Zürich

Junges Brillenlabel sucht den direkten Kundenkontakt

Das VIU-Team um Kilian Wagner (Zweiter von links).

Das VIU-Team um Kilian Wagner (Zweiter von links).

Frischer Wind im lukrativen Online-Markt für Sehhilfen: Das Zürcher Label VIU verkauft seine Produkte ohne Zwischenhandel direkt an die Kunden - ein neuer Weg im Online-Vertrieb.

«Mama, Papa, ich werde Brillenverkäufer» – dass ausgerechnet ein HSG-Absolvent so was sagt, ist eher aussergewöhnlich. Trotzdem hat sich Kilian Wagner, gemeinsam mit Peter Käser, mit der Gründung des Start-ups VIU den Handel mit Brillen zum Traumjob gemacht. Nicht ohne Grund: Wagner will den Brillenverkauf im Internet modernisieren. Die meisten Konsumgüter sind heutzutage nur einen Mausklick entfernt – ausser Brillen. Diese sind laut Wagner noch nicht wirklich im Onlinehandel angekommen und werden nach wie vor primär im Fachhandel gekauft.

Das geschieht, weil der Kunde kaum Erfahrung mit dem Produkt Korrekturbrille hat und lieber keine Risiken eingehen will. «Die Zeche bezahlt am Ende der Kunde, da er die hohen Kosten der Optikerdistribution trägt, ohne dass der Preis unbedingt die Qualität des Produkts widerspiegelt», sagt Wagner. Aufgrund der hohen Distributionskosten über den Fachhandel sind die Preise für die Endkunden entsprechend hoch.

Viu möchte frischen Wind in den Brillenmarkt bringen und setzt dabei auf folgende Strategien: Den Zwischenhandel ausschalten, eigene Designs, eine enge Zusammenarbeit mit einer italienischen Manufaktur und der direkte Vertrieb an den Endkunden. Anstatt durchschnittlich 600 Franken für eine Korrekturbrille im Fachhandel, zahlt der Kunde dann bloss noch einen Drittel des Preises. Für diesen Preis verspricht VIU interessierten Brillenträgern ein frisches und modernes Design sowie handgefertigte Brillenfassungen. Fielmann habe vor 40 Jahren den Markt mit einem neuen Vertriebssystem revolutioniert, sagt Wagner. «Aber seitdem hat sich die Branche kaum verändert, und ist noch lange nicht im digitalen Zeitalter angekommen «.

VIU will sich dabei als eigenständige Marke positionieren, die ihre Modelle selber entwirft und in einer kleinen Manufaktur in den italienischen Dolomiten herstellen lässt. «Beim Vertrieb brechen wir mit bestehenden Strukturen und verkaufen direkt an den Endkunden. Unsere Brillen gibt es nicht beim Optiker, sondern online und in ausgewählten Fashionboutiquen.» Das Designteam um Christian Kägi und Fabrice Aeberhard, die bereits erfolgreich die Taschenmarke Qwstion etabliert haben, entwarf für die erste Kollektion 14 Modelle.

VIU hat in der Schweiz laut Wagner einen erfolgreichen Start hingelegt. «Seit dem Launch vor rund drei Monaten wurden wir von der starken Nachfrage so überrascht, dass innerhalb der ersten Wochen mehrere Modelle bereits ausverkauft waren.» Nächste Woche eröffnet VIU seinen ersten Flagship-Store an der Grüngasse in Zürich. Mit dem Slogan «Framing Characters» haben die jungen Brillenmacher für ihr erstes Katalog-Shooting keine professionellen Brillenmodels eingesetzt, sondern Persönlichkeiten wie Dieter Meiers Tochter Anna Meier oder Milieu Mauri, Betreiber des Clubs Gonzo an der Langstrasse.

Bevor Wagner sein Label gründete, war er als Strategieberater bei McKinsey tätig – der klassische Karriereweg eines HSG-Absolventen. Er schaut gerne auf die Zeit zurück: «Ich habe bei McKinsey vieles gelernt und diese Erfahrungen haben mir bei der Umsetzung des eigenen Projekts geholfen – auch im Hinblick auf die Gründung eines eigenen Startups.»

Mit dem Start seines eigenen Brillenlabels setzt Wagner allem Anschein nach auf das richtige Pferd. Denn der Brillenmarkt hat noch grosses Aufholpotenzial, bevor die Brille im digitalen Zeitalter angekommen ist.

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