Zürich
Kantonsrat ist gegen eine Abschaffung des Nachtzuschlages der ZVV

Am Montag lehnte der Zürcher Kantonsrat ein SP-Postulat mit 128 zu 43 Stimmen ab, welches verlangte vom ZVV forderte, den Nachtzuschlag zurückzuziehen. Der Regierungsrat empfindet die fünf Franken als gerechtfertigt für die zusätzlichen Kosten.

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Aargauer Zeitung

Der Zürcher Kantonsrat hat sich - nicht zum ersten Mal - gegen die Abschaffung des «Nachtfünflibers» beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ausgesprochen. Er lehnte am Montag ein SP-Postulat deutlich mit 128 zu 43 Stimmen ab, das vom ZVV verlangte, keinen Nachtzuschlag von fünf Franken mehr zu erheben.

Vor zehn Jahren führte der ZVV den Nachtbetrieb in den Nächten auf Samstag und Sonntag ein. S-Bahnen und Busse sind ab 1 Uhr früh zuschlagspflichtig.

Einig sind Regierungsrat und Ratsmitglieder aller Seiten, dass das Nachtangebot im öffentlichen Verkehr des Kantons Zürich «eine Erfolgsgeschichte» ist. Mittlerweile wird es jährlich von 1,5 Millionen Nachtschwärmern genutzt.

Nur die SP-Fraktion und einige Mitglieder der Grünen fanden, das zunächst als Versuch eingeführte Nachtangebot habe sich etabliert und müsse heute dem Grundangebot im öffentlichen Verkehr zugerechnet werden. Ihrer Ansicht nach ist ein Zuschlag deshalb nicht mehr gerechtfertigt.

Vielen Jugendlichen erscheine der Nachtzuschlag als «reine Schikane», sagte Alma Redzic (Grüne, Zürich). Es sei nicht einzusehen, warum gerade diese spezielle Gruppe «bestraft» werden soll, fügte die grüne Fraktionschefin Esther Guyer (Zürich) an. «Sonst müsste auch für andere Sonderleistungen Geld verlangt werden.»

Auch Marcel Burlet (SP, Regensdorf) sieht nicht ein, weshalb ausgerechnet diese Gruppe mehr zahlen sollte, da ja ohnehin niemand die vollen Transportkosten trage. Und Basel habe bewiesen, dass es durchaus möglich sei, den Nachtzuschlag abzuschaffen.

Geld für Mehr Personalkosten

Nach Ansicht des Regierungsrates hat der Zuschlag durchaus seine Berechtigung. Durch den Betrieb des Nachtnetzes entstünden gegenüber dem regulären Betrieb zusätzliche Kosten. Unter anderem würden mehr Mitarbeitende des Fahrdienstes benötigt, die mit dem Zuschlag bezahlt werden müssten. Es gebe auch zusätzliche Personalkosten für Kontrollen und Fahrzeugreinigung.

Der Fünfliber, der für den Transport in der Nacht bezahlt werden muss, sei verhältnismässig und anerkannt, sagte Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP). Er befürchtet zudem, dass ohne die Kontrollen des Nachtzuschlags weniger Sicherheit in Zügen herrschen würde.

«Sicheres Nachhausekommen ist doch fünf Franken wert», sagte GLP-Sprecher Benno Scherrer (Uster). Sonderleistungen hätten eben einen Sonderpreis. «Was ist schon ein Fünfliber in einem Ausgehbudget?», frage Alex Gantner (FDP, Maur). Schon bei der Einführung des Angebots sei klar gewesen, dass es kostendeckend sein müsse.

Der Zuschlag müsse nicht abgeschafft, sondern eher verdoppelt werden, meinte Michael Welz (EDU, Oberembrach). Auch Ruedi Menzi (SVP, Rüti) findet, es müsse geprüft werden, ob der Zuschlag von fünf Franken noch genüge.