zudem habe ja das Bundesamt für Verkehr (BAV) bereits den Auftrag erhalten, die Planung an die Hand zu nehmen.