Verkehr
Kanton Zürich prüft zwei Brückenvarianten für Umfahrung Eglisau

Der Zürcher Regierungsrat will die Verkehrsprobleme in Eglisau mit einer Brücke lösen. Er hat deshalb entschieden, zwei Brückenvarianten weiterzuverfolgen. Die von Natur- und Heimatschutz sowie Denkmalpflege geforderten Tunnellösungen hat er aus Kostengründen begraben.

Merken
Drucken
Teilen
Die Eglisauer Rheinbrücke

Die Eglisauer Rheinbrücke

www.eglisau.ch

Bei den Brücken handelt es sich um die Variante "Hoch", die direkt im Schatten der bestehenden Eisenbahnbrücke gebaut werden soll. Diese sei mit rund 190 Millionen Franken (+/- 30 Prozent) die kostengünstigste der von der Volkswirtschaftsdirektion im vergangenen Jahr ausgearbeiteten sieben Varianten. Das teilte der Regierungsrat am Dienstag mit.

Zudem prüft er eine weitere, tiefer gelegene Brücke, die sich unmittelbar westlich der Abwasserreinigungsanlage befinden könnte. Bei dieser Variante nahm er einen Hinweis aus dem Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) und der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) auf.

Kommissionen möchten Tunnellösung

Die beiden Kommissionen hatten die von der Volkswirtschaftsdirektion im vergangenen Jahr vorgeschlagenen fünf Brücken- und zwei Tunnelvarianten geprüft. In ihrem Gutachten kamen sie im November 2015 zum Schluss, "dass auch die neuen Varianten einer oberirdischen Rheinquerung als schwerwiegende Beeinträchtigung der Schutzobjekte einzustufen seien".

Bei den geschützten Objekten geht es insbesondere um die Flusslandschaft des Rheins. Bereits im Jahr 2013 scheiterte ein erstes Brücken-Projekt an der ENHK.

Die Kommissionen befürworten einen Tunnel. Die mit einer Umfahrung von Eglisau erzielte Entlastung im historischen Ortskern vermöge die neuen daraus entstehenden Beeinträchtigungen nicht aufzuwiegen. Die Tunnelvarianten lehnt der Regierungsrat aufgrund der hohen Kosten von rund 780 Millionen Franken jedoch ab.

Verträgliche Brückenlösung nicht ausgeschlossen

Die Fachgutachten äussern gemäss Regierungsrat zwar erhebliche Vorbehalte zu den Brückenvarianten, "schliessen eine verträgliche Lösung indes nicht kategorisch aus". Eine Brücke kann nur dann gebaut werden, wenn die betroffenen Schutzobjekte grösstmöglich geschont werden.

Der Regierungsrat muss daher einen Spagat vollführen: Einerseits muss die Schwere des Eingriffs in Bezug auf die Schutzziele so stark wie möglich reduziert werden. Andererseits gilt es, einen möglichst hohen Nutzen für den Verkehr zu erzielen - bei verhältnismässigen Kosten notabene.

Er hat der Volkswirtschaftsdirektion den Auftrag erteilt, die zwei Brücken-Varianten weiter zu bearbeiten. Das Ergebnis der Abklärungen werde den beiden Fachkommissionen voraussichtlich erneut vorgelegt, bevor der Regierungsrat "nach einer umfassenden Interessenabwägung" über das weitere Vorgehen entscheide.

Lichtsignale als vorübergehende Verbesserung

Um die Ortsdurchfahrt Eglisau kurz- bis mittelfristig zu verbessern, wurde parallel zu den Umfahrungsvarianten ein Betriebs- und Gestaltungskonzept ausgearbeitet. Zwei Lichtsignale sollen den Verkehrfluss und die Sicherheit für die Fussgänger erhöhen. Die Umsetzung des Konzepts solle nun möglichst rasch erfolgen, heisst es weiter.

Eglisau leidet seit Jahren unter einer Verkehrslawine. Täglich überqueren mehr als 22'000 Fahrzeuge die historische Rheinbrücke. Davon sind rund zehn Prozent Lastwagen. Besonders zu Spitzenzeiten kommt es so täglich zu Staus.