Fall Flaach
Justizdirektion lehnt Verantwortung am Tod von Natalie K. ab

Nach Bekanntwerden des Todes der 27-Jährigen hatten Angehörige schwere Vorwürfe gegen die zuständigen Behörden erhoben. Nun nimmt das Amt für Justizvollzug Stellung zu den in den letzten Tagen entstandenen Vorwürfen.

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Der Brief von Natalie K. an ihre Eltern.

Der Brief von Natalie K. an ihre Eltern.

Tele Züri

Natalie K., die am Neujahrstag ihre beiden Kinder getötet hatte, hatte ich am vergangenen Freitag in ihrer Zelle das Leben genommen.

Gemäss dem Communiqué der Justizdirektion war Natalie K. aus der geschlossenen psychiatrischen Klinik, in die sie nach der Tat gebracht worden war, Ende April entlassen worden. Dies nach einer Einschätzung der behandelnden Ärzte.

„Für Klinikplatzierungen von Häftlingen gibt es nur wenige geeignete Plätze, so dass die Unterbringung in solchen Fällen nur für die Dauer einer akuten Krise möglich ist.“ Ende April wurde die junge Mutter dann zum weiteren Vollzug der Untersuchungshaft in Zürcher Gefängnis verlegt.

Unmittelbar nach dem Übertritt in das Untersuchungsgefängnis Ende April 2015 habe es zwei Zwischenfälle gegeben, die als Vorbereitungshandlungen für einen Suizidversuch gewertet werden können. Gemäss der Mitteilung der Justizdirektion war dies unmittelbar nach ihrem Übertritt in die U-Haft Ende April. Die Gefängnisleitung hat darauf reagiert - die Frau wurde in einer Sicherheitszelle verlegt. „Dieses für einen Insassen sehr freiheitseinschränkende Setting wurde nach kurzer Zeit wieder aufgelöst“, heisst es in der Mitteilung. Und dies, weil „keine konkreten Hinweise auf eine akute Suizidgefährdung vorlagen“.

Gefangene hat um Einzelzelle ersucht

Im Zürcher Untersuchungsgefängnis gibt es Einer-, Zweier- und Dreierzellen. Die junge Mutter wurde dann einer Mehrpersonenzelle zugeteilt. Sie selber hat um Einerzelle ersucht. „Bei Frau K. entschied sich die Gefängnisleitung nach Rücksprache mit den behandelnden Psychiatern, sie zur besseren Überwachung einer Mehrpersonenzelle zuzuteilen.“ Nach einer zweimonatigen Beobachtungszeit und einer erneuten Beurteilung wurde ihrem Ersuchen stattgegeben und sie in einer Einerzelle untergebracht.

Die Justizdirektion macht zwar keine konkreten Zeitangaben: Doch angesichts des zeitlichen Ablaufs dürfte K. damit noch nicht seit langer Zeit alleine in einer Zelle gewesen sein, als sie sich am vergangenen Freitag das Leben nahm.

In der Medienmitteilung wird betont, dass die Gefängnisleitung Briefe, die von Gefängnisinsassen versendet werden, nicht durchliest. Die Briefe würden zur Kontrolle der Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Falls die Staatsanwaltschaft auf Grund von Hinweisen aus kontrollierten Briefen die Gefängnisleitung auf eine allfällige Suizidgefahr aufmerksam mache, so träfe die Gefängnisleitung die entsprechenden Massnahmen.

Die Stellungnahme enthielt keine Informationen darüber, ob die Staatsanwaltschaft beim Lesen der Briefe auf einen geplanten Suizid schloss. Auch über den Inhalt des in der Zelle gefundenen Abschiedsbriefs sagt die Medienmitteilung nichts.

Die Eltern und der Mann von K. hatten in den vergangenen Tagen den Medien aktuelle Briefe zugespielt, in denen die junge Mutter darauf hingewiesen hatte, dass sie „das nächste Tief nicht überleben“ werde.

Witwer zeigt alle Beteiligten an

Der Witwer der Verstorbenen und Vater der getöteten Kinder hat nach der Selbsttötung seiner Frau eine Anzeige eingereicht. Sie richtet sich gegen die gesamte Justizdirektion, die zuständige Staatsanwältin, die Pflichtverteidigerin, den Psychiater und weitere in den Fall involvierte Personen.

Sie alle werden der "Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord" bezichtigt. Die Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft, Corine Bouvard, bestätigte eine entsprechende Meldung des "Blick". Das Schweizerische Strafgesetzbuch sieht für diesen Straftatbestand Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen vor.

Die Anwältin, welche die Frau als Pflichtverteidigerin vertrat, gab auf Anfrage keinerlei Auskunft, da sie ans Anwaltsgeheimnis gebunden sei. Anfang Jahr, also gleich nach der Tötung der Kinder, habe ihre Mandantin sie ausdrücklich von dieser Schweigepflicht entbunden. Sie habe den Konflikt mit der KESB publik machen wollen. In Bezug auf das Strafverfahren sei dies aber nicht der Fall.

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