Heute können die Jugendparlamentarier schon einmal Ratsluft schnuppern. Im Zürcher Rathaus, wo sie künftig beraten, debattieren und Beschlüsse fassen werden, treffen sie sich zum ersten Mal. Noch gilt es allerdings nicht ernst. Am heutigen Jugendpolitik-Tag sollen sie sich an Workshops und Podien auf ihre politische Arbeit einstimmen. Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) und die höchste Zürcherin, Kantonsratspräsidentin Karin Egli-Zimmermann (SVP), begrüssen den Nachwuchs.

Träger des neuen Rats ist der Verein Jugendparlament Kanton Zürich. Der 19-jährige Dominic Täubert (junge EVP) präsidiert ihn zusammen mit der 20-jährigen Sarah Schmid (parteilos). «Ich hoffe, dass wir mehr debattieren werden als die gewählten Politiker im Kantons- und Nationalrat», sagt Täubert, «und dass wir sachlich und konsensorientiert diskutieren und weniger nach Parteibüchlein.»

Angefixt durch Radio-News

Täuberts Weg in die Politik wurde nicht etwa durch seine Eltern geprägt, sondern durch ein DAB-Radio. Aus diesem habe er schon als 11-Jähriger Nachrichtensendungen von DRS4 gehört. «Irgendwann wusste ich, dass ich das Gesicht der Welt mitgestalten will.» An der Kantonsschule Zürcher Oberland organisierte er später politische Podien, wurde Mitglied der jungen EVP und engagierte sich im Jugendparlament-Verein.

Dieser wird vom Kanton mit jährlich 10 000 Franken subventioniert. Zwei Mal im Jahr darf er den Kantonsratssaal benutzen und danach im Konferenzraum die Medien orientieren. Die Trägerschaft läuft bis 2021 und wird automatisch um vier weitere Jahre verlängert: Es sei denn, ein anderer Verein bewirbt sich um das Mandat – oder das Parlament erfüllt die Bedingungen der Regierung nicht. Mindestens zwei öffentliche Sitzungen pro Jahr mit jeweils mindestens 20 Parlamentariern sind Pflicht.

Integration, Drogenpolitik

Aktuell besteht das Jugendparlament aus 39 Mitgliedern. «Ich hoffe, dass es bis zur ersten Session noch mehr werden», sagt Täubert. Diese ist auf den 24. März angesetzt. Mit den bisherigen Anmeldungen ist bereits jeder Bezirk im Parlament vertreten. Die regionale Herkunft ist jedoch zweitrangig. Mitglied werden können alle, die 12 bis 21 Jahre alt sind und im Kanton Zürich wohnen. Die Nationalität spielt keine Rolle; ebenso wenig, ob jemand einer Partei angehört oder nicht.

Auf Fraktionen und eine Sitzordnung wird verzichtet. «Aber möglicherweise setzen sich vereinzelte Jugendparlamentarier dorthin, wo ihre politischen Vorbilder im Kantonsrat jeweils Platz nehmen», sagt Täubert.

Die erste Traktandenliste steht noch nicht. Eine Arbeitsgruppe sammelt Ideen, die von Kommissionen vorbereitet und dem Rat präsentiert werden. Bildung, öV, Integration, Drogenpolitik und Freizeit sind laut Täubert mögliche Themen.

Beschlüsse können in Form von Petitionen beim Kantonsrat eingereicht werden. Ausserdem will der Kanton das Jugendparlament bei Vernehmlassungen anhören, sofern eine Rechtsänderung die Anliegen von Jugendlichen besonders betrifft. Dass damit nicht die Welt verändert wird, ist Täubert klar. In erster Linie sollen die Jugendparlamentarier ja auch die demokratischen Prozesse kennen lernen, Freude an der Politik gewinnen und sich allenfalls für höhere Aufgaben empfehlen. Täubert könnte sich jedenfalls gut vorstellen, dereinst ein politisches Amt zu belegen.