Auch Fachärzte müssen im Kanton Zürich die Mindestfallzahl-Vorgaben erfüllen. Das heisst, sie müssen eine bestimmte Zahl an vorgegebenen Operationen pro Jahr vorweisen können. Dieses Gesetz wird nach einer einjährigen Einführungszeit per 1. Januar 2019 wirksam, wie die Regierung gestern in einer Mitteilung schreibt.

Eine Namensliste der Operateure, welche die Mindestfallzahlen erfüllen, ist bereits heute auf der Website der kantonalen Gesundheitsdirektion einsehbar. «Damit die Spitäler und Operateure sich vorbereiten können», sagt Daniel Winter, Sprecher der Gesundheitsdirektion. Da noch verspätet eingegangene Anträge von Ärzten hängig seien, werde die Liste in den kommenden Wochen aktualisiert.

Ziel der Einführung von Mindestfallzahlen bei Operationen in sechs Leistungsbereichen ist laut Regierungsrat, «Gelegenheitseingriffe» zu verhindern. Wie der Gesundheitsdirektionssprecher sagt, soll die Liste sicherstellen, dass nur zugelassene Operateure Eingriffe vornehmen und für Patienten Transparenz darüber herrsche, wer die kantonalen Qualitätsanforderungen erfülle.

So gelten die Mindestfallzahlen für die Ärztinnen und Ärzte in sechs vom Regierungsrat definierten Leistungsgruppen. Diese Vorgaben erfüllen 55 Ärzte für eine Erstprothese an der Hüfte, 50 sind es bei der Erstprothese am Knie. 46 sind es für eine Wechselprothese-Operation an Hüfte und Knie. 28 Ärzte sind auf der Liste für ein anerkanntes, zertifiziertes Brustzentrum, während die Vorgaben für die Entfernung von gynäkologischen Tumoren 10 Ärzte erfüllen. 27 Fachkräfte haben sich in der Leistungsgruppe «radikale Prostatektomie» qualifiziert.

Gewisse Namen tauchen in mehreren Leistungsgruppen auf. Auch das Spital Limmattal in Schlieren ist mit verschiedenen Namen auf der Liste vertreten: «In den Bereichen, in denen wir einen kantonalen Leistungsauftrag angestrebt haben, haben wir diesen auch erreicht», sagt Spitaldirektor Thomas Brack auf Anfrage. Namentlich geht es um die sechs vom Regierungsrat festgelegten Leistungsgruppen. Im Rahmen eines kantonalen Pilotprojektes wird zwischen Januar 2019 und Dezember 2021 im Spital Limmattal zudem ein integriertes Versorgungsmodell in Zusammenarbeit mit der Reha-Clinic Zürich AG für Schlaganfallbehandlungen getestet.

Kein Gesetz für Namensliste?

Dass die Publikation einer Namensliste heikel sein könnte, dementiert Winter: «Die Publikation der Liste wurde gegenüber der Gesundheitsdirektion von keiner Seite in Frage gestellt.» Im Regierungsratsbeschluss zur Einführung der Mindestfallzahlen für Operateurinnen und Operateure vom 23. August 2017 jedoch steht geschrieben: «Von den Kritikern wird hauptsächlich geltend gemacht, dass es dazu an einer gesetzlichen Grundlage fehle.»

Weil der kantonale Datenschutzbeauftragte, Bruno Baeriswyl, von der Gesundheitsdirektion nicht zu einer Stellungnahme eingeladen wurde, kann er derzeit keine datenschutzrechtliche Beurteilung der veröffentlichten Namensliste vornehmen, wie er auf Anfrage mitteilt.

Dass Patienten eine Behandlung nun tatsächlich von der publizierten Ärzteliste abhängig machen, glaubt Brack nicht. Mindestfallzahlen pro Operateur aber würden grundsätzlich falsche Anreize setzen: «Bald werden Operateure von den Spitälern wie Fussballer gehandelt», sagt Brack. Deshalb sollte man Mindestfallzahlen dort anwenden, wo sie Sinn machen würden: «Bei Institutionen, die hoch spezialisierte Medizin anbieten», so Brack.

Laut dem Spitaldirektor werde mit der Mindestfallzahl-Vorgabe der Grund für einen erfolgreichen Eingriff verkannt: «Viele verschiedene Spezialisten haben Einfluss darauf, wie eine Behandlung verläuft. Dies betrifft auch die Betreuung vor, während und nach einer Operation.»

Dass Mindestfallzahlen für operierende Ärzte eingeführt wurden, begründet der Regierungsrat mit dem seit 2012 geltenden System. Damals hat der Kanton als erster in der Schweiz die Mindestfallzahlen für 30 verschiedene stationäre Eingriffe pro Spital eingeführt.

Die Qualitätsanforderungen hätten sich bewährt: «So sank die Mortalität zwischen 2012 und 2015 bei Behandlungen mit Mindestfallzahlen mehr als doppelt so stark», schreibt der Regierungsrat. Und weiter: «Die Fallkosten stiegen bei Behandlungen mit Mindestfallzahlen rund dreimal weniger stark.»