Zürich

Kantonales Projekt führt schon 14-Jährige an Trainerjobs heran

Jugendliche sollen bereits Leitertätigkeiten in Sportvereinen übernehmen können.Sportamt ZÜrich/foto-net

Jugendliche sollen bereits Leitertätigkeiten in Sportvereinen übernehmen können.Sportamt ZÜrich/foto-net

Viele Sportvereine werden von Kindern überrannt. Doch oft fehlen Trainer. Mit dem Projekt «1418coach» geht der Kanton Zürich neue Wege. Die Nachfrage ist bereits gross.

Sportvereine sind mehr als nur ein Angebot, um die Zeit zu vertreiben und sich körperlich zu betätigen. Sie lehren, gemeinsam ein Ziel zu erreichen und Verantwortung zu übernehmen. Und sie leisten wertvolle Integrationsarbeit. Ohne genügend und gut ausgebildete Trainer sind sie dazu aber nicht in der Lage.

Das zeigt sich vor allem in Turnriegen und Fussballclubs, wo der Anteil junger Mitglieder meist besonders gross ist. TV und FC gibt es praktisch in jedem Dorf, der Jahresbeitrag ist zumeist erschwinglich, der Einstieg leicht. Das Problem: Viele Mädchen und Jungen treten in der Adoleszenz wieder aus den Vereinen aus – und damit potenzielle Coaches, die sich um die Jüngsten kümmern könnten.

Manche Vereine setzen deshalb Jugendliche als Hilfsleiterinnen und Hilfsleiter ein; nicht zuletzt in der Hoffnung, sie durch die Verantwortung besser an den Club zu binden. Um sie an diese Aufgabe heranzuführen, waren die Vereine bislang auf sich alleine gestellt. Jugend+Sport-Kurse für Leiterinnen und Leiter sind erst ab 18 Jahren möglich.

Kanton Zürich als Pionier

Mit dem Projekt «1418coach» will das kantonale Sportamt nun diese Lücke schliessen. Es geht dabei einen Weg, der in der Schweiz noch nicht beschritten wurde. Der Pilotversuch hat dieses Jahr begonnen und bezweckt, mit einem Ausbildungsprogramm bereits 14- bis 18-Jährige an die Leitertätigkeit heranzuführen.

Vorerst profitieren die Verbände der Fussballer, Turner und Orientierungsläufer vom Angebot. «Turnverein und Fussball sind typische Einstiegssportarten mit einem hohen Anteil an Kindern – und die Orientierungsläufer sind von sich aus auf uns zugekommen», sagt Stefanie Vögeli, die das Projekt mit einem 50-Prozent-Pensum leitet. «Die Absicht ist, dass jedes Jahr weitere Sportarten hinzukommen.»

«Wir wurden überrannt»

Das erste Ausbildungswochenende Ende Oktober fand grossen Anklang. «Wir wurden überrannt», sagt Stefanie Vögeli. Im Sportzentrum in Filzbach waren 58 Teilnehmerinnen und 49 Teilnehmer am Start, 57 kamen vom Turnen, 40 vom Fussball und 10 vom Orientierungslauf. Alle meisterten die Aufgaben und erhielten zum Kursende von Regierungsrat und Sportminister Mario Fehr (SP) ein Diplom überreicht.

«Mich hat beeindruckt, was die Teilnehmenden bereits drauf hatten und wie sicher sie auftraten», sagt Stefanie Vögeli. Nebst den Trainings hätten den Jugendlichen die Lageratmosphäre und der Austausch mit Gleichaltrigen besonders gut gefallen.

Roman Hangarter, Technischer Leiter beim Fussballverband Region Zürich, bestätigt den positiven Eindruck. «Das Wochenende hat gezeigt, dass die 14- bis 18-Jährigen reif genug sind für solche Trainertätigkeiten.»

Wichtig ist für Stefanie Vögeli, dass die Hilfsleitenden nun auch die Gelegenheit erhalten, in ihren Vereinen stetig mehr Verantwortung übernehmen zu können. «Dazu braucht es klare Kompetenzabsprachen mit den jeweiligen Hauptleitern.»

Pilotphase bis 2018

Aufgrund der grossen Nachfrage für den ersten Lehrgang hat das Sportamt noch Ende November einen zweiten auf die Beine gestellt, diesmal in Winterthur. Die Daten und zugelassenen Sportarten für das kommende Jahr werden im Januar bekannt gegeben.

Der kantonale Sportfonds finanziert das Pilotprojekt für vier Jahre mit insgesamt einer halben Million Franken. In der Pilotphase bis 2018 soll der Bedarf an Leiterausbildungskursen für Jugendliche geklärt werden. Ausserdem dienen die vier Jahre dazu, das Angebot schrittweise aufzubauen, um es sportartenübergreifend etablieren zu können.

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