Die Zürcher Staatsanwaltschaft führt gegen eine eigene Staatsanwältin ein Verfahren wegen des Verdachts auf Nötigung, Amtsmissbrauch und Begünstigung. Wie die "NZZ am Sonntag" schreibt, steht die Staatsanwältin im Verdacht, einen Belastungszeugen in einem Drogenfall mit der Androhung einer schärferen Bestrafung zu einer falschen Aussage genötigt zu haben.

Der verurteilte Drogenhändler sollte eine Zürcher Treuhänderin belasten. Nach erfolgter Einvernahme soll die Staatsanwältin dem Belastungszeugen Zugriff auf Teile seines Vermögens gewährt haben. Zudem sei er rasch in Halbgefangenschaft versetzt worden. Die Ermächtigung zur Strafuntersuchung gegen die Staatsanwältin hatte das Zürcher Obergericht erteilt.

Die Treuhänderin war zunächst vom Bezirksgericht Bülach aufgrund der belastenden Angaben des Drogenhändlers unter anderem wegen Geldwäscherei und Diebstahl verurteilt worden. Ihre Berufung wurde nun vom Obergericht sistiert, bis die Rolle der Staatsanwältin in ihrem Verfahren aufgeklärt ist.

Eine Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage der "NZZ am Sonntag" das pendente Verfahren gegen die Staatsanwältin. Diese sei allerdings weiterhin im Amt, da die Oberstaatsanwaltschaft keinen Grund für eine Suspendierung gesehen habe. Für die Staatsanwältin gelte die Unschuldsvermutung.