Zürich
Jungsozialist Rafael Mörgeli: «Ich bin eher links in der Familie»

Da soll einer sagen, die Jugend interessiere sich nicht für Politik. Auf Rafael Mörgeli trifft dieses Stereotyp jedenfalls nicht zu. Der Nachwuchspolitiker ist Juso, Student, Musiker – und hat einen bekannten Onkel.

Matthias Scharrer
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Juso-Sekretär Rafael über Christoph Mörgeli (SVP): «Politisch sind wir nicht einer Meinung. Aber sonst verstehen wir uns gut.»

Juso-Sekretär Rafael über Christoph Mörgeli (SVP): «Politisch sind wir nicht einer Meinung. Aber sonst verstehen wir uns gut.»

Matthias Scharrer

Seine Maturarbeit schrieb der heute 21-Jährige über die Parteienlandschaft in der Schweiz – und fragte sich dann, welche Partei seinen Vorstellungen am besten entspräche. «Per Ausschlussverfahren landete ich so bei den Juso», sagt Mörgeli und nimmt einen Schluck Eistee.

Von aussen betrachtet liegt diese Wahl nicht gerade auf der Hand. Sein Onkel ist SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Die Eltern? Mittelschicht. Man gehe wählen, aber Politik sei zu Hause nicht das grosse Thema. «Ich bin eher links in der Familie», sagt Rafael Mörgeli und lacht. «Die meisten Jungsozialisten sind wohl eher links in der Familie.»

Politik als Leidenschaft und Brotjob

Bei den Juso kam er schnell voran. Für den Kantonalvorstand bewarb er sich letztes Jahr erfolgreich mit den Worten: «Mörgeli ist der Name, dazu stehe ich. Ich habe noch nie einen Hehl aus meiner Herkunft gemacht.» Weiter hiess es in seinem Motivationsschreiben: «Ich versuchte zu zeigen, dass es auch noch Mörgelis gibt, die sozial, demokratisch und gesellschaftskritisch denken und politisieren.» Das zog, zumal er sich zuvor schon im Vorstand der Stadtzürcher Juso engagiert hatte.

Auch als es vor einer Woche um die Vergabe des einzigen bezahlten Postens bei den Kantonalzürcher Juso ging, überzeugte er die Mehrheit. Mörgeli wurde als Parteisekretär gewählt – knapp, nach einer Kampfwahl.

Doch eine Politkarriere strebe er nicht an, sagt der pausbackige junge Mann beim Gespräch im Café auf dem Sechseläutenplatz. Schon gar nicht Politik als einzigen Beruf: «Es ist wichtig, dass Politiker noch einen Beruf ausserhalb der Politik haben und nicht im Elfenbeinturm sind.»

Als Berufswunsch gibt Rafael Mörgeli Lehrer an. Er wolle kommenden Schülergenerationen Werkzeuge vermitteln, mit denen sie im Leben weiterkommen – ohne sie politisch zu indoktrinieren. «Bildung ist etwas vom Wichtigsten», erklärt er. Und: Der Zugang zu Bildung dürfe nicht vom Portemonnaie abhängen.

Deshalb reichten die Juso auch zusammen mit Studentenvertretern die Bildungsinitiative ein. Ihre Ziele sind die Abschaffung von Studiengebühren und Gratis-Schulbücher an Mittelschulen. Voraussichtlich dieses oder nächstes Jahr kommt die Volksinitiative im Kanton Zürich zur Abstimmung.

«Politik ist meine Leidenschaft», sagt Rafael Mörgeli. Derzeit ist sie auch sein Brotjob. Zuvor jobbte er an der Migros-Kasse. Mit seinem 20-Prozent-Pensum als Juso-Sekretär finanziert er nun sein Studium mit. Mörgeli studiert im vierten Semester an der Uni Zürich Geschichte, Anglistik und Politikwissenschaften. Erst kürzlich zog er aus seinem Elternhaus in Stäfa in eine Wohngemeinschaft in Zürich, nahe beim Albisgüetli.

Rafael Mörgeli erwähnt es beiläufig. Dabei liesse sich beim Stichwort Albisgüetli, dem Ort, wo die Zürcher SVP alljährlich ihre landesweit beachtete Tagung abhält, wieder auf seinen berühmten Onkel zurückkommen. Doch Rafael verliert nur wenige Worte über Christoph Mörgeli: «Er ist mein Onkel. Politisch sind wir nicht einer Meinung. Aber sonst ...» Er hält inne. «Sonst verstehen wir uns gut.»

«Der Film war nur eine Episode»

Es wäre verfehlt, Rafael Mörgeli auf diese politisch spannungsvolle verwandtschaftliche Beziehung zu reduzieren. Dafür ist er zu vielseitig. Er versuchte sich als Filmschauspieler im Schweizer Spielfilm «Boys are us», der letztes Jahr im Kino lief. Seine Lehrerin der Theatergruppe am Gymnasium hatte ihm den Kontakt zu Regisseur Peter Luisi vermittelt. Auch sein musikalisches Talent brachte er dabei mit ein: Mörgeli steuerte einige selbst komponierte Lieder zum Filmsoundtrack bei. Gelegentlich tritt er mit seinen Liedern, die er mit rauer Stimme singt und mit rollenden Pianofiguren selbst begleitet, auch in Musiklokalen auf.

«Musik mache ich allein für mich», betont Mörgeli. Auch neue Rollen als Schauspieler suche er nicht aktiv. «Der Film war nur eine Episode. Ich weiss, dass ich nicht die Qualität habe, um dort Fuss zu fassen», sagt er.

Eine Kandidatur für den Zürcher Gemeinderat in vier Jahren könnte er sich hingegen durchaus vorstellen. Auch diesbezüglich gibt er sich zurückhaltend: «Es gibt viele, die das besser können als ich.» Doch schon einen Satz später macht er klar, dass er für seine Überzeugungen einzustehen bereit ist: «Wenn ich sehe: Nein, ich muss das machen – dann mache ichs auch.»