Banken
Julius Bär muss nach grossem Zukauf um Berater und Kunden kämpfen

Übernahmen können ihre Tücken haben. Das gilt insbesondere für die Bank Julius Bär, die mit dem Kauf des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch unlängst einen grossen Zukauf wagte.

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Julius Bär steht unter dem Druck der Konkurrenten.

Julius Bär steht unter dem Druck der Konkurrenten.

Keystone

Der erst 39-jährige Bankchef Boris Collardi jettet derzeit pausenlos um den Globus, um Kunden und Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Reisedestinationen der vergangenen Monaten waren die mehr als 20 Standorte von Merrill Lynch zwischen Panama und Hongkong. «Die Integration kann man nicht am Computer auf einem Spreadsheet machen», sagte Collardi zu Reuters. Das gehe nur mit den Leuten an der Front. «Indem man ihnen redet und ihnen erklärt, wie Julius Bär funktioniert.»

Erfolgreich sind Collardis Reisen dann, wenn möglichst viele Kunden von Merrill Lynch auch zu Bär wechseln - und das hängt von den Beratern ab. Reiche und Superreiche haben oft eine engere Beziehung zu ihren persönlichen Beratern als zu einer Bank und folgen ihnen von einem Institut zum nächsten.

Es ist daher kein Wunder, dass Julius Bär den Merrill-Lynch-Beratern in Asien Sonderprämien zahlte, um einen Exodus zu verhindern, wie ein Headhunter in Singapur berichtet. Bisher hat Collardi mit 272 bereits gut die Hälfte der über 500 Kundenberater zum Bleiben bewegen können.

Um auch andere Merrill-Lynch-Berater an Bord zu holen, hat Collardi noch mehr als ein Jahr Zeit. Die vor einem Jahr angekündigte Übernahme wurde am 1. Februar zwar rechtlich vollzogen. Julius Bär will sich das internationale Vermögensverwaltungsgeschäft von Merrill Lynch aber Schritt für Schritt einverleiben. Die gestaffelte Überführung soll Anfang 2015 abgeschlossen sein.

Druck der Konkurrenten

Läuft alles wie geplant, kann Julius Bär den Anteil des Geschäfts aus den wachstumsstarken Schwellenländern von bisher einem Drittel auf die Hälfte anheben.

Doch Wettbewerber wie Citi, HSBC, UBS und Credit Suisse haben sich ebenfalls Wachstum in diesen Ländern auf die Fahnen geschrieben und lauern nur auf Gelegenheiten, Kundenberater zu übernehmen. «Ich bin dabei, eine ordentliche Zahl von Merrill-Leuten über die kommenden Monate abzuwerben», erklärt der Headhunter in Singapur.

Collardi selbst sieht sich auf Kurs. Wenn er Recht behält, kann die Bank ihre verwalteten Vermögen von bisher 194 Mrd. Franken um weitere 72 Milliarden aufstocken. Das ist allerdings aufwendiger als am Anfang gedacht. Julius Bär erhöhte schon einmal die Schätzung für die Integrationskosten um rund 50 Mio. auf 455 Mio. Franken.

Dazu kommt der Kaufpreis von bis zu 860 Mio. Franken für das bisher defizitäre Geschäft. Und die Kosten sind nicht das einzige Problem: Die Einverleibung von Merrill Lynch absorbiert Management-Kapazitäten, weshalb sich die Bank weniger um Wachstum in anderen Bereichen kümmern kann.

Mit Erstaunen haben Mitarbeiter und Grossanleger zudem Kenntnis davon genommen, dass Collardi und andere Spitzenmanager von Julius Bär für die Übernahme der internationalen Merrill-Lynch-Vermögensverwaltung bereits einen Sonderbonus einstrichen.

Unterdurchschnittliche Kursentwicklung

Dass Collardi bisher nicht alle Anleger von der Übernahmen überzeugen konnte, zeigt auch die Aktienkursentwicklung. Seit der Ankündigung der Übernahme hat die Julius-Bär-Aktie zwar 26 Prozent an Wert gewonnen. Im gleichen Zeitraum legte der europäische Bankenindex aber noch kräftiger, nämlich um 34 Prozent, zu.

«Die Integration bleibt eine grosse Unbekannte und ist unsicherer, als es auf den ersten Blick aussieht», sagt Barclays-Analyst Jeremy Sigee. Einer der 15 grössten Aktionäre der Bank erklärte, es dürfte zwei bis drei Jahren dauern, bis klar sei, ob die Transaktion von Erfolg gekrönt sei.

Doch wenn Collardi Erfolg hat, wird er zum Kandidaten für eine Spitzenposition bei den Grossbanken Credit Suisse oder UBS. «Für sein zartes Alter hat er sehr viel dazu gelernt und kommt bei den Kunden gut an», erklärt Thomas Braun, Fondsmanager bei Braun, von Wyss & Müller. «Ich denke, dass er ein guter Kommunikator ist. Daher kann ich mir vorstellen, dass er für höhere Aufgaben geeignet wäre.» (sda)