Konkret geht es um die beiden Lehrwerkstätten an der Baugewerblichen Berufsschule Zürich (BBZ) sowie an der Berufsfachschule Winterthur (BFS). Dort werden momentan in drei Ateliers 45 Lernende zu Schneiderinnen ausgebildet. In der Werkstätte in Zürich-Selnau arbeiten derzeit 44 Schreinerlehrlinge.

Im Gegensatz zur dualen Berufslehre handelt es sich bei den kantonalen Lehrwerkstätten um Vollzeitschulen. Sie sind nach Ansicht des Regierungsrates teuer und der Ausbildungsbedarf kann auch ohne sie abgedeckt werden. Mit der Schliessung per Ende 2019 beziehungsweise 2020 sollen rund 7,8 Millionen Franken eingespart werden.

Mehr Zeit für gute Lösung

Der Kantonsrat sprach sich am Montag für eine Gnadenfrist für die beiden Lehrwerkstätten aus. Sie sollen genügend Zeit erhalten, um eine nachhaltige privatwirtschaftliche Lösung zu finden. Die Verlängerungen um ein Jahr wurden mit einem Stimmenverhältnis von jeweils 166 zu 8 Stimmen gutgeheissen.

Die CVP und eine Vertreterin der SVP waren der Ansicht, die Schulen sollten möglichst rasch geschlossen werden. Quer durch die anderen Fraktionen war man sich aber einig, dass die Ausbildungsstätten mehr Zeit benötigen, um ihre Weiterführung gewährleisten zu können. Ein guter Businessplan zu erarbeiten, brauche Zeit.

SP, AL und Grüne wollten gar nicht auf die Vorlage eintreten. Man dürfen nicht zulassen, dass "hervorragend funktionierende Berufsschulen dem Sparhammer zum Opfer fallen", hiess es von Seiten der Grünen. Der Sparantrag sei jugend- und berufsbildungsfeindlich. Ihr Antrag wurde mit 126 zu 53 Stimmen abgelehnt.

Konsequenzen für Budgetdebatte

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) mahnte den Kantonsrat vor einer Verlängerung des Betriebs der Werkstätten durch den Kanton. "Eine solche bringt im Budget Verschlechterungen von 1,55 Millionen Franken", sagte sie. "Dann erwarte ich von Ihnen entsprechende Konsequenzen in der Budgetdebatte."

Wenn der Kanton solche Werkstätten betreibe, würden falsche Anreize gesetzt und das duale Bildungssystem konkurrenziert. Zudem rechnete Steiner vor, dass der Kanton im dualen System rund 9000 Franken pro Lernendem bezahle - im Gegensatz zu rund 35'000 Franken pro Lernendem an einer Lehrwerkstätte.