Zürich

Jus-Studentin blitzt ab: Gericht sagt Nein zu höherer Note

Vor Gericht abgeblitzt: Ex-Jusstudentin muss mit schlechter Note leben.

Vor Gericht abgeblitzt: Ex-Jusstudentin muss mit schlechter Note leben.

Eine Ex-Studentin versucht vergeblich, auf juristischem Weg ihr Zeugnis zu verbessern. Die Frau, die inzwischen Juristin ist, stiess mit ihrem Ansinnen vor Gericht aber auf Granit. Die Note bleibt schlecht, dazu kommen jetzt noch Kosten.

Mancher Schüler träumt davon, im Anschluss an eine schlecht benotete Arbeit das Dokument seinem Lehrer vor die Füsse zu knallen, mit den Worten: «Das hat ein Nachspiel, wir sehen uns vor Gericht!» Gelegentlich kommt dies sogar vor, in der Regel allerdings eher bei den höheren Semestern. Ende letzten Jahres hatte sich das Zürcher Verwaltungsgericht mit einem derartigen Fall zu befassen. Es ging um eine ehemalige Studentin der Rechtswissenschaften an der Uni Zürich und ihre Masterarbeit.

Die Frau reichte am 30. September 2010 die abgefasste Arbeit bei ihrem Professor ein, doch dieser wies sie aufgrund «formeller und inhaltlicher Mängel» zurück. Am 20. April 2011 gab die Studentin eine überarbeitete Fassung ab. Der Professor bewertete das neue Dokument ungelesen mit der Note 4.

Ein paar Monate später, am 21.September 2011, teilte die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Studentin mit, ihre Arbeit sei mit der Note 4 bewertet worden. Das wollte die Studentin nicht hinnehmen. Sie erhob Einsprache beim Fakultätsvorstand. Dieser hiess das Begehren gut und forderte den Professor auf, die überarbeitete Fassung noch einmal zu korrigieren, was dieser auch tat. Die Arbeit habe in dieser Überarbeitung eine 4.5 bis 5 verdient. Da sie aber in ihrer ursprünglichen Form rund eine Note schlechter gewesen sei, bleibe es nach einem solchen Abzug bei der Schlussnote Note 4.

Von der ersten zur zweiten Instanz

Für die Studentin – respektive mittlerweile Juristin – war die Sache damit nicht gegessen. Sie gelangte an die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen. Doch diese trat nicht einmal auf den Rekurs ein. Am 15. August 2012 legte die Frau beim kantonalen Verwaltungsgericht Beschwerde ein. Sie verlangte, dass die Rekurskommission auf ihr Begehren eintreten möge und ihre Note anzuheben sei. Doch auch das Verwaltungsgericht erteilte ihr eine Abfuhr. Denn Einzelnoten, so das Gericht, zögen keine unmittelbaren rechtlichen Wirkungen nach sich. Anders wäre der Fall, wenn wegen dieser Einzelnote der Gesamtschnitt ungenügend gewesen wäre. Dies war bei der Studentin jedoch nicht der Fall.

Der Teufel steckt in rechnerischen Details. So muss sich die frischgebackene Juristin heute mit einem Notendurchschnitt von 4.73 auf Stellen bewerben. Wäre ihre Arbeit mit einer 5 bewertet worden, ergäbe das einen Durchschnitt von 4.93. Damit, so argumentierte die Beschwerdeführerin, käme sie für ein Doktorat infrage und könne sich auch auf Stellenausschreibungen bewerben, die die Note 5 voraussetzen würden.

Das stritt das Gericht nicht ab. Doch auch ein Notendurchschnitt von 4,93 liege unter einer 5 und hätte damit kein Prädikat «magna cum laude» verdient. Zudem sei es im Ermessen der Professoren, ob sie eine Doktorarbeit betreuen wollten oder nicht, es gebe keinen Rechtsanspruch auf ein Doktorat.

Das Gericht wies die Beschwerde mit der Bemerkung ab, auch die Rekurskommission hätte mit dieser Rechtslage negativ entschieden, wenn sie auf den Rekurs eingetreten wäre. Deshalb würde sich mit einem Entscheid der Kommission für die Beschwerdeführerin nichts ändern.

Was bleibt, sind die Note des Abschlusszeugnisses und die Gerichtskosten: 2100 Franken muss die unterlegene Beschwerdeführerin für den Entscheid berappen. Es ist zu hoffen, dass die Juristin bei künftigen Fällen mehr Erfolg hat.

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