Mit dabei sind von der linken Gemeinderätin über die Präsidentin des Gewerbeverbandes bis zu Eigentümern sympathischer KMU. Unter der Führung von Publizistin Esther Girsberger kämpft die Truppe für den Erhalt des Zürcher Warenhauses in der Zürcher City.

Im Januar lief der Mietvertrag ab

Dass das neben Globus, Jelmoli und Coop City vierte Warenhaus an der Bahnhofstrasse überhaupt noch geöffnet hat, ist einem laufenden Verfahren vor Mietgericht geschuldet. Denn im Januar 2014 lief nach 30 Jahren der Mietvertrag ab. Die Besitzerin Swiss Life hat andere Pläne für das Gebäude. Sie will die oberen Stockwerke zu Büros umbauen und die unteren als Ladenlokale vermieten.

Manor pocht darauf, dass dem Warenhaus gemäss Mietvertrag eine Verlängerung um fünf Jahre zusteht. Allerdings zu neu auszuhandelnden Bedingungen, wie Manor-Direktor Vitus Barmettler einräumte. Für Swiss Life bedeutete dies offenbar, dass die Miete auf ortsübliches Niveau angehoben werden kann: 19 statt 6,5 Millionen Franken pro Jahr soll die Versicherung verlangt haben. Mieterin Manor hingegen bezeichnet das Angebot als «Pro-forma-Offerte» und beschritt den Rechtsweg. «Für ein Warenhaus ist der dreifache Mietzins unerschwinglich», sagte Barmettler. Und im Mietvertrag sei die Nutzung als Warenhaus eben vorgegeben.

Kein Wunder also, greift die in Basel ansässige Kette zu weiteren Waffen. Mithilfe einer Zürcher PR-Agentur und der neu gegründeten «Interessengemeinschaft Manor Bahnhofstrasse» soll Druck auf die Besitzerin ausgeübt werden, damit diese einen tieferen Mietzins akzeptiert. Die dafür nötigen Facebook-Seiten und Twitter-Profile sind bereits aktiv. Die IG hofft offenbar, dass sich die Hauseigentümerin dadurch bewegen lässt, eine tiefere Miete zu akzeptieren.

Etwas abenteuerlich wirkt auf den ersten Blick die zweite Schiene, die das Komitee fährt: Die IG hat bei zwei Experten Gutachten in Auftrag gegeben. Beide kommen zum Schluss, dass nicht nur das Gebäude entlang der Bahnhofstrasse schützenswert sei, sondern auch seine Funktion als Warenhaus. Diese Haltung zielt gegen die Umbaupläne von Swiss Life.

Einer der Gutachter, der Winterthurer Historiker Hans-Peter Bärtschi, nannte explizit die Möglichkeit des behördlichen Schutzes von Nutzungselementen. Das würde bedeuten, dass die Liegenschaft einzig als Warenhaus genutzt werden kann. Exemplarisch nannte Bärtschi etwa das Café Odéon, in dem eine entsprechende Nutzung vorgeschrieben sei. Das Beispiel taugt allerdings nur beschränkt, da zwei Drittel der Fläche des ehemaligen Grand Cafés von einer Apotheke belegt werden.

«Keine Subventionierung»

Swiss Life ihrerseits nahm gestern Stellung zum Disput mit ihrer Mieterin Manor. Die Versicherung arbeite «langfristig und zu marktüblichen Konditionen», schreibt sie. Erträge aus Vermietungen ihrer Liegenschaften kämen der Vorsorge ihrer Kunden zugute. «Nicht zu unserer Verantwortung gehört es, Unternehmen mit günstigen Mieten zu subventionieren.» Manor sei eine gewinnorientierte Firma mit einer starken Unternehmensgruppe im Rücken.

Mit der Ankündigung, man werde alle nötigen gerichtlichen Instanzen bemühen, spielt Manor offenbar auf Zeit. Unlängst steckte das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag in den Umbau, obwohl es wusste, dass der Mietvertrag ausläuft. Auf die Frage nach dem Sinn einer solchen Investition wich Warenhaus-Direktor Barmettler aus. Für ihn sei klar, das Warenhaus bleibe, wo es sei. Ein Plan B existiere nicht.