Weiterbildung

Kantonsrat fordert mehr Berufsbildung für Erwachsene

Erwachsenenbildungszentrum

Erwachsenenbildungszentrum

Um den Fachkräftemangel zu mildern, soll der Kanton Bildungsangebote für Erwachsene ausbauen, fordert der Zürcher Kantonsrat.

Von den 25- bis 64-Jährigen haben im Kanton Zürich knapp 120 000 Personen nach der obligatorischen Schulzeit keine Ausbildung abgeschlossen, wie dem neusten statistischen Jahrbuch zu entnehmen ist. Und aufgrund der Digitalisierung werde die Zahl der Personen, die neue Berufe erlernen müssen, weiter steigen, sagte Karin Fehr (Grüne, Uster) gestern im Kantonsrat. Doch das Berufsbildungsangebot für Erwachsene sei zu knapp. Das zeige sich auch daran, dass bislang nur vier Prozent der betreffenden Erwachsenen solche Lehrgänge absolvierten. Der Kanton setze darauf, die Abläufe zur Anerkennung von Berufsausbildungen bei Erwachsenen anzupassen. «Das genügt aber nicht. Es braucht weitere Anstrengungen», so Fehr.

Schon 2016 hatte sie zusammen mit Jacqueline Peter (SP, Zürich) und Hanspeter Hugentobler (EVP, Pfäffikon) ein Postulat eingereicht. Es verlangt vom Regierungsrat, das Angebot an erwachsenengerechten Berufsbildungsangeboten auszubauen, «insbesondere für stark nachgefragte Berufe in Branchen mit Fachkräftemangel.» Der Vorstoss fand nun im Parlament eine Mitte-links-Mehrheit.

SVP, FDP und EDU wehrten sich dagegen. «Es ist eine Tatsache, dass Fachkräftemangel herrscht», räumte Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) ein. «Doch dass dies mit staatlichen Angeboten zu ändern ist, glauben wir nicht.» Laut Burtscher würden so vor allem zusätzliche Angebote für Zugewanderte geschaffen, die in ihrer Heimat keine Ausbildung hatten. Dies sei abzulehnen.

Auch Marc Bourgeois (FDP, Zürich) sprach sich gegen Fehrs Vorstoss aus: «In einigen Fällen lockt das schnelle Geld wohl mehr als eine solide Berufsausbildung.» Betroffen seien oft Flüchtlinge. Ohnehin gebe es eher zu viele als zu wenige nächste Chancen im Bildungswesen. Und: Die Berufsbildung solle Sache der Wirtschaft und der Berufsverbände bleiben. «Man muss nicht überall Fördergelder abholen, nur weil man es kann», sagte der FDP-Kantonsrat.

Er spielte damit auf das vom Bund unterstützte Projekt «Nach- und Höherqualifizierung im Rahmen der beruflichen Grundbildungen» an. Es zielt darauf ab, die Verfahren und die Anrechnung von Bildungsleistungen, die zu einem Berufsabschluss führen, möglichst standardisiert auszugestalten, wie der Zürcher Regierungsrat vor drei Jahren in seiner schriftlichen Stellungnahme zu Fehrs Postulat festhielt. Mit der Umsetzung wurde laut Regierungsrat 2017 begonnen.

«Sie rennen offene

Türen ein»

«Sie rennen offene Türen ein», sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) nun im Kantonsrat. Bereits 2018 habe der Kanton die Fachstelle Berufsabschluss für Erwachsene eröffnet. Sie weist den Weg zu Berufslehren, verkürzten Berufslehren, Qualifikationsverfahren für Erwachsene und Validierungsverfahren, mit denen sich Berufserfahrungen anrechnen lassen, wie es in einer Broschüre der kantonalen Bildungsdirektion heisst. «Erwachsene können mit diversen Kursen ihre Lücken schliessen», so Steiner.

SP, Grüne, AL, GLP, EVP und CVP unterstützten Fehrs Postulat trotzdem. «Wenn nur vier Prozent die Angebote nutzen, heisst das vielleicht, dass die Rahmenbedingungen nicht stimmen», meinte Monika Wicki (SP, Zürich). «Das Potenzial älterer Arbeitskräfte wartet nur darauf, ausgeschöpft zu werden», sagte Kathrin Wydler (CVP, Wallisellen). Der Regierungsrat muss nun innert zwei Jahren einen Bericht zum Thema vorlegen.

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