Zürich
Juso-Politikerin Nina Hüsser: «Ich will etwas verändern»

Die Zürcher Juso-Politikerin Nina Hüsser ist Mitorganisatorin des ersten Lila-Queer-Festivals.

Daniel Diriwächter
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Nina Hüsser macht sich auf den Weg an das Lila-Queer-Festival in Wittnau.

Nina Hüsser macht sich auf den Weg an das Lila-Queer-Festival in Wittnau.

Daniel Diriwächter

Nina Hüsser ist auf Trab. Die Co-Präsidentin der Juso Kanton Zürich ist seit Kurzem im Rennen für die Stadtratswahlen 2018 in Zürich. Vorerst nimmt die 22-Jährige aber Reissaus aus der City: An diesem Wochenende ist sie als Mitorganisatorin des ersten Lila-Queer-Festivals im aargauischen Wittnau im Einsatz. «Wir wollen am Festival die LGBT-Kunst sichtbar machen», sagt sie. Mir «Wir» ist die Milchjugend gemeint, eine Jugendorganisation für lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Jugendliche – kurz LGBT –, der Hüsser sehr verbunden ist.

Am Festival stehen Konzerte, Lesungen und Performances auf dem Programm. «Die Milchjugend will bis Sonntag einen zauberhaften Ort schaffen und führt den Anlass zum ersten Mal durch, deswegen geben wir alles.» 70 Jugendliche haben das Festival unter der Leitung von Hüsser gemeinsam geplant und organisiert, 50 Franken beträgt der Eintritt für das Wochenende; rund 250 Tickets wurden schon verkauft. «Ich bin zuversichtlich, dass das Wochenende ein Erfolg wird», sagt sie optimistisch. Alle Jungen und Junggebliebenen seien herzlich willkommen. Schon allein das idyllische Festivalgelände in Wittnau sei eine kleine Reise wert.

Unbequem, wenn es sein muss

Das Feld, auf dem das Festival stattfindet, wird Hüsser bald wieder für das glatte Parkett der Politik zurücklassen. Dabei stammt die Zürcher Oberländerin aus einer eher unpolitischen Familie – prägend waren die Erfahrungen dennoch: «Meine Mutter arbeitet in einem Wohnheim für behinderte Menschen und Ende der 1990er Jahre flog die Wohngruppe mit allen Betreuern nach Spanien in die Ferien – ich wurde kurzerhand mitgenommen», erinnert Hüsser sich. Heute sei ein solches Unterfangen völlig undenkbar und die Arbeitsbedingungen in der Pflege teils prekär, sagt sie. «Dabei wäre das Geld da – es ist nur ungerecht verteilt. Als ich das realisiert habe, ging ich in die Politik, denn ich will etwas verändern.»

Die Milchjugend ist lila

Die Milchjugend ist die grösste Jugendorganisation für lesbische, schwule, bi, transgender und asexuelle Jugendliche sowie für alle dazwischen und ausserhalb. Noch bis Sonntag findet deren erstes Lila-Queer-Festival statt, das internationale Künstler, wilde Performances und interessierte Gäste in Wittnau im Kanton Aargau vereint. Die dortige Gemeinderätin und Grossrätin der Grünen, Gertrud Häseli, hat der Milchjugend den Standort vermittelt. Das Festival wird ausschliesslich von Jugendlichen organisiert. (ddi)

Mit 18 Jahren trat sie der Juso Kanton Zürich bei, heute steht sie ihr zusammen mit Luca Dahinden vor. Beide scheuen weder Schlagzeilen noch Konfrontation: «Wir sind unbequem, wenn es sein muss, und laut, wenn uns etwas nicht passt», so Hüsser. Als die Juso der Stadt Zürich sie anfragte, ob sie für die Stadtratswahlen 2018 kandidieren möchte, sagte sie nach reiflicher Überlegung zu. Jetzt ist sie die erste Person in der Geschichte der Juso, die sich für dieses Amt zur Wahl stellt.

Ein rauer Wind

Auch wenn ihr wenige Chancen eingeräumt werden, freut sie sich auf den Wahlkampf. «Wir haben spannende Aktionen geplant und können so auf unsere Themen aufmerksam machen.» Themen wie die Frauenrechte, die ganz einfach Menschenrechte seien, so Hüsser. Obwohl rechtlich für Frauen viel erreicht wurde, dürfte es in vielen Köpfen noch eine Weile dauern, bis die klassischen Rollenbilder ausradiert sind, sagt sie. «Es gibt nicht die eine Massnahme, die zum gesellschaftlichen Wandel führt. Wir müssen an verschiedenen Fronten kämpfen, aber die Frauenquote kann viel bewirken.»

Ihr sei durchaus bewusst, dass für Frauen in der Politik ein rauer Wind wehe. «Ich bin trotzdem oft erstaunt, wie geschlechtsspezifisch die Angriffe sind.» Unerschrockene Kolleginnen wie Tamara Funiciello, JUSO-Präsidentin, oder auch die ehemalige Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin bewundert sie daher sehr.

Einsetzen will sich Hüsser auch für junge Menschen. «Das Klischee des passiven, desinteressierten Jugendlichen ist falsch, denn ich erlebe viele engagierte junge Leute in meinem Umfeld.» Wie etwa beim Lila-Queer-Festival. Das sei vielversprechend und verschaffe neue Möglichkeiten und Perspektiven.

«Derzeit bestimmt eine kleine Gruppe von meist älteren, privilegierten Menschen unsere Zukunft, das können wir ändern.» Zudem müsse das Verständnis für Demokratie weiter gedacht werden. «Nur ein Beispiel: Warum sollen Schülerinnen und Schüler nicht 50 Prozent der Stimmen am Lehrerkonvent haben?»

Keine Frage, Hüsser will mitreden. Und das bald mit einem Bachelor der Psychologie in der Tasche; nur noch eine Prüfung wartet an der Universität Freiburg auf sie. Danach wird sie auf den Wahlkampfzug aufspringen.