Zürich
Kantonsrat «not amused» über obligatorisches Englisch-Lehrmittel

Im Zürcher Kantonsrat bestehen Vorbehalte gegenüber den heutigen kantonalen Englisch-Lehrmitteln. Das Parlament hat am Montag ein Postulat von CVP und EVP mit 95 Stimmen dringlich erklärt. Es verlangt, das Obligatorium für drei Lehrmittel aufzuheben.

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Die Zufriedenheit mit den obligatorischen Englisch-Lehrmitteln sei «im ganzen Kanton gering». (Archiv)

Die Zufriedenheit mit den obligatorischen Englisch-Lehrmitteln sei «im ganzen Kanton gering». (Archiv)

Bei den Lehrmitteln handelt es sich um «First Choice» (Unterstufe), «Explorers» (Mittelstufe) und «Voices» (Sekundarstufe). Nebst der Aufhebung des Obligatoriums verlangen die Postulanten Auskunft darüber, wieviel Geld der kantonale Lehrmittelverlag in die Konzipierung und Erarbeitung der Englisch- Lehrmittel gesteckt hat.

Die Zufriedenheit mit den obligatorischen Englisch-Lehrmitteln sei «im ganzen Kanton gering», heisst es in der Begründung des Postulats. Rückmeldungen aus dem Schulalltag zeigten, dass trotz grossem Aufwand der Lehrerinnen und Lehrer «die Ergebnisse im Englischunterricht nicht überzeugen können.»

Laut Corinne Thomet-Bürki (CVP, Kloten) führen die Lehrmittel zu beträchtlicher Mehrarbeit bei den Lehrerinnen und Lehrern. Hinzu komme, dass lediglich ein Teil der Schülerinnen und Schüler die formulierten Lernziele erreiche.

Unterstützung erhielten die Postulanten von SVP, GLP, BDP und EDU. Die Lehrmittel wiesen grosse Mängel auf, sagte etwa Stefan Hunger (BDP, Mönchaltorf). Nicht verständlich sei ferner, dass der Kanton im Zeitalter von HarmoS an der Entwicklung eigener, teurer Lehrmittel festhalte. «Wo bleibt da die Kosteneffizienz?»

Sache des Bildungsrates

Auch für Karin Maeder-Zuberbühler (SP, Rüti) ist das Problem der Lehrmittel zwar «nicht wegzudiskutieren». Allerdings sei für Lehrmittel nicht der Kantonsrat, sondern der Bildungsrat zuständig.

Auch Claudia Gambiacciani (Grüne, Zürich) störte sich daran, dass das Parlament «ständig dem Bildungsrat hineinpfuschen» wolle. Beim Vorstoss handle es sich um eine «überstürzte Aktion vor den Sommerferien». Lehrerinnen und Lehrer, die gerne mit dem Lehrmittel arbeiten, gebe es durchaus.

Eines der drei kritisierten Lehrmittel, «Explorers», war Ende Oktober 2008 an der Frankfurter Buchmesse mit dem Silver Award der European Educational Publishers Group ausgezeichnet worden. Ihren Entscheid begründete die Jury damals mit dem klar strukturierten Aufbau und der altersgerechten Ausrichtung.