Runder Tisch
Jugendliche treffen sich zum Gespräch mit Stadtrat Leupi

Nach der Facebook-Umfrage «Fertig Puff» will Zürich konkret werden. Der Stadtrat Daniel Leupi sprach mit sechs Jugendlichen, die mit konstruktiven Beiträgen aufgefallen waren.

Sarah Jäggi
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«Fertig Puff»: Unter diesem Stichwort hat der Zürcher Stadtrat im letzten Herbst den Dialog mit Jugendlichen gesucht und sie eingeladen, im Internet über Freiräume und den Umgang mit illegalen Partys zu diskutieren.

Konstruktive Beiträge

Gut 200 Personen beteiligten sich am Aufruf und äusserten ihre Wünsche und ihren Unmut im Zusammenhang mit Ausgang, Partys, Freiräumen und ihre Erfahrungen im Umgang mit der Polizei und der «sip» (Sicherheit, Intervention, Prävention). Sechs Jugendliche, die durch ihre «konstruktiven und spannenden Beiträge» aufgefallen waren, wurden nun eingeladen, zusammen mit Stadtrat Daniel Leupi und einem Teil der Arbeitsgruppe Jugend im öffentlichen Raum (JiöR) das Thema weiter zu diskutieren. Das Treffen, das Ende November stattgefunden hat, sei in einer «offenen und guten Atmosphäre» verlaufen, sagte Patrick Pons, Sprecher des Zürcher Schul- und Sportdepartementes und Leiter der Aktion «Fertig Puff».

Freiräume gehen verloren

Am meisten zu diskutieren gab sowohl in der Facebook-Umfrage wie auch am runden Tisch das Thema «Freiräume». Jugendliche wünschen sich mehr Orte, an denen sie ungestört feiern können, Orte, an denen kein Konsumzwang herrscht und kein Eintritt verlangt wird.

Die für viele Jugendliche hohen Kosten des Ausgangs war denn auch ein viel diskutiertes Thema der Internetumfrage, die nach einer Facebook-Überarbeitung vorzeitig und ungewollt gelöscht wurde und nicht mehr einsichtbar ist. Dass Zürich mit jeder Aufwertung auch ungenutzte Flächen und damit Freiräume verliert, gleichzeitig aber immer mehr Gruppen Anspruch auf ebendiese ungenutzten Flächen verlangen, ist für Pons denn auch eine der Herausforderungen, denen sich Zürich stellen muss.

Die Polizei polarisiert

Der zweite Themenbereich, der zu regen Diskussionen führte, war die Polizei. Die Meinungen über Verhältnismässigkeit von Einsätzen und das Auftreten gegenüber Jugendlichen seien «höchst kontrovers» besprochen worden. Komplimente für Polizisten, die «einen guten Job machen» und der Wunsch nach mehr Präsenz seien genauso genannt worden wie Beispiele von unverhältnismässig groben Polizeiaktionen.

Künftige Praxis bis im Frühling

Nun ist die Arbeitsgruppe der JiöR daran, die künftige Praxis im Umgang mit Partys im öffentlichen Raum zu erarbeiten. «Brauchbare» Ideen aus der Umfrage und das Gespräch mit den Jugendlichen sollen darin einfliessen, wie genau, ist laut Pons noch offen. Bis im Frühling will der Stadtrat die künftige Praxis definiert haben, sodass sie ab dem kommenden Sommer umgesetzt werden kann.

Der Dialog auf Facebook im Rahmen der Kampagne «Fertig Puff» wurde als Reaktion auf spontane Strassenfeste am Bellvue und am Central ins Leben gerufen, bei denen sich im letzten Herbst Hunderte von Jugendliche trafen. Beide Feste mündeten in heftigen Krawallen mit beträchtlichen Schäden aus.