Gleichberechtigung
Kanton soll eigene Löhne prüfen

Bei einer Studie zur Lohndiskriminierung klammerte die Verwaltung ihre eigenen Angestellten aus – eine erneute Enttäuschung für die grüne Kantonsrätin Kathy Steiner.

Florian Niedermann
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Gleichberechtigungsbeauftragte Helena Trachsel sagt, sie habe in fünf Jahren noch keinen Hinweis auf Lohndiskriminierung erhalten. Sabina Bobst/zvg

Gleichberechtigungsbeauftragte Helena Trachsel sagt, sie habe in fünf Jahren noch keinen Hinweis auf Lohndiskriminierung erhalten. Sabina Bobst/zvg

Sabina Bobst/zvg

Kantonsrätin Kathy Steiner (Grüne, Zürich) ist enttäuscht von der Lohnstudie, die der Regierungsrat am Dienstag präsentiert hat. Der Grund: Die Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann konnte darin zwar nachweisen, dass in der Privatwirtschaft gerade zwischen Männern und Müttern teils grosse Lohnunterschiede bestehen – Angestellte der öffentlichen Hand klammert die Studie aber aus. Damit will Steiner sich nicht zufriedengeben: «Die Verwaltung ist eine der grössten Arbeitgeberinnen im Kanton. Sie sollte eine Vorbildfunktion übernehmen und mögliche Lohnungleichheiten transparent machen.»

Bereits im Januar wollten Steiner und ihre Ratskollegin Michèle Dünki (SP, Glattfelden) mit einer Anfrage an den Regierungsrat Zahlen zur Lohngleichheit bei der Kantonsverwaltung in Erfahrung bringen. So wollten sie etwa wissen, wie hoch der Prozentsatz jenes Lohnunterschieds zwischen Frauen und Männern sei, der nicht durch Faktoren wie Dienstjahre und Alter erklärt werden kann.

Die Regierung lieferte jedoch keine Zahlen, sondern verwies lediglich darauf, dass das standardisierte Lohnklassierungssystem der Kantonsverwaltung die Gleichbehandlung von Frau und Mann gewährleiste. Dabei steht der Lohn für eine Stelle schon im vornherein zu grossen Teilen fest und wird nicht bei einem Anstellungsgespräch ausgehandelt. Je nach den Anforderungen, die eine bestimmte Funktion an die Arbeitnehmer stellt, wird die Stelle in eine Lohnklasse eingeteilt. Innerhalb dieser Klasse gibt es jedoch auch mehrere Lohnstufen, die abhängig sind von individuellen Voraussetzungen wie Arbeitserfahrung und Fähigkeiten der Bewerberinnen und Bewerber sowie deren Eignung für den Job.

Lohnklassen reichen nicht aus

Steiner glaubt allerdings nicht, dass mit diesem standardisierten Klassierungssystem Lohndiskriminierung bei der Kantonsverwaltung ausgeschlossen werden kann. Sie verweist auf eine Studie des Bundesamts für Statistik und des eidgenössischen Gleichstellungsbüros von vergangenem März. Diese kam zum Schluss, dass Lohndiskriminierung auf allen Ebenen der Verwaltung feststellbar ist – wenn auch weit weniger ausgeprägt als in der Privatwirtschaft. «Das beweist doch, dass es auch bei der öffentlichen Hand unerklärbare Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Und dies trotz Lohnklassen-Systemen», so Steiner. Mit Michèle Dünki will sie nun beraten, ob mit einem Postulat doch noch entsprechende Zahlen eingefordert werden sollen.

Daten liegen seit 1998 vor

Dass der Kanton, der mit rund 34 000 Angestellten einer der fünf grössten Arbeitgeber der Schweiz ist, diese nicht bereits geliefert hat, erstaunt. Umso mehr, als bereits seit 1998 Lohnangaben über die kantonalen Verwaltungen und Betriebe vorliegen. Helena Trachsel, die Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Zürich, sagt jedoch, eine Lohnstudie wäre für die Verwaltung im Vergleich zur Privatwirtschaft weit schwieriger zu erarbeiten: «Die Lohnklassen der einzelnen Direktionen unterscheiden sich teils stark. Dazu haben wir überdurchschnittlich viele Teilzeitangestellte. Das macht einen Vergleich sehr komplex.»

Trachsel betont aber auch, die Lohnsysteme beim Kanton seien sehr transparent und Vergleichstabellen für alle Angestellten einsehbar. «Ausserdem habe ich in den fünf Jahren als Gleichstellungsbeauftragte noch keinen Hinweis auf eine geschlechterbedingte Diskriminierung erhalten», sagt sie. Dennoch könnte sich Trachsel vorstellen, bei einzelnen Direktionen als Pilotprojekte eine Lohnüberprüfung vorzunehmen. Sie findet, dass der Kanton bei diesem Thema eine Vorbildfunktion habe und daher am Ball bleiben müsse.