Wer in der Stadt Zürich seinen Gastrobetrieb neu auch nach Mitternacht geöffnet halten will, muss seit dem vergangenen Sommer mit Rekursen aus der Nachbarschaft rechnen. Grund dafür ist eine neue Bewilligungspraxis, mit der die Stadt auf ein Urteil des Baurekursgerichts reagierte.

Für die Verlängerung der Öffnungszeit über Mitternacht hinaus galt bislang das Gastgewerbegesetz. Die Bewilligungen stellte die Polizei aus. Dagegen konnte nicht rekurriert werden. Nun werden die Betriebszeiten in der Baubewilligung festgeschrieben.

Gegen ein Baugesuch können Anwohnerinnen und Anwohner jedoch Rekurs einlegen und sich so beispielsweise gegen einen befürchteten Lärmanstieg juristisch zur Wehr zu setzen.

Der neu gegründete Verein "Pro Nachtleben Zürich" stört sich an dieser Rekursmöglichkeit, wie er am Freitag mitteilte. Damit werde den Anwohnern "ein mächtiges Instrument in die Hand gegeben". Dieses "störe und erschwere die Landschaft und Weiterentwicklung der Bar- und Clubbetriebe" in der Stadt Zürich erheblich.

In einer Petition fordern die Jungpolitiker deshalb unter anderem die Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen bei Lärmklagen. Zudem sollen Aussenwirtschaften an geeigneter Lage bis Mitternacht oder darüber hinaus zugelassen werden. Die Bewilligungspraxis soll grundsätzlich liberaler und weniger bürokratisch sein.

Im Verein zusammengeschlossen ist ein überparteiliches Komitee von Jungpolitikern aus den Reihen der Grünen, GLP, CVP, FDP und SVP der Stadt Zürich. Mit der Juso habe man sich allerdings nicht einigen können, wie Claudio Zihlmann (Jungfreisinnige) zu "20 Minuten" sagt. Von Seiten der Jungsozialisten heisst es, der Verein habe nicht alle Anliegen der Partei berücksichtigt. Die Juso setzen sich etwa für eine Befreiung von der Konsumpflicht ein. (sda/flo)