Generationenprojekt
Innovationspark auf Flugplatz Dübendorf erhält 100-Millionen-Schub

Mit gut 100 Millionen Franken wollen Kantons- und Regierungsrat auf dem Flugplatz Dübendorf einen Innovationspark entwickeln. Die Kritiker blieben in der Minderheit.

Matthias Scharrer
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Etwa so soll dereinst der Flugplatz Dübendorf mit dem geplanten Innovationspark (vorne) im Endausbau aussehen.

Etwa so soll dereinst der Flugplatz Dübendorf mit dem geplanten Innovationspark (vorne) im Endausbau aussehen.

Visualisierung: zvg

Für die künftige Nutzung des Flugplatzes Dübendorf werden seit Jahren Pläne gewälzt. Jetzt geht es mit viel Geld um die Konkretisierung: Der Kantonsrat hat am Montag 97 Millionen Franken für die Entwicklung des Innovationsparks Dübendorf und 8 Millionen für die Planung der künftigen fliegerischen Nutzung bewilligt.

Das Geld ist als Anschubfinanzierung gedacht, ein Grossteil davon dient der Erschliessung des Areals. Die Idee ist, dass mit dem Innovationspark schrittweise Räume für Forschung und Start-up-Firmen entstehen. Über 10'000 Arbeitsplätze soll es dort laut Regierungsrat bis 2050 geben. Zudem solle der Flugplatz auch künftig der Fliegerei dienen. Vorgesehen ist ein Forschungs-, Werk- und Testflugplatz, wie Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) sagte.

Kürzungsanträge von Grünen und SVP scheiterten

Kritik an dem Vorhaben kam primär aus den Reihen der Grünen und der SVP, deren Kredit-Kürzungsanträge aber scheiterten. Sie hatten moniert, ein derart starkes finanzielles Engagement sei nicht Aufgabe des Staates. «Innovation kann man nicht staatlich verordnen», sagte Orlando Wyss (SVP, Dübendorf).

«Aber der Staat kann Rahmenbedingungen für Innovation schaffen», entgegnete Baudirektor Martin Neukom (Grüne). Darum gehe es. «Wir investieren in den Wirtschaftsstandort», fügte Volkswirtschaftsdirektorin Walker Späh an.

Kommissionspräsident Markus Bischoff (AL, Zürich) fasste die Eckdaten zusammen: Auf 70 von 230 Hektaren des Flugplatzes Dübendorf soll der Innovationspark entstehen, mit Bauhöhen von bis zu 60 Metern. Es wird mit einem Investitionsvolumen von mehreren hundert Millionen Franken gerechnet. Zum Innovationspark gehören auch drei öffentliche Parks.

Anflug auf den Flugplatz Dübendorf: Noch befinden sich nur wenige Bauten am Rande des Areals.

Anflug auf den Flugplatz Dübendorf: Noch befinden sich nur wenige Bauten am Rande des Areals.

Matthias Scharrer

Sollten die Betreiber in Konkurs gehen, belaufen sich die Kosten des Kantons laut Bischoff auf 109 Millionen Franken. 11,5 Millionen Franken habe der Kanton bereits für das Projekt ausgegeben. Hinter dem Innovationspark steht die Stiftung Innovationspark Zürich, gegründet von ETH, Kanton Zürich und Zürcher Kantonalbank; daran beteiligt sind auch die Universität Zürich, die Städte Dübendorf und Zürich sowie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa).

Breite Mehrheit für den 97-Millionen-Kredit

Nach dem Scheitern der Kürzungsanträge stimmte eine breite Mehrheit dem 97-Millionen-Kredit mit 154 gegen 8 Stimmen zu. Die SVP ist zwar laut ihrem Sprecher Christian Lucek (Dänikon) nicht begeistert vom Projekt Innovationspark. Die eigene Flugpiste, die sowohl zivil als auch militärisch zu nutzen sei, stelle aber einen einmaligen Wettbewerbsvorteil dar.

Die SP zeigte sich überzeugt von der Dreifachnutzung, bestehend aus Innovationspark, ziviler und militärischer Luftfahrt. Europaweit sei nichts Vergleichbares zu finden, sagte Harry Brandenberger (SP, Gossau). Rechne man die geplanten Naturparks hinzu, handle es sich eigentlich um eine Vierfachnutzung.

Die FDP steht ebenfalls hinter dem Vorhaben. «Was lange währt, wird endlich gut», meinte Doris Meier (FDP, Bassersdorf). Schon jetzt werde im Hangar 9 des Flugplatzes an Drohnen geforscht. Es sei zudem wichtig, dass sich der Kanton Zürich an der künftigen fliegerischen Nutzung des Areals beteilige.

Anliegen der Anrainergemeinden aufgegriffen

Cristina Cortellini (GLP, Dietlikon) sprach von einer einmaligen Chance: Das Flugfeld biete sich speziell für Innovationen in den Bereichen Robotik und Mobilität an. Es gelte, Hochschulen und Privatwirtschaft einander näherzubringen. Zum Schutz der lokalen Bevölkerung müsse aber die Anzahl Flugbewegungen begrenzt werden.

Die Grünen tragen einen Grossteil der Ideen für den Innovationspark mit, wie Karin Fehr (Grüne, Uster) sagte. Die damit verbundene Fliegerei sähen sie aber kritisch: Dübendorf dürfe keine Spielwiese für die zivile Aviatik werden. Stattdessen seien Innovationen für die Bewältigung der Klimakrise nötig.

Jean-Philippe Pinto (Mitte, Volketswil) sprach von einem Generationenprojekt von herausragender Bedeutung für den Kanton Zürich. Alle Anliegen der Anrainergemeinden seien aufgegriffen worden. Allerdings brauche es Massnahmen wie die Verlängerung der Glattalbahn nach Volketswil, um den zu erwartenden Mehrverkehr zu bewältigen.

AL: Günstiger Wohnraum soll erhalten bleiben

Auch die EVP sprach sich für den Innovationspark mit Flugplatz aus. Und AL-Sprecher Manuel Sahli (Winterthur) verglich das Projekt mit einer Start-up-Firma, in die der Kanton investiere. Dabei müsse Aviatik nicht im Zentrum stehen. Zudem gelte es, dafür zu sorgen, dass rund um den Innovationspark auch günstiger Wohnraum erhalten bleibe.