Verknappung Kontingente
Kanton Zürich braucht mehr ausländische Fachkräfte

Die Zürcher Wirtschaft hat den "Frankenschock" mit einem blauen Auge überstanden, wie Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) am Freitag vor den Medien sagte. Einschneidende Auswirkungen auf Zürich habe jedoch die bewusste Verknappung der Kontingente für Arbeitskräfte aus Drittstaaten.

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Innovative Firmen mit hohen Beiträgen an Forschung und Entwicklung müssen zeitgerecht ausreichen Arbeitskräfte rekrutieren können.

Innovative Firmen mit hohen Beiträgen an Forschung und Entwicklung müssen zeitgerecht ausreichen Arbeitskräfte rekrutieren können.

Die Frankenaufwertung vor anderthalb Jahre hat die Zürcher Wirtschaft weniger stark getroffen als andere Regionen der Schweiz. Die von einigen vorausgesagte Rezession ist ausgeblieben. Ende 2015 wurde noch ein Wirtschaftswachstum von 1 Prozent für das Jahr 2016 prognostiziert, aktuell wird mit 1,5 Prozent gerechnet.

Trotz Frankenschock hat die Beschäftigung insgesamt zugenommen. In der Grossregion Zürich ist es nach dem Tessin die zweithöchste Zunahme. Die Arbeitslosenquote im Kanton Zürich lag allerdings im Juni mit 3,5 Prozent über dem gesamtschweizerischen Durchschnitt (3,1 Prozent).

Tourismus läuft überdurchschnittlich gut

Positive Nachrichten für die aktuelle Wirtschaftslage im Kanton Zürich gibt es laut Walker Späh überraschender Weise aus der Hotellerie. Der Tourismus läuft in Zürich - wie auch in anderen Städten - überdurchschnittlich gut.

Seit Anfang Jahr habe er einen neuen Elan erhalten. Die Zahl der Logiernächte nahm in den ersten drei Monaten im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 1,7 Prozent zu. In der gesamten Schweiz gab es einen Rückgang von 0,7 Prozent.

"Ungebrochen anforderungsreich" ist die Situation laut Walker Späh für die Industrie. Doch auch hier gebe es "einen kleinen Silberstreifen am Horizont". Vor allem Unternehmen des Maschinen- und Fahrzeugbaus vermeldeten eine Zunahme des Bestellungseingangs.

Ausgezahlt hat sich gemäss der Volkswirtschaftsdirektorin, dass die Zürcher Wirtschaftsstruktur in den letzten Jahren diversifiziert worden ist. Die aufstrebenden Bereiche wie Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) oder Life Sciences sorgten dafür, dass die Zürcher Volkswirtschaft Krisen besser überstehen könne und Arbeitsplätze gesichert würden.

Auf Fachkräfte aus Drittstaaten angewiesen

Damit Zürich auch in Zukunft seine Funktion als attraktiver Wirtschaftsstandort wahrnehmen könne, seien viele Unternehmen - und die Hochschulen - auf qualifizierte Fachkräfte aus sogenannten Drittstaaten ausserhalb der EU angewiesen.

Namentlich innovative Firmen mit hohen Beiträgen an Forschung und Entwicklung müssten zeitgerecht ausreichend Arbeitskräfte rekrutieren können. "Wir brauchen die besten Leute aus der ganzen Welt", sagte Walker Späh.

Die Verknappung der Drittstaatenkontingente führe zu einer Behinderung im internationalen Wettbewerb und damit zu einem Standortnachteil.

Der Bund habe die Drittstaatenkontingente für die ganze Schweiz in den letzten Jahren um 20 bis 30 Prozent gekürzt. In diesem Jahr sind laut Walter Späh die Kantonskontingente bereits Ende April aufgebracht gewesen. Seither könnten zwar beim Bund noch Bewilligung beantragt werden, doch würden nicht alle bewilligt.

Für die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin gibt es keinen Grund, im Hinblick auf die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative die Drittstaatenkontingente zu senken. Erstens stehe im Initiativtext, die gesamtwirtschaftlichen Interessen müssten gewahrt werden. Und zweitens bleibe der Inländervorrang bei den Arbeitsbewilligungen für Leute aus Drittstaaten gewährleistet.

Bei Modellen zur Steuerung der Zuwanderung sollten nicht ganze Branchen mit hoher Arbeitslosigkeit berücksichtigt werden, sondern einzelne Berufsgruppen, sagte Bruno Sauter, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Im Gesundheitswesen gebe es beispielsweise diverse Berufe mit Fachkräftemangel, aber auch solche ohne Mangelsituation.