Bildung
Kantonsrat kritisiert neue Praxis für Aufnahmeprüfung ans Kurzgymi

Eine Mehrheit des Zürcher Kantonsrates ist dagegen, dass bei der Aufnahmeprüfung ins Kurzgymnasium die Vornoten der Sekundarschülerinnen und -schüler keine Rolle mehr spielen.

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Die Abstimmung des Kantonsrats bleibt symbolisch, denn die Entscheidungsmacht liegt beim Bildungsrat. (Symbolbild)

Die Abstimmung des Kantonsrats bleibt symbolisch, denn die Entscheidungsmacht liegt beim Bildungsrat. (Symbolbild)

Keystone

Der Kantonsrat schrieb ein Postulat zwar als erledigt ab, befürchtet aber, dass es durch die neue Regelung vermehrt zu Fehlzuteilungen kommt.

Der Rat sprach sich mit 88 zu 74 Stimmen für die Variante der zuständigen Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) aus. Diese betont in ihrer Stellungnahme, dass sie mit dem Entscheid des Bildungsrates, in der Sekundarstufe bei der Gymiprüfung gänzlich auf die Vornoten zu verzichten, nicht einverstanden sei.

Die Postulanten von SP, CVP und FDP hatten im Oktober 2008 eine Verbesserung des Aufnahmeverfahrens an die Kantonsschule gefordert. Nach einer Überprüfung der Abläufe und einer Vernehmlassung wurden im Februar 2012 die Aufnahmebedingungen an die Mittelschulen geändert.

Ab 2015 können neu auch Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe B die Prüfung ans Kurzgymnasium ablegen. Weil aber die Noten der Sek A mit jenen der Sek B nicht verglichen werden können, entschied der Bildungsrat, dass die Vorleistungen der Schülerinnen und Schüler beim Übertritt ins Kurzgymnasium keine Rolle mehr spielen sollen.

Ausdruck des Missfallens

"Es ist belegt, dass Vornoten ein Indikator mit hohem Voraussagewert sind", sagte KBIK-Präsident Ralf Margreiter (Grüne, Zürich). Da der Bildungsrat abschliessend für das Aufnahmeverfahren zuständig sei, bleibe dem Kantonsrat nur die abweichende Stellungnahme als Ausdruck des Missfallens über diesen Beschluss.

"Der Verzicht auf die Vornoten bei der Sekundarstufe ist bildungspolitisch völlig fehl am Platz und führt zu problematischen Fehlzuteilungen", sagte Markus Späth (SP, Feuerthalen). Bei fast allen Schnittstellen im Bildungsbereich werde die abgebende Stelle berücksichtigt, sagte auch Andreas Erdin (GLP, Wetzikon).

Gegen die abweichende Stellungnahme sprachen sich SVP, FDP und CVP aus. "Die starke Gliederung auf der Sekundarstufe verunmöglicht eine Vergleichbarkeit", sagte etwa Sabine Wettstein (FDP, Uster). 80 Prozent der Schüler mit guten Vornoten würden ohnehin die Aufnahmeprüfung schaffen.

Da auf sehr unterschiedlichen Niveaus benotet werde, mache der Einbezug dieser Beurteilung keinen Sinn, war auch Margreth Rinderknecht (SVP, Wallisellen) überzeugt. "Es reicht, wenn nur die Prüfung zählt."

Kompetenz liegt beim Bildungsrat

Gegen die Meinung seiner Fraktion stimmte für einmal SVP-Kantonsrat und Lehrer Matthias Hauser (Hüntwangen): "Die Vornoten sind das einzige Messinstrument der schulischen Leistungen im Alltag." Die Prüfung allein hänge von Glück und Pech, Tagesform und Gesundheit ab. Wer für Noten sei, dürfe auch Vornoten nicht in Frage stellen.

Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) betonte derweil, dass die Selektionsverfahren im Kanton sehr gut funktionierten. Die Kompetenz liege beim Bildungsrat und dieser habe sich lange und intensiv mit dieser Frage beschäftigt. "Wir haben eine stark ausdifferenzierte Oberstufe und dem müssen wir Rechnung tragen", sagte Aeppli.