Zürich
«Junge Frauen wiegen sich in falscher Gleichberechtigung»: Autor Bänz Friedli im Interview

Der Autor Bänz Friedli findet, dass sich junge Frauen in falscher Gleichberechtigung wiegen.

Lina Giusto
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Der Schweizer Kabarettist und Kolumnist Bänz Friedli.

Der Schweizer Kabarettist und Kolumnist Bänz Friedli.

Walter Bieri

Herr Friedli, bislang war Ihr Publikum erwachsen. Am 2. Oktober erscheint Ihr erstes Kinderbuch. Warum der Wechsel?

Bänz Friedli: Einerseits, weil meine Kinder mich immer wieder gedrängt haben, doch mal ein Kinderbuch zu schreiben. Dank «Harry Potter» und den «Drei Fragezeichen» glaubten sie wohl, damit habe man ausgesorgt. Dann kam der Baeschlin Verlag, der sich in seiner Kinderbuchreihe gesellschaftlichen Problemkreisen widmet. Es dauerte knapp zwei Jahre, bis ich ein Thema gefunden hatte, wozu ich eine Geschichte erzählen konnte.

Welches Thema haben Sie gewählt?

Geschlechterrollen: Wie hat ein Mädchen oder ein Junge gefälligst zu sein? Ich finde es derzeit etwas trügerisch. Vordergründig stehen jungen Frauen nach 50 Jahren Gleichstellungsbemühungen alle Möglichkeiten offen. Aber: Das stimmt so nicht. Die Schwierigkeiten beginnen bei der Berufswahl. Dann können Frauen Familie und Beruf nur vereinen, wenn sie den richtigen Partner finden. Junge Frauen wiegen sich in falscher Gleichberechtigung.

Wie sieht denn «richtige» Gleichberechtigung aus?

Wenn ein Mädchen Bauingenieurin werden will, soll sie das können. Und ein Junge Kindergärtner.

Das können sie doch?

Sie dürfen, klar. Als Jugendlicher wollte ich tatsächlich Kindergärtner werden. Noch heute, 37 Jahre später, ist es für einen Mann aber fast unmöglich, es zu werden. Männer in diesem Beruf stehen sehr rasch unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs. Wir sind im realen Leben noch lange nicht so weit, wie wir glauben. Das ist das Perfide.

Sie haben selber zwei Kinder: Gibt es wirklich keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen?

Doch, gibt es. Als Vater eines Mädchens und eines Jungen bemerkte ich klare Unterschiede. Er war technisch interessiert, sie sprachlich gewandt. Manche «typisch männliche» und «weibliche» ihrer Merkmale und Fähigkeiten überraschten uns, weil wir ihnen als Hausmann und berufstätige Frau ja umgekehrte Rollen vorlebten. Haben wir ihnen Eigenschaften angedichtet? Waren bestimmte Interessen in ihnen drin? Das begann mich umzutreiben.

Gibt es auch äussere Einflüsse?

O ja! Als unsere Kinder klein waren, gab es bei H&M doch tatsächlich eine tarnfarbene Kollektion für Jungen. Die Mädchenkleider waren allesamt rosa. Als mein Sohn drei Jahre alt war, hing in einem Laden zum ersten Mal ein pinkfarbener Pullover für Buben – er wollte ihn sofort haben. Diese Reaktion fand ich interessant: Als er die Möglichkeit bekam, etwas anderes auszuwählen, hat er sogleich zugegriffen. Bei der Berufswahl dagegen ist es wohl der Einfluss von Gruppen, an die sich Mädchen wie Jungen angleichen.

Was kann man dagegen tun?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will die Geschlechter keinesfalls abschaffen. Aber sie sollten nicht mit einem Kodex verbunden sein, wie jemand gefälligst zu sein habe.

Warum steht im Klappentext Ihres Buches «Eine Hommage an alle unbeirrbaren Fussballerinnen»?

Meine Kinder inspirierten mich: Die Tochter mag Fussball, spielte selber im Verein. Unseren Sohn interessierte es überhaupt nicht. Was übrigens in der Schule nicht einfach war – er fiel deswegen seltsam auf. Zum anderen imponiert mir der amerikanische Frauenfussball. Diese Sportlerinnen sind deutlich lauter als europäische. Dort wird jede Ungerechtigkeit benannt, diskutiert, aber vor allem vehement angefochten. Sie stehen für die Rechte von Lesben ein und fordern vor dem höchsten Gericht gleichen Lohn wie die männlichen Fussballer.

Was sagen Ihre Kinder zum Buch?

Unsere 19-jährige Tochter fand das Buch «zu erwachsen». Und ich hatte mir vorgenommen, die Kinder ernst zu nehmen! Mal schauen, wie es die 8- bis 14-Jährigen finden.