Marcel Frizzoni-Casals ist sich bewusst, dass er spät dran ist. Schliesslich ist der Spatenstich für den Kunsthaus-Erweiterungsbau im August gefallen. Er hat seiner Initiative denn auch den Titel «Feuerwehrübung Denkmalschutz» gegeben. Das Schreiben ging ans Kunsthaus, die Zürcher Stadt- und Gemeinderäte sowie weitere Politiker. Frizzoni-Casals Idee: Zumindest eine der zwei Turnhallen, die dem Neubau von Architekt David Chipperfield im Weg stehen, soll teils erhalten werden. Und zwar wäre es die näher zum Central gelegene und von ihr nur die Fassade plus fünf Meter vom Raum dahinter.

Besagte Turnhalle ist mit Baujahr 1880 der älteste Bau am Heimplatz, hält Frizzoni-Casals fest. Sie und die zweite Halle waren im Hinblick auf die Kunsthaus-Erweiterung aus dem Schutzinventar entlassen worden. Der Heimatschutz hatte auf eine Beschwerde verzichtet. Prozessiert hat dafür die Stiftung Archicultura. Sie ist nicht durchgedrungen. Momentan wird der Baugrund vorbereitet. Der Abriss der Hallen soll nächstens erfolgen.

Gegen Alles-oder-nichts

Frizzoni-Casals stellt sich als Spross einer berühmten Musikerfamilie, als Kunstschaffender und Dokumentalist vor. Er war auch tätig für den Heimatschutz der Stadt Zürich und hat sich unter anderem für den Erhalt einiger älterer Gebäudeteile in der Überbauung Sihlbogen in Zürich eingesetzt – allerdings ohne Erfolg. Auch dort ging es nicht um das Verhindern neuer Bauten, sondern um den Einbezug von Teilen der Altbauen als Erinnerung. Frizzoni-Casals sprich von «Fragmenten». Die heutige Alles-oder-nichts-Philosophie im Denkmalschutz sei nicht immer zielführend, sagt er. Was seine Idee für das Kunsthaus angeht, betont er, dass der Neubau ja nicht behindern würde. Zu diesem würden fünf Meter Abstand bestehen.

Auf Wohlwollen stösst die Idee bei Martin Killias, neuer Präsident des kantonalen Heimatschutzes. Auch ihm ist bewusst, dass die Initiative etwas spät kommt. Doch er sagt: «Das heisst es immer im Denkmalschutz: Warum seid Ihr nicht früher gekommen.» In China habe er schon erlebt, dass auf Druck hin das Regime punkto Denkmalschutz sehr flexibel reagiert habe. Es werde interessant sein zu sehen, ob man so etwas auch in Zürich erleben dürfe. Kunsthaus und Stadt reagieren wenig begeistert. Matthias Wyssmann vom Hochbaudepartement weist darauf hin, dass in der Volksabstimmung und im planungsrechtlichen Prozess die Halle nicht vorkam. Somit habe man sich daran auch zu halten.